13. Juli 2012

Die, die kämpft

Assata Olugbala Shakur (geb. 16. Juli 1947 in New York City als Joanne Deborah Byron Chesimard), US-amerikanische Bürger- und Menschenrechtlerin - Quelle: Wikipedia

Black-Panther-Aktivistin Assata Shakur feiert 65. Geburtstag auf Kuba

Claudia Wangerin

Die Gefängnisaufseherin war es nicht anders gewohnt: »Meine Mädchen nennen mich Mrs. Butterworth, und ich nenne sie bei ihren Vornamen.« Das war für sie »eine Frage des Respekts«. Eines Tages fragte eine junge Schwarze, von ihr mit »JoAnne« angesprochen, Mrs. Butterworth nach ihrem eigenen Vornamen. Alternativ dazu wollte die Inhaftierte Ms. Chesimard oder Ms. Shakur genannt werden. Mrs. Butterworth blieb stur. Sie bleibe bei »JoAnne« und wolle ihren eigenen Vornamen nicht nennen. »Gut«, sagte die Gefangene, »wenn Sie es aushalten, daß ich Sie Miss Bitch nenne, wann immer ich Sie sehe. Ich respektiere niemanden, der nicht auch mir Respekt entgegenbringt«. Sie setzte damit konsequent um, was ihre Großeltern ihr mit auf den Weg gegeben hatten.

JoAnne Deborah Chesimard, geboren am 16. Juli 1947 in New York, nannte sich als Aktivistin der schwarzen Emanzipationsbewegung Assata Olugbala Shakur. Wie einige ihrer Genossen hatte sie sich einen neuen Namen ausgesucht, nachdem ihr bewußt geworden war, daß viele Afroamerikaner die Familiennamen der Besitzer ihrer Vorfahren trugen. Sie habe sich gefragt, wie viele Sklaven dieser Chesimard besessen hatte, für den Tod wie vieler er verantwortlich war und wie viele schwarze Frauen er vergewaltigt hatte, schrieb sie später in ihrer Autobiographie, die sie im kubanischen Exil verfaßte.

Assata – »Die, die kämpft« – wird am Montag 65 Jahre alt. Der Kampf um Respekt und Gleichberechtigung unter den Menschen, nicht nur verschiedener Hautfarbe, sondern auch zwischen den Geschlechtern, zog sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Die intellektuelle Arroganz vieler weißer Linker ging ihr ebenso gegen den Strich wie der Sexismus vieler Männer in der schwarzen Community. Wer sich befreien wollte, mußte zuerst den Reflex überwinden, selbst erlebte Unterdrückung und Demütigung nach unten weiterzugeben.

Als Studierende schloß sie sich der Black Panther Party (BPP) und später der im Untergrund agierenden Black Liberation Army (BLA) an. Als sie bei ihrer Verhaftung 1973 angeschossen und schwer verletzt wurde, hatte sie die Hände bereits erhoben. Diese Version wurde später durch die Aussagen von Medizinern gestützt, die ihre Wunden untersucht hatten.

1969 hatte FBI-Chef J. Edgar Hoover die Black Panthers zum Hauptfeind erklärt – sie wurden somit auch das Hauptzielobjekt des »Counter Intelligence Programs«, das sich nicht auf Verfolgung und Bespitzelung beschränkte, sondern auch »operative Zersetzung«, Intrigen und Täuschungsmanöver einschloß.

1973 wurde Assata zusammen mit Zayd Malik Shakur und ihrem Genossen Sundiata Acoli auf einem Highway in New Jersey von einer Polizeistreife gestoppt. Schwarze Aktivisten widersprachen der Darstellung, dies sei ein »Fahndungserfolg« gewesen und gehen von einer der üblichen rassistischen Polizeikontrollen aus. Die Schießeisen saßen dabei locker. Zayd Shakur starb im Kugelhagel. Am Ende war auch ein Polizist tot. Assata wurde schwer verletzt festgenommen und des Mordes angeklagt. Sundiata Acoli gelang nur für kurze Zeit die Flucht, ehe auch er verhaftet wurde.

In den folgenden Jahren stand Assata in verschiedenen US-Bundesstaaten vor Gericht – konfrontiert mit weißen Geschworenen und Richtern, die oft nicht einmal versuchten, den Eindruck von Fairneß zu erwecken. Trotzdem mußte sie von jenen Anklagen freigesprochen werden, bei denen es um die Delikte rund um ihre Mitgliedschaft in der Black Panther Party ging, für die das FBI sie auf die Liste der »Meistgesuchten« gesetzt hatte. Wegen der Verhaftungssituation in New Jersey wurde sie allerdings 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mit ihrer Schwangerschaft im Gefängnis hatte sie zuvor unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt. In den Zeitungen wurde darüber spekuliert, wer der Vater sei – sogar ein Wärter wurde in Betracht gezogen. Wie sie später in ihrer Autobiographie bekannte, war es jedoch ein Genosse, mit dem sie während der Prozeßvorbereitung einige Male allein sein konnte. Trotz ihrer Haftsituation hatte es demnach Momente gegeben, in denen sie sich euphorisch auf das Baby freute, das schon bald nach der Geburt von ihr getrennt werden sollte. Für sie war seine Existenz ein Symbol der Hoffnung.

Am 2. November 1979 gelang Assata Shakur die Flucht aus dem Frauengefängnis von Clinton, New Jersey. Mit der Parole »Assata is welcome here« wurde ihr Sprung in die Freiheit an zahlreichen Häuserwänden in den USA begrüßt.

1984 meldete sie sich in einem offenen Brief aus Kuba zu Wort, nannte sich »eine entlaufene Sklavin des 20. Jahrhunderts« und widersprach zahlreichen Legenden, die über sie in den Medien verbreitet worden waren. Im Rahmen des weltweiten »Krieges gegen den Terror« hat die US-Regierung im Jahr 2005 ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt – die kubanische Regierung stellte damals umgehend klar, daß sie die politisch verfolgte Frau nicht ausliefern werde.

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