11. Oktober 2013

Einfach niedergeschossen

Mahnmal KZ Columbia am Columbiadamm, nahe dem ehemaligen Flughafen Tempelhof - Fotoquelle: Wikipedia

Zum Ende einer Berliner Ausstellung über das KZ Columbia-Haus

Sabine Lueken

Heute geht in Berlin eine sehenswerte Ausstellung zu Ende: »›Warum schweigt die Welt?!‹ Häftlinge im Berliner Konzentrationslager Columbia-Haus 1933 bis 1936.« Sie war seit Juli in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zu sehen. Viel berichtet wurde nicht darüber.

Das Columbia-Haus war eins der ersten und schlimmsten KZ des Naziterrors. Die ehemalige Militärstrafanstalt am Columbiadamm (benannt nach der Flugzeuglandung der »Miss Columbia« 1927) wurde seit dem Sommer 1933 vom Geheimen Staatspolizeiamt als Gefängnis genutzt, da das Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße wegen der großen Zahl politischer Häftlinge bereits überfüllt war. Die Zahl der im Columbia-Haus Inhaftierten wuchs von anfangs 80 auf 450 im Februar 1934, insgesamt waren es mehr als 8000 Menschen, die an diesem Ort völliger Rechtlosigkeit gequält wurden. Demütigung, Mißhandlung und Folter, Schlafentzug, überbelegte Zellen ohne Klo und Sanitäreinrichtungen– wer dadurch nicht gefügig gemacht werden konnte, wurde »beim Fluchtversuch erschossen« wie John Schehr, Nachfolger Ernst Thälmanns als KPD-Vorsitzender, und drei seiner Genossen im Februar 1934, oder einfach in der Zelle niedergeschossen, wie die beiden Homosexuellen Heinz Hoppe und Kurt Wirtz im Frühjahr 1935, oder brutal gefoltert und ermordet wie Michael Kazmierczak, Kommunist und Rotfrontkämpfer, im November 1933. Nach 1945 wurde keiner der Täter zur Verantwortung gezogen.

Ab Januar 1935 wurde das Gefängnis in das System der Konzentrationslager eingebunden, der wildwüchsige Terror zu systematischer Gewaltausübung ausgebaut. Im April 1935 wurde Karl Koch, der spätere Kommandant von Sachsenhausen, Buchenwald und Majdanek, als Leiter eingesetzt, das KZ zu einer Ausbildungs- und Übungsstätte für SS-Wachmannschaften. Der Flughafenausbau von Tempelhof im November 1936 führte zur Schließung, die Häftlinge wurden nach Sachsenhausen gebracht. 1938 wurde das Columbiahaus abgerissen.

In diesem Sommer wurde am Rande des Tempelhofer Feldes eine archäologische Grabung durchgeführt, die auch Überreste von Zwangsarbeiterlagern freilegte. Im Krieg befanden sich an diesem Ort Barackenlager für Tausende Zwangsarbeiter, die für die Lufthansa und die Weserflug GmbH Kampfflugzeuge zusammenschrauben mußten. Eine Initiative, der »Förderverein für ein Gedenken an die Naziverbrechen in und um das Tempelhofer Feld e. V.«, setzt sich für die Errichtung eines angemessenen Gedenk- und Informationsortes ein.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2013/10-11/001.php

Quelle: http://www.die-linke-weissenburg.de/politik/presse/detail/artikel/einfach-niedergeschossen/