1. Februar 2013

Aufstand gegen weißen Terror

Rosa Parks

Zum 100. Geburtstag von Rosa Parks (1913–-2005)

Man denkt ja immer mal wieder: Typisch deutsch. Dieses Denunziantentum. Dieser Drang, andere klein zu machen. Aber all das gab – und gibt es – auch und gerade in den Vereinigten Staaten, die durch Rassismus, Ermordung, Vertreibung und Versklavung Abertausender zur Weltmacht geworden sind. Das zeigt sich gerade an jenem berühmten Akt des Widerstandes gegen weiße Willkür, den am 1. Dezember 1955 eine einzelne Frau wagte: Rosa Parks. An jenem Tag weigerte sie sich, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen, wie es nach den damals geltenden Apartheidgesetzen ihre Pflicht gewesen wäre. Das Volk in Gestalt des Busfahrers wachte eifrig darüber, daß das geahndet wurde: Er rief sofort die Polizei und bestand darauf, daß Parks verhaftet werde. Sie wurde wegen Störung der öffentlichen Ruhe zu einer Strafe von zehn Dollar plus vier Dollar Gerichtskosten verurteilt.

Parks lieferte so die Initialzündung für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, die schließlich zur Abschaffung der rassistischen Gesetze führte. Denn unmittelbar nach ihrer Verurteilung organisierte der damals noch relativ unbekannte Pfarrer Martin Luther King den Montgomery-Busboykott. Die Busgesellschaften erlitten dadurch so massive Verluste, daß auch deren Inhaber schließlich die Aufhebung der Rassentrennung im öffentlichen Verkehr forderten.

Die am 4. Februar 1913 in Alabama geborene Rosa Parks war schon vor 1955 politisch aktiv – und blieb es bis an ihr Lebensende. Das Foto zeigt sie während der Abnahme ihrer Fingerabdrücke durch einen Polizisten in Montgomery am 22. Februar 1956. Als sie 2005 starb, war sie zur Ikone geworden und ins Pantheon der Mütter und Väter der »Nation« aufgenommen worden. Vor ihrer Beisetzung wurde sie im Kapitol aufgebahrt und war damit die erste Frau in den USA, die auf diese Weise geehrt wurde. (jf)

Ein eindrucksvolles Bilderbuch für Schulkinder über Rosa Parks, den schwarzen Widerstand und Lynchjustiz ist 2011 im Berliner Verlag Jacoby & Stuart erschienen: Fabrizio Silei/ Maurizio A. C. Quarello, Der Bus von Rosa Parks, 14,95 Euro

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