26. Dezember 2016

Redebeitrag von Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE) zum Antrag zur Einführung einer Leinenpflichtverordnung für Hunde

Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE)

Es gilt das gesprochene Wort!

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich habe vor einigen Tagen eine öffentliche Diskussion in den sozialen Medien initiiert und möchte mich an dieser Stelle bei den vielen Bürgern für ihre Beiträge bedanken.

Als ehemaliger Hundebesitzer weiß ich das Hunde generell frei laufen müssen. Ohne Leine kann ein Hund seinem natürlichen Bewegungsdrang viel besser nachgehen und sich schön austoben. Für die glückliche Hundeseele und ein gesundes Körpergewicht ist ausreichend Bewegung unverzichtbar. Aus diesem Grund würden manche Hundehalter ihren Vierbeiner jedoch am liebsten immer und überall frei laufen lassen.

Auf der anderen Seite sind Hunde in erster Linie Tiere, die sich von ihren Instinkten leiten lassen, und daher für Menschen nur bis zu einem gewissen Grad berechenbar sind. Es kann daher passieren, dass ein Hund ohne Leine beim Spaziergang ausbüxt, auf die Straße rennt oder andere Menschen anspringt. Vielleicht sieht er auch einen Artgenossen und möchte mit diesem spielen, oder ein plötzlicher Schreck bringt ihn aus der Fassung. Das kann leider immer passieren, wenn man Hunde frei laufen lässt, daher sollten man ihn beim Spaziergang auch ohne gesetzliche Verpflichtung anleinen, wenn man in Straßennähe ist oder sieht, dass sich Menschen oder Hunde nähern.

So war es bisher und ich sehe derzeit keine Notwendigkeit eine gesonderte Verordnung für einen Leinenzwang auf den Weg zu bringen. Außerdem hat man jetzt schon die Möglichkeit gehabt, Hundebesitzer zu maßregeln mit Maulkörben für ihre Hunde, Schulungen, Mitführverbot und sogar einer generellen Abgabe des Hundes. Ich denke die Hundebesitzer kennen ihre Verantwortung.

Mit der Verordnung wird man sie alle jedoch jetzt unter Generalverdacht stellen, eben ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden. Ich werde die vorgelegte Verordnung deshalb ablehnen.

Die vorgelegte Verordnung setzt aus meiner Sicht auch noch in Teilen komplett falsch an. Vor allem stört mich die Ausklammerung des Waldes, denn gerade dort, also in einsameren Gegenden, zum Beispiel auf Waldwegen, kann es passieren, dass der Vierbeiner ein Beutetier bemerkt, das seinen Jagdtrieb weckt. Dabei kann es zu Jagdunfällen kommen, größere Tiere wie Wildschweine können Hund verletzen oder der Hund verletzt kleinere Wildtiere wie Hasen. Ist er erst einmal außer Sichtweite und mit der Jagd beschäftigt, wird es zudem schwieriger, ihn zurückzurufen. Wenn also überhaupt, dann würde ich mir dort zur Brut- und Setzzeit, sprich vom 1. April bis 15. Juli eine Anleinepflicht wünschen.

Außerdem sollte eine 50 cm Schulterhöhe bei einer Leinenpflichtverordnung keine Rolle spielen. Es gibt bisher keine plausiblem Gründe zur Annahme, dass bei Hunden ab einer Schulterhöhe von 51 cm eine größere Gefährdung vorhanden ist. Auch von kleinen Hunden kann bei falscher Erziehung eine Gefahr ausgehen.

In der Verordnung fehlen außerdem Pluspunkte mit denen eine gute Hundeerziehung belohnt werden sollte. Bei Vorlage eines Hundebegleitscheins bspw. sollte es eine einmalige Befreiung von der Hundesteuer geben.

Summa summarum ist der Verordnungsentwurf aus meiner Sicht zu pauschalisierend und sollte noch einmal von der Stadtverwaltung überarbeitet werden.