9. Juli 2013

Der permanente Revolutionär

Ted Grant

Ted Grant zum 100

Hans-Gerd Öfinger

Als im Frühjahr Margaret Thatcher starb, kamen ihre Kurzbiographen nicht an dem Hinweis vorbei, daß die »Eiserne Premierministerin« 1990 unter dem Druck der Proteste gegen die Poll Tax (»Kopfsteuer«) abtreten mußte. Wesentlicher Motor dieser Bewegung war eine marxistische, militante Strömung in der Labour-Partei und den Gewerkschaften. Der Gründer dieser Strömung, Ted Grant, ein Pionier des britischen Trotzkismus, wurde heute vor 100 Jahren geboren. Seine Erfolge in der Arbeiterbewegung der 1980er Jahre haben eine lange Vorgeschichte.

Grant wurde in Südafrika als Isaac Blank geboren. Ausbeutung und Rassismus weckten sein Interesse an der Sowjetunion und der von Leo Trotzki gegründeten antistalinistischen Internationalen Linken Opposition. Tatkräftig unterstützte Blank in einer Gruppe Streiks schwarzer Wäschereiarbeiter. 1934 zog er mit einigen anderen nach England, wo die Umstände für die revolutionäre Arbeit besser schienen. Fortan nannte er sich Edward (Ted) Grant. Bis zu seinem Tod 2006 wohnte er in London. Dort begann er als Theoretiker der Workers’ International League (WIL) und Mitglied der Revolutionary Communist Party (RCP). 1939 geriet die RCP ins Visier der Geheimdienste, weil ihre antifaschistische und antiimperialistische Agitation in Industrie und Armee auf offene Ohren stieß.

Als sich die Trotzkisten in den 50ern zunehmend spalteten und der Wirtschaftsaufschwung das Proletariat nach rechts rücken ließ, kämpfte Grant ums politische Überleben. In den 60ern entflammten die Klassenkämpfe wieder. Grants Gruppe verankerte sich mit dem 1964 gegründeten Blatt Militant geduldig in Labour-Partei und Gewerkschaften. Daraus wurde in den 80er Jahren eine einflußreiche Kraft mit Tausenden Anhängern, was die herrschenden Kreise aufhorchen ließ. Mit »Enthüllungsstories« drängten Medien die Labour-Führung zur Distanzierung von Militant. 1983 bestätigte ein Parteitag den Ausschluß von Grant und vier Mitstreitern. »Wir kommen wieder«, rief Grant den Delegierten zu: »Der Marxismus läßt sich nicht verbannen!«

In seinem langen Leben ist Ted Grant mehr als einmal ausgeschlossen worden, zuletzt 1992. Er hat den Aufstieg und Niedergang mehrerer Organisationen mitgemacht. Seinem revolutionären Optimismus tat dies keinen Abbruch. Bis zuletzt schrieb er Bücher und längere Artikel, unternahm Vortragsreisen, half beim Aufbau der Website www.marxist.com.