27. April 2017

Das Rentenniveau ist im freien Fall - Linke fordern Mindestrente von 1050 Euro

Heinz Rettlinger, Ortssprecher der Linken in Gunzenhausen und ehrenamtlicher Rentenberater

Gunzenhausen - Auf Initiative des Ortsverbandes der Linken fand im Vereinsheim des 1. FC Gunzenhausen eine Bildungs- und Informationsveranstaltung zum Rentensystem statt. Heinz Rettlinger, ehrenamtlicher Rentenberater und Ortssprecher der Linken, informierte die 15 BesucherInnen einerseits über die aktuelle Rentenpolitik der Bundesregierung und andererseits über die Positionen der LINKEN.

Bereits seit Jahren steige die Altersarmut in Altmühlfranken. Dass diese Entwicklung kein Zufall ist und dass sie in den nächsten Jahren durch die CDU/CSU/SPD-Rentenpolitik noch verstärkt wird, konnte Rettlinger mit eindrucksvollen Zahlen sehr gut nachvollziehbar machen.

"In Deutschland wurden zu Beginn des Jahrtausends die Ansprüche aus der Gesetzlichen Rente bewusst gekürzt, um die Arbeitgeber bei den Rentenbeiträgen zu entlasten. Dafür soll jetzt der Arbeitnehmer individuell und staatlich gefördert sparen. Doch heute weiß man: die Renditen sind zweifelhaft! 29 Prozent der Arbeitnehmer haben weder Riester-Rente noch Betriebliche Altersvorsorge. Und de facto werden die Bezieher höherer Einkommen stärker gefördert als die mit geringeren Einkommen. Zudem unterstreicht die Hans-Böckler-Stiftung, dass die gesetzliche Rente eines Niedrigverdieners unter dem Grundsicherungsniveau liegen würde, sodass eine Riester-Rente oder eine Betriebliche Altersvorsorge auf die Grundsicherung angerechnet würde."

Rettlinger weiter: "Ein männlicher deutscher Arbeitnehmer, der 2014 mit 20 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung eingetreten ist, immer Vollzeit arbeitet und in der gewerblichen Wirtschaft immer durchschnittlich verdient, darf nach 45 Jahren als gesetzliche Rente netto 50 Prozent seines Netto-Durchschnittsverdienstes erwarten. Das ist weit unter dem EU-Schnitt von 70,9 Prozent. In der EU bekommt nur ein Ire und ein Brite weniger. Auch OECD-weit lagen wir Deutschen damit unter dem Durchschnitt. Das Rentenniveau ist im freien Fall. Ein Vergleich mit unserem Nachbarland Österreicht macht es vielleicht noch deutlicher: Ein langjährig versicherter Mann, der 2013 in Rente ging, bekam in Deutschland durchschnittlich 1050 Euro im Monat, in Österreich 1560 Euro im Monat, und das 14 mal pro Jahr, macht umgerechnet 1820 Euro im Monat, fast 800 Euro mehr."

"Mittelfristig muss das Rentenniveau in Deutschland also dringend wieder auf 53 Prozent und langfristig sogar 70 Prozent in den Fokus der Politik genommen werden. Alles andere ist würdelos und eine Zumutung für die Millionen Rentnerinnen und Rentner in unserem Land. Die Linken fordern zur Absicherung nach unten eine Mindestrente von 1050 Euro.", so Rettlinger.

Den Schritt in die aktuelle Arbeitsmarktpolitik machten die diskussionsfreudigen Gäste. Warum der Mindestlohn für eine akzeptable Rente notwendig ist und wie Mini- und Midijobs, Leiharbeit und geringfügige Beschäftigung für Armutsrenten sorgen, waren Konsens bei den Gästen der Veranstaltung. Als Gewerkschafter wies der Kreissprecher Erkan Dinar darauf hin, dass man den 1. Mai zur Stärkung der Arbeiterbewegung wieder stärker in den Fokus der politischen Aktivitäten nehmen solle.

"Der Kapitalist hat noch nie freiwillig auch nur einen einzigen Pfennig an die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben abgegeben. Die Arbeiterschaft braucht wieder Klassenbewusstsein und den Mut sich in seinem Betrieb zu organisieren. Wir Linken müssen dabei ein Sprachrohr der Arbeiterschaft in den Parlamenten sein. Auf die SPD ist schließlich kein Verlass mehr. Die wollen doch nur noch unter allen Bedingungen mitregieren.", so Dinar, der auch Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand der Linken ist.

Das Echo war übrigens ausnehmend positiv: Gerade in Städten, die nicht von linken Bundestagsabgeordneten vertreten werden, sind solche sachlich-fachlichen Veranstaltungen sehr sinnvoll, waren sich die Besucher einig. Beim nächsten Vortrag soll es um Arbeit 4.0 gehen. Zusammenfassend kann der Begriff damit beschrieben werden, dass die zum Teil heute schon gelebten Arbeitsweisen, vor allem aber die Arbeitsweisen in den nächsten Jahren sich an die Herausforderungen und Möglichkeiten der digitalen Welt anpassen. In diesem Zusammenhang umspannt Arbeit 4.0 den Veränderungsprozess der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter.