25. Oktober 2009

DIE LINKE fordert eine bessere ambulante psychiatrische Versorgung für Kinder und Jugendliche in Westmittelfranken

Uwe Schildbach

Dieser Kapitalismus macht schon die Kleinsten krank

Gesellschaftliche Diskussion darüber warum immer mehr Kinder und Jugendliche psychische Auffälligkeiten zeigen

„Während im Landkreis Ansbach die ambulante psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weitestgehend gegeben ist, gibt es in den westmittelfränkischen Landkreisen Weißenburg - Gunzenhausen und Neustadt/Aisch - Bad Windsheim so gut wie keine Versorgungsstrukturen, so der Kreisverband der Linken in einer Pressemitteilung.

Im Landkreis Weißenburg - Gunzenhausen gibt es nur einen, im Landkreis Neustadt/Aisch- Bad-Windsheim keinen einzigen niedergelassenen Facharzt. Als „vollkommen unzureichend“ bezeichnete der Bezirksrat der Linken, Uwe Schildbach, deshalb die Versorgungssituation psychisch kranker Kinder und Jugendlicher im westlichen Mittelfranken. Um diese Unterversorgung in den beiden Landkreisen aufzufangen, muss die Ansbacher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Versorgung dieser Landkreise übernehmen.

„Das Ergebnis ist allerdings nicht akzeptabel, weil das Versorgungsangebot der Ansbacher Bezirksklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, trotz Erweiterung im Juni 2009, Wartezeiten von bis zu 5 Monaten aufweist. Für Kinder und Jugendliche ist es in vielen Fällen besonders wichtig, schnelle und wohnortnahe professionelle Hilfe zu erfahren. Durch die starke Nachfrage in Ansbach und die bestehenden Versorgungslücken ist dies nicht gewährleistet“, so DIE LINKE Kreisvorsitzender Erkan Dinar.

Als besonders scheinheilig bezeichnet der Ansbacher Bezirksrat Schildbach die Rolle des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit. Obwohl der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) 2008 noch erklärte, der Ausbau der ambulanten Versorgungsstrukturen im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Bereich hätte absolute Priorität, wurde ein Antrag des Kommunalunternehmens Bezirkskliniken Mittelfranken, welches anbot, zwei Tageskliniken mit ambulanten Angeboten für psychisch kranke Kinder- und Jugendliche in den betroffenen Landkreisen einzurichten, in einer Stellungnahme des Staatsministeriums mit der Begründung, „man sehe keinen Handlungsbedarf“, abgelehnt.

Dazu Schildbach: „Es ist schlimm genug, dass aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse und des steigenden schulischen Leistungsdruckes immer mehr Kinder und Jugendliche psychische Auffälligkeiten entwickeln. Nun wird diesen Kindern auch noch die letzte helfende Hand verweigert.“

Eine flächendeckende psychiatrische Versorgung ist nur ein kleiner Bestandteil der linken gesundheitspolitischen Forderung im Bezirkstag. Um zumindest aber dies sicherzustellen, fordern die Linken die Mitglieder der zuständigen Unterausschüsse und des Krankenhausplanungsausschusses in München dazu auf, die unzutreffende Stellungnahme des bayerischen Staatsministeriums kritisch zu hinterfragen und den tatsächlichen gesundheitspolitischen Erfordernissen Rechnung zu tragen.

„Gemeinsames Ziel aller Parteien sollte es sein, die psychiatrische Versorgungsstruktur für Kinder und Jugendliche im ländlich geprägten Westmittelfranken schnellstmöglich zu verbessern.“, so Schildbach.

Aus Sicht der Linken, trägt die unsoziale Politik in diesem Lande eine beträchtliche Mitschuld an dieser Entwicklung.

Die sozial selektierende und verfehlte Bildungs-, Familien- und Jugendpolitik ist für diese Entwicklung mitverantwortlich.

Besonders dramatisch sehen die Linken die Situation von Kindern in „Hartz IV - Familien“. Die tägliche Demütigung dieser Kinder, denen der Zugang zu Bildungs-, Kultur- und Freizeitangeboten verwehrt bleibt, macht schon die Kleinsten der Gesellschaft krank.

Neben einer flächendeckenden psychiatrischen Versorgung sind auch weitere präventive Angebote der Kinder- Jugend- und Familienhilfe erforderlich. Diese müssen konsequent ausgebaut und finanziell besser gestellt werden. Notwendig ist auch eine gesellschaftliche Diskussion darüber, weswegen immer mehr Kinder- und Jugendliche psychisch auffällig werden, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen.