22. Dezember 2019

Offene E-Mail an das Weißenburger Tagblatt zur Berichterstattung über Straftaten

Erkan Dinar, (Stadt- und Kreisrat, DIE LINKE)

Sehr geehrter Herr Heubeck,

vielen Dank für den Bericht "Drei Jahre Haft für Messerattacke" vom 12. Dezember 2019 über die Gerichtsverhandlung zu einem Vorfall im April 2019 an der Grundschule in Weißenburg.

Der Artikel fasst alle interessanten Details zusammen. Was ich jedoch offen ansprechen und auch kritisieren möchte ist, dass sie im Artikel die ethnische Zugehörigkeit vom Angeklagten nennen. Nachdem ich den Artikel nun mehrmals gelesen habe, ist für mich nicht ersichtlich, was die ethnische Zugehörigkeit des Angeklagten zur Tat beigetragen hat.

Verbrechen und Vergehen werden von Menschen begangen und nicht von Staatsangehörigkeiten.

In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte. Durch die Nennung der Herkunft oder durch die Verknüpfung mit abwertenden Begriffen werden lediglich diskriminierende Stereotypen bedient.

Auch wenn es nicht ihre Absicht war, ihr Artikel bedient Stereotypen.

In Erwartung einer Reaktion verbleibe ich,

Mit freundlichen Grüßen

Erkan Dinar
Stadt- und Kreisrat

Mit E-Mail vom 8. Januar 2020 antwortete ein Mitglied der Redaktion vom Weißenburger Tagblatt. Ausdrücklich wurde die Veröffentlichung der Antwort untersagt.