9. Juli 2011

Linke setzt öffentliche Auseinandersetzung mit Nazivergangenheit durch

Uwe Schildbach

Ein Antrag der Linken im Bezirkstag von Mittelfranken vom 1. Februar dieses Jahres mit dem Ziel, eine Dauerausstellung „In Memoriam – Die Ansbacher Heil- und Pflegeanstalt im Nationalsozialismus“ auf dem Gelände des Bezirksklinikums Ansbach fest zu installieren, wurde im Rahmen des am 07.07.2011 tagenden Kulturausschusses des Bezirks behandelt.

Nachdem schon im November 2010 eine gleichnamige Ausstellung im Ansbacher Bezirksrathaus, welche in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael von Cranach (bis 2006 Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren) konzipiert wurde, für reges mediales und öffentliches Interesse gesorgt hatte, wurden die Exponate, die sich u.a. explizit mit der Vergangenheit der Ansbacher Psychiatrie auseinandersetzten, inzwischen eingelagert und der öffentlichen Wahrnehmung entzogen.

Mehr als 2000 Patienten der einstigen Heil- und Pflegeanstalt wurden allein in Ansbach von skrupellosen Ärzten und deren Handlangern im Auftrag der Nazis ermordet.

2000 Menschen waren es hier, rund 400.000 Menschen in Europa, die allein deshalb sterben mussten, weil sie psychisch krank oder geistig behindert und aus nationalsozialistischer Sicht für die Gesellschaft wertlos und lästig waren.

„Diese wichtigen historischen Aufzeichnungen müssen der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht werden und dürfen nicht in irgendwelchen Kellerarchiven einstauben“, unterstrich Bezirksrat Uwe Schildbach die Antragsintention der Linken.

Im Rahmen einer im Kulturausschuss emotional geführten Auseinandersetzung zu diesem Thema, zog der Linkenbezirksrat seine ursprüngliche Antragsformulierung zugunsten einer sich abzeichnenden Intervention des Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch zurück.

Aufgrund der Brisanz des von den Linken angestoßenen Themas, welches in der Sache auch die Unterstützung weitere Ausschussmitglieder bekam, besann sich Bartsch gegen die Empfehlung seiner eigenen Verwaltung, nämlich die Antragsintention der Linken gänzlich abzulehnen, im Einvernehmen mit dem Antragsteller einen noch weitergehenden Antrag zu formulieren:

- Der Kulturausschuss beauftragt die Bezirksverwaltung und das Kulturreferat des Bezirks, in Zusammenarbeit mit dem Kommunalunternehmen Bezirksklinken Mittelfranken, ein Gesamtkonzept zu erstellen, um die Geschichte der psychiatrischen Einrichtungen in Mittelfranken während der Zeit des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen -

Dieser Antrag wurde ohne Gegenstimmen angenommen.

„Die Linke im Mittelfränkischen Bezirkstag wird sich mit dem Prozess der Geschichtsaufarbeitung, der sich mit den menschenverachtenden Verbrechen, die in den damaligen psychiatrischen Einrichtungen begangen wurden, weiterhin intensiv auseinandersetzen, kritisch begleiten und dieses Thema auch zukünftig immer wieder anstoßen“, so der Kommentar des Ansbacher Bezirksrats, der dieses Thema, trotz des Erfolges seiner Intervention, niemals ad Acta legen will.