31. Juli 2009

Chronisch psychisch Kranke haben in der Gesellschaft und der Politik keine Lobby

Uwe Schildbach

- Kommunalunternehmen Bezirkskliniken Mittelfranken leistet die Arbeit, der sich die privaten und christlichen Einrichtungen seit Jahren verweigern.

- Die Linke fordert bauliche, personelle und konzeptionelle Verbesserungen im Soziotherapeutischen Wohn- und Pflegeheim Ansbach.

Als beschämend, bezeichnete es die Linke im Mittelfränkischen Bezirkstag, dass sich der Bezirk bisweilen weigere, dem Kommunalunternehmen Bezirkskliniken Mittelfranken bei der dringenden Sanierung des Soziotherapeutischen Wohn- und Pflegeheim Ansbach, finanziell unter die Arme zu greifen.

„Der Langzeitbereich ist schon immer das Stiefkind des Bezirks gewesen, dies hat sich auch unter der Trägerschaft des Kommunalunternehmen Bezirkskliniken Mittelfranken nicht geändert“, erklärte der Bezirksrat der Linken Uwe Schildbach, der selber als Therapeut im Soziotherapeutischen Wohn- und Pflegeheim beschäftigt ist und seit über 15 Jahren mit den chronisch kranken Heimbewohnern in Ansbach arbeitet.

„Anders als geistig Behinderte, haben chronisch psychisch kranke Menschen in der Gesellschaft und der Politik leider keine Lobby und werden in vielen Fällen sogar von den engsten Angehörigen fallen gelassen“, erklärte Schildbach.

Aus diesem Grund fordere die Linke den Bezirk dazu auf, für die psychisch kranken Langzeitpatienten, endlich einmal Geld in die Hand zu nehmen um die Lebensbedingungen in den Einrichtungen und die Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten zu verbessern. Bauliche, aber auch inhaltliche konzeptionelle Veränderungen, seien in diesem Bereich dringend von Nöten und müssten mit einer deutlichen Personalaufstockung, vor allem im pädagogischen Bereich, einher gehen.

Scharf kritisierte Schildbach, die seit Jahren gängige Praxis vieler privater und christlicher Einrichtungen, die ihre schwierigen Heimbewohner bei Krisensituationen in die Akut-Psychiatrie einwiesen und dann diesen Menschen hinterrücks die Heimverträge kündigten.

Weil sich aufgrund der Vorgeschichte dieser Menschen, auch die meisten anderen Einrichtungsträger weigerten dieser Klientel eine neue Chance zu geben, landen viele dieser „schwierigen Fälle“ im Soziotherapeutischen Wohn- und Pflegeheim Ansbach.

Die Menschen, die von den privaten und kirchlichen Einrichtungen so schändlich fallengelassen würden, fänden in der Einrichtung der Bezirksklinik eine neue Heimat.

„Wenn alle anderen Einrichtungen an dieser Aufgabe scheitern, ist das Wohnheim in Ansbach, der einzige Rettungsschirm für diese Menschen“ erläuterte der linke Bezirksrat.

Trotz der bisweilen noch vorherrschenden räumlichen und personellen Defizite, werde im Soziotherapeutischen Wohn- und Pflegeheim Ansbach eine wichtige und gute Arbeit geleistet.

Das Wohnheim in Ansbach, unter der Trägerschaft des Kommunalunternehmen Bezirkskliniken Mittelfranken, stelle sich dieser schwierigen Aufgabe, der sich die anderen psychiatrischen Einrichtungen und Träger seit Jahren verweigern.

„Jetzt wird es Zeit in diesem Bereich, der Jahre lang vernachlässigt wurde, kräftig zu investieren“, so Schildbach abschließend in der Presseerklärung der Bezirkstagslinken.