14. August 2018

Rede von Eva Sieland-Hirschmann (Aktivistin bei der Integrationsinitiative für Flüchtlinge "Weißenburg hilft") auf der Kundgebung Seebrücke statt Seehofer

Eva Sieland-Hirschmann, Aktivistin bei der Integrationsinitiative für Flüchtlinge "Weißenburg hilft"

Es gilt das gesprochene Wort!

"Die Menschenrechtskonvention der EU wurde als völkerrechtlich verbindlicher Grundrechteschutz geschaffen und ist bereits 1953 in Kraft getreten.

In ihrem Artikel 1 verpflichtet die Menschenrechtskonvention alle Vertragsstaaten, die in ihr verbürgten Menschenrechte und Grundfreiheiten aller Personen zu gewähren, die ihrer Hoheitsgewalt unterstehen. Und der Schutz gilt  nicht nur beschränkt auf das eigene Staatsgebiet, sondern überall dort, wo ein Staat de jure oder de facto seine Hoheitsgewalt ausüben kann.

De facto finanziert die EU die libyschen Lager, in denen die geflüchteten Menschen festgehalten werden. Laut Spiegel online vom vergangenen April sind dafür 42,2 Millionen Euro im Spiel.

Unser Auswärtiges Amt vergleicht libysche Asylgefängnisse mit Konzentrationslagern.

Es ist also klar und deutlich ein EU-gewollter Verstoss gegen jegliches Menschenrecht. Aber halt ausserhalb unseres Sichtkreises.

Schaffen es Menschen daraus zu entkommen, oder das zu umgehen, landen sie unweigerlich auf dem Mittelmeer. Es gibt keine Wege zurück. Nicht mal, wenn jemand lieber im eigenen Land ermordet werden würde, als das zu erdulden, was ihm in Libyen passiert.

Natürlich sind die Boote marode, auf die die Menschen dann steigen müssen. Laut dem Bericht eines Seenotretters gibt es auch da kein zurück mehr. Man zwingt die Menschen, die mal angekommen sind, mit vorgehaltenen Waffen, die Boote zu besteigen.

Inzwischen ist das Mittelmeer laut des UN-Flüchtlingshilfswerkes die tödlichste Seeroute weltweit. Alleine in diesem Jahr sind bereits ungefähr 1500 Menschen ertrunken. Und während wir hier stehen, werden es mehr.

Wenn ich daran denke, auch nur eine Pizza mit Meeresfrüchten zu essen, wird mir übel. Das grenzt inzwischen an eine perfide Form des Kannibalismus. Am Mittelmeer Ferien machen? Schwimmen gehen? Alles, was man sich inzwischen gut überlegen sollte.

Die Menschen, die ihre Lebenszeit dafür geben, andere aus Seenot zu retten, werden  inzwischen kriminalisiert. Europa schottet sich ab.

Aber was wir brauchen ist diese Rettung. Wenn wir uns noch länger gesund fühlen möchten. Als aufgeschlossene, moderne Menschen mit Herz und Hirn.

Wir brauchen Utopien, diesen Planeten wieder zum Besseren zu verändern. Fangen wir doch einfach bei uns selber an. Die Einstellung und das Tun jedes Einzelnen ist da gefragt. Anderen überlassen funktioniert nicht.

Noch ein Wort zum Schluss zum christlichen Abendland und seinen Werten:

Der heilige Christopherus ist ja sicher allen ein Begriff. Viele kennen ihn als Schutzpatron der Autofahrer. Das er aber natürlich nicht schon immer gewesen sein kann.
Das früheste Zeugnis seiner Verehrung findet sich bereits im Jahr 454

Um Christus zu dienen, übernahm Christopherus die Aufgabe, Leute über einen gefährlichen Fluss zu tragen. Er brachte also Menschen über das Wasser. Und dafür wurde er immerhin heilig gesprochen und weder geächtet noch verfolgt."