29. April 2019

Ein Kommentar von Kreisrat Erkan Dinar (DIE LINKE) zu Durchschnittsstundenlöhnen und Durchschnittseinkommen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Erkan Dinar, (Kreisrat, DIE LINKE)

Im Jahr 2000, also als das neue Jahrtausend begann, hatten die Arbeiter mehr im Geldbeutel! Das stimmt nicht, höre ich schon wieder einige ungläubige Zeitgeister ihren Einspruch einlegen. Durch den Vergleich von Gehaltszetteln aus unterschiedlichen Jahren glaube diese Leute ihre Behauptung bestätigt zu sehen. Doch leider fehlt eine wichtige Information auf den allmonatlichen Lohnzetteln. Nämlich die Entwicklung der Inflation. Die allmonatliche und jährliche Teuerung von Gütern und Dienstleistungen!

In Deutschland kann sich kaum noch jemand daran erinnern, aber einst gab es hohe Hyperinflationsraten und damit eine Entwertung des Geldes. Zuständig für die Wahrung der Preisniveaustabilität sind die Zentralbanken. Diese versuchen die Inflationsrate mittelfristig unter, aber nahe bei 2 Prozent zu halten. 

Der Durchschnittsstundenlohn lag im Jahr 2000 im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bei 18,70 Euro brutto pro Stunde. Bei 23,18 Euro brutto lag er im Jahr 2016. Eine auf den ersten Blick positive Steigerung von 23,96 Prozent. Laut dem Weißenburger Tagblatt stiegt die Inflation im gleichen Zeitraum jedoch um knapp 25 Prozent. Damit gibt es real einen druchschnittlichen Kaufkraftverlust. Bei den unteren Einkommensgruppen, den Prekärbeschäftigten, fällt dieser sogar real noch größer aus. Im Bezirk Mittelfranken rangiert der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen damit beim prozentualen Lohnzuwachs auf dem letzten Platz unter allen kreisfreien Städten sowie Landkreisen. An der Spitze liegt die Stadt Erlangen, der Landkreis Nürnberger Land sowie die Stadt Nürnberg.

In einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung wurden nun auch noch die durchschnittlichen preisbereinigten Einkommensentwicklungen seit dem Jahr 2000 ausgewertet. Preisbereinigt bedeutet übrigens das tatsächtliche verfügbare Einkommen für den Konsum (Urlaub, Miete, Kreditraten, Lebensmittel, Kino) oder zum Sparen (Riester-Rente) nach Berücksichtigung von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und staatlichen Transferleistungen.

Demnach lag also das Durchschnittseinkommen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bei 22.044 Euro. Seit dem Jahr 2000 ein reales Wachstum von 14,3 Prozent! Über das höchste Pro-Kopf-Einkommen im Land können sich die privaten Haushalte im Landkreis Starnberg mit 34.987 Euro freuen.Problem bei Einkommensdurchschnittswerten ist natürlich immer, auch die Millionärskaste wird mit berücksichtigt.

Der durchschnittlichen Arbeiterfamilie gehen diese Zahlen mittlerweile sonstwo vorbei. Da muss jeden Monat genau auf die Haushaltsrechnung geachtet werden. Es braucht hier also eine finanzielle Entlastung. Ein großer Wurf wäre in meinen Augen die Sozialversicherungsbeiträge zu senken, indem man eine Bürgerversicherung einführt.

Mit so einer Bürgerversicherung würde das Gesund- und Pflegeheitssystem in Geld schwimmen, denn ausnahmslos würden alle Bürger und unter Einbeziehung aller Einkunftsarten Beiträge in die gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung leisten. Die Beitragssätze könnten dadurch deutlich von heute auf morgen für die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung gesenkt werden!

Bei einer zusätzlichen Abschaffung der Beitragsbemessungsgreze müsste bspw. ein Gehaltsverdiener von 10.000 Euro und mehr im Monat auch für 10.000 Euro und mehr Beiträge in die Rentenversicherung zahlen. Derzeit werden bei den Beiträgen nur 6.700 Euro (West) und 6.150 Euro (Ost) berücksichtigt. Auch hier könnten von heute auf morgen die Beitragssätze für Millionen von Bundesbürgern gesenkt werden.

Warum passiert dies nicht? Schaut einfach mal auf die Großspenden der privaten Versicherungswirtschaft an die kapitalistischen Systemparteien! DIE LINKE bekommt übrigens nichts. Gut so!