15. Januar 2013

Die große Wende im Osten

Verlauf der Kampfhandlungen an der deutsch-sowjetischen Front zwischen April und Dezember 1943 - Fotoquelle: jW-Archiv

Das Kriegsjahr 1943: Anfang vom Ende faschistischer Besatzung

Dietrich Eichholtz

Die Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad im Winter 1942/43 veränderte den Krieg, wendete das Schicksal all der Völker, die der deutsche Faschismus in finsteres Elend zu stürzen unternommen hatte (siehe jW-Thema vom 19.11.2012). Noch dauerte es aber anderthalb schwere, blutige Jahre, bis die UdSSR, damals in Europa militärisch fast auf sich allein gestellt, den größten Teil ihres okkupierten Heimatbodens freigekämpft hatte.

Eine »vergessene« Zeit nennen manche deutschen Militärhistoriker neuerdings das Jahr 1943 und können doch wohl kaum übersehen, daß der Beginn der unaufhaltsamen, großräumigen Vertreibung der Wehrmacht aus dem Sowjetland das wichtigste, gewaltigste Ereignis des Krieges seit Stalingrad darstellte. Ihre Motivation ist durchsichtig: Es handelte sich, bis auf kleinräumige, kurzzeitige Abwehrschlachten, ausschließlich um deutsche Niederlagen und Rückzüge in ununterbrochener Folge, die dem heute wiedererstandenen deutschen Großmachtimage nicht gut anstehen wollen.

Alliierte Erfolge

Seit dem Kriegseintritt der USA am 6. Dezember 1941 hatte sich das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis zugunsten der Antihitlerfront ganz offensichtlich und unwiderleglich verändert. Bis zum Mai 1943 wurden die deutsch-italienischen Truppen vom afrikanischen Boden vertrieben; in Tunis wanderten die verbliebenen 250000 Mann ihres Bestandes in die Gefangenschaft. Im Nordatlantik erlitt die deutsche U-Boot-Flotte zur selben Zeit immense Verluste und mußte den Krieg gegen den britischen und sowjetischen Nachschub über See weitgehend einstellen. Die deutsche Luftwaffe fand in dem Vielfrontenkrieg, den zu führen sie schon lange zu schwach war, kein Mittel gegen die zunehmende Lufthoheit der westalliierten Bomberflotten. Der von deutschen Truppen besetzte Norden, Westen und Süden Kontinentaleuropas lag von nun an im unmittelbaren Gefahrenbereich einer Invasion. Nach der alliierten Landung auf Sizilien im August 1943 wechselte der bisherige deutsche Verbündete Italien die Seite.

Im Osten griff die Rote Armee auf der gesamten Frontlänge von über 3000 Kilometern während des ganzen Jahres 1943 an, offensiv auch in beiden Wintern. Sie erreichte im Norden und Süden der Front die Nähe der Westgrenze der UdSSR und überschritt sie erstmals im März/April 1944 in Nordrumänien. Hunderte Städte, Tausende Ortschaften wurden frei.

Schon seit Januar 1943 hatte eine sowjetische Offensive bei Schlüsselburg einen Landweg nach Osten für die rings eingeschlossene Stadt Leningrad freigemacht. Ein Jahr später war es endlich so weit: Seit dem 12./14. Januar 1944 griff die Rote Armee von Leningrad und vom Wolchow aus in breiter Front nach Süden und Westen an und eroberte – mit Hilfe der Partisanen – das Leningrader Gebiet bis Ende des Monats schon bis zu einer Tiefe von fast 200 Kilometern. Damit war die Stadt nach 900 Tagen aus ihrer tödlichen Umklammerung befreit und der Gefahr des Untergangs endgültig entrissen.

In der Frontmitte war das Moskauer Gebiet schon seit dem Winter 1941/42 frei. Ein Jahr später war der Feind überall fast 400 Kilometer nach Westen abgedrängt. Im Süden hingegen hatten die Kämpfe Stalingrad und den Kaukasus bis zu 1600 Kilometer hinter sich gelassen; seit der Schlacht an der Wolga hatte die Rote Armee den Don, den Donez, den Dnepr erreicht und überschritten, nahm den Übergang über den (südlichen) Bug und den Dnestr in Angriff und kämpfte sich Ende 1943 auf den Prut, den rumänischen Grenzfluß, vor.

Die Kursker Schlacht

Das Jahr 1943, in dem die Rote Armee die Befreiung der Heimat in ihrer entscheidenden Phase erfocht, läßt die kurzlebige deutsche Offensive bei Kursk im Juli in einem anderen Licht erscheinen als in jener grotesken Überschätzung, die sie in Veröffentlichungen mancher deutschen Militärhistoriker erfährt. Wenn überhaupt ein strategischer Gedanke in dieser seit März in der Planung befindlichen mäßig großen Operation – der letzten dieser Art im Osten – zu erkennen ist, so war es der, den »Russen« an dieser einen Stelle vernichtend zu schlagen, ihn auf lange Zeit zu lähmen, deutsche Kräfte für die nächste Zukunft freizumachen und eine Art Zentralreserve für die Bildung einer Art »Festung Europa« hinter einem »Ostwall« zu mobilisieren. Bewähren würden sich, so die Überzeugung der deutschen Führung, ihre Feldherrnkunst und die deutsche Waffen- (Panzer-) und soldatische Überlegenheit – Hirngespinste des »Führers« und der ihm hörigen Generalität!

Die Offensive begann schließlich am 5. Juli 1943, mußte aber nach weniger als zwei Wochen, zwischen dem 16. und 19. Juli, nach blutigen Kämpfen und geringem Geländegewinn, unter heftigen Auseinandersetzungen in der Heeresführung, abgebrochen werden. Die erbitterten Kämpfe, die mit je etwa 3000 Panzern auf beiden Seiten ausgetragen wurden, beschrieben deutsche Teilnehmer, einfache Soldaten, später als »Weltuntergang«, als »Hölle«. Als jener »Weltuntergang« wurde in erster Linie die berühmt-berüchtigte Panzerschlacht von Prochorowka am 12. Juli nördlich von Belgorod erlebt. Die Verluste beider Seiten bei diesem Zusammenstoß und unbarmherzigen Vernichtungskampf zweier gewaltiger Panzergruppen mit jeweils Hunderten Panzerwagen auf kleinstem Raum waren desaströs. In deutschen Darstellungen wird die Schlacht heute als »Sieg« – ohne Geländegewinn und mit folgenden entsetzlichen Niederlagen – reklamiert. Die Verluste werden nach herbeigeschwindelten Quellen mit ganzen 41 »beschädigten« deutschen Kampfwagen gegenüber mehr als 300 sowjetischen »Totalverlusten« beziffert. Zudem wird die sowjetische Führung von Stalin an abwärts bis zu den Truppenkommandeuren der Roten Armee für das »verfehlte« operative Vorgehen kritisiert. – Ein derartiges Schema der »Abrechnung«, zur Schau gestellt mit peinlich antisowjetischer Genugtuung, macht, das ganze Jahr 1943 betreffend, in der heutigen militärhistorischen Literatur Schule.

Weitere Offensiven

Tatsächlich aber hatten im Juli und Anfang August eine Reihe überwältigender sowjetischer und alliierter Offensiven begonnen, die Hitler und die Generalität die Schlacht nicht nur nach 14 Tagen abbrechen, sondern starke Kräfte abziehen und an Gefahrenpunkte höchster Dringlichkeit verteilen ließen:

– Am 10. Juli setzten die ersten alliierten Truppen von Nordafrika nach Sizilien über und eroberten die Insel bis zum 17. August. Schon am 24./25. Juli 1943 wurde Mussolini als »Duce« von König Viktor Emanuel III. abgesetzt. Ita­lien bereitete seinen Übergang zu den Alliierten vor.

– Am 12. Juli begannen mehrere sowjetische Fronten ihre Gegenoffensive, die sie nördlich des Kursker Bogens nach Orel und an Orel vorbei nach Westen führte und die im September schließlich in eine allgemeine Offensive der gesamten mittleren und Südfront überging.

– Die Gegenoffensive im Süden des Kursker Bogens (Beginn 3. August) führte zur Befreiung von Belgorod und Charkow. Beide Offensiven erreichten den Dnepr und damit den geplanten »Ostwall« Hitlers auf einer Breite von 1200 Kilometern und gewannen die Ausgangsposition für die Eroberung Kiews im November.

– Im Südabschnitt hatte eine sowjetische Großoffensive bereits am 17. Juli begonnen, die bis September über Isjum (Donez), Slawjansk, Kramatorsk, Stalino, Taganrog und Mariupol entlang des Asowschen Meeres bis vor Melitopol führte und damit den größten Teil des Donezbeckens befreite.

Die Befreiung der Ukraine und Südrußlands machte im Winter 1943 und Frühjahr 1944 weiter stürmische Fortschritte bis an die Karpaten und in die Nähe der polnischen und rumänischen Grenze.

Die Antihitlerkoalition 1943

Die deutsche Niederlage bei Stalingrad zeigte begeisternde Wirkung zu allererst bei den Völkern der Antihitlerkoalition. Die Reaktion der führenden Kreise in den USA und in Großbritannien war allerdings bei weitem nicht so einhellig. ­US-Präsident Franklin D. Roosevelt gratulierte Stalin zu dem Sieg und drückte seine Bewunderung für die Rote Armee aus. Sein Amtskollege Winston Churchill sah frühzeitig, daß ein bewaffnetes Erscheinen der Westalliierten auf dem Kontinent für ihr Ansehen jetzt immer wichtiger, wenn auch voraussichtlich nicht einfacher werde. »Wenn Rußland den Krieg allein gewinnt, so wird es auch am Friedenstisch allein dominieren«, hieß es warnend in der New York Post vom 10. Februar 1943. Die antisowjetischen Kräfte gar zeigten alles andere als Begeisterung für die sowjetischen Erfolge.

Roosevelt und Churchill trafen sich vom 14. bis 26. Januar 1943 in Casablanca (Französisch-Marokko), um die Lage in Europa und Afrika sowie im Pazifik zu erörtern. Der Krieg gegen Deutschland spielte hier eine zentrale und nicht zum wenigsten umstrittene Rolle. Eine früher für 1943 zugesagte alliierte Invasion in Westeuropa sahen die militärischen Stäbe nicht mehr vor. Churchill und Roosevelt versuchten nach der Konferenz, dem empörten Stalin ihren Wortbruch zu erklären. Ihre Hauptargumente waren die japanischen Eroberungen und schweren Kämpfe auf dem pazifischen Kriegsschauplatz und die Schwierigkeiten der Vorbereitung einer Invasion in Westfrankreich, die beide umfangreiche See- und Luftrüstungen erforderlich machten.

Bestimmte Erklärungen auf der Casablanca-Konferenz sollten offensichtlich als Ausgleich dafür dienen, daß jenes wichtigste Anliegen der UdSSR, nämlich die Eröffnung der zweiten Front, mindestens ein Jahr aufgeschoben wurde. Zu nennen ist zu allererst die Absicht, die deutsch-italienischen Truppen aus Nordafrika durch gemeinsame Offensivanstrengungen von Osten (Ägypten) und Westen her (Französisch-Westafrika) zu verdrängen und baldmöglichst nach Italien (Sizilien) überzusetzen. Ferner sollte der Bombenkrieg gegen Deutschland in Zukunft intensiviert und konzentriert, nicht zuletzt gegen die innerdeutsche Wirtschaft, geführt werden. Die strategischen Angriffe der US-Langstrecken-Bomberflotten setzten ostentativ im Januar mit einem Tagesgroßangriff gegen Wilhelmshaven ein.

Eine Frage, die häufig zu Beschwerden des sowjetischen Oberkommandos Anlaß gab, war die Unregelmäßigkeit, Unsicherheit und Verspätung der Lend-Lease-Hilfslieferungen an die UdSSR, die 1942 und noch 1943 stockend anliefen und zu dieser Zeit wertmäßig nicht mehr als etwa 20 Prozent der US-amerikanischen Gesamtlieferungen ausmachten. Nach Casablanca setzten die Lieferungen über die damals wichtigste Nordroute über Murmansk viele Monate lang ganz aus (siehe die Übersicht der Kriegsmateriallieferungen).

Roosevelt hatte sich schon einige Zeit, auch gegen Widerstand aus den eigenen Reihen, für einen baldigen Schlag in Westeuropa gegen Hitlerdeutschland eingesetzt (»Germany first«). Am 24. Januar 1943 trat er in Casablanca auf der abschließenden Pressekonferenz mit der Formel von der »bedingungslosen Kapitulation« hervor, die er offenbar nur mit dem State Department abgestimmt hatte. Diese »einfache Formulierung der Kriegsziele« könne »allem Ermessen nach den Weltfrieden für Generationen sichern«. Sie bedeute »die Zerstörung einer Weltanschauung in Deutschland, Italien und Japan, die auf der Eroberung und Unterjochung anderer Völker beruht«. Diese Formulierung wurde von sowjetischer Seite begrüßt und spielte eine wichtige Rolle bei der Festigung der Antihitlerkoalition.

Polen »verschieben«

Eines der schwierigsten Probleme, das 1943 erhebliche Spannungen in das Verhältnis innerhalb der Antihitlerkoalition brachte, war das der polnischen Nachkriegsgrenzen. Im April 1943 waren im Gebiet Smolensk bei Katyn die Leichen von über 4000 offensichtlich im Jahr 1940 erschossenen polnischen Offizieren von den Deutschen ausgegraben worden. Seitdem war die Urheberschaft dieser Untat umstritten; sie wird aber heutzutage den stalinschen Organen zugeschrieben.

Die polnische Exilregierung in London brach alle offiziellen Verhandlungen mit Moskau ab, obwohl die Rote Armee der polnischen Grenze südlich von Brest im Laufe des Jahres immer näher kam. Churchill hielt die dramatische Situation für lösbar und blieb später in Teheran mit seinem Vorschlag ohne Widerspruch, Polen zu »verschieben«. Zur Empörung der Exilpolen schlug er als Ostgrenze Polens die alte Curzon-Linie seines damaligen Kabinettskollegen ­George Curzon aus dem Jahr 1920 vor, die sich nun aber wesentlich mit der deutsch-sowjetischen Grenze vom August 1939 deckte. Als Äquivalent dachte Churchill an eine Verschiebung der polnischen Westgrenze bis an die Oder, unter Einschluß Ostpreußens.

Diese geplante Operation am offenen Leib Polens schuf eine Art Cordon Sanitaire gegen künftige Gefahren, die von Deutschland ausgehen könnten. Sie war für die damalige polnische Exilregierung nicht annehmbar. Aber Churchills »Teheraner Formel« fand Stalins Zustimmung. Roosevelt verhielt sich in der Frage der polnischen Grenzen zurückhaltend.

Er blieb daran interessiert, sich überhaupt für spätere Friedensverhandlungen in Europa die Hände freizuhalten. Später sollte sich zeigen, wieviel politischer Zündstoff sich in dem Problem der Wiederherstellung Polens verbarg; die reaktionären Kräfte, die in der polnischen Exilregierung dominierten, stützten sich außenpolitisch vorwiegend auf die antisowjetischen Sympathisanten in den USA und Großbritannien.

Die gewaltigen Erfolge der Roten Armee in der Ukraine drängten die Westalliierten zur Beschleunigung des Eingreifens in Westeuropa. Roosevelt verband damit die Anwartschaft der USA auf die politische und strategische Führerschaft im westlichen Bündnis, was freilich nicht im Sinne Churchills war, dem eine solche Rolle im europäischen und afrikanischen Raum, wenigstens nach errungenem Sieg, für das britische Weltreich vorschwebte.

»Totaler Krieg«

Nach Stalingrad und nach der Landung der Alliierten in Italien war die deutsche Niederlage militärisch mit Händen zu greifen. In der deutschen Generalität sahen nur einige wenige ein schreckliches Ende voraus. In ihrer Masse blieben die Generale und Marschälle Kreaturen Hitlers, gewissenlose Ehrgeizlinge, die ihre Verbrechen – Massenmorde, »verbrannte Erde« – im fremden Land fortsetzten und deren Renommee sich nur noch vom sinnlosen Blutvergießen – fremden und deutschen Blutes – herleitete. Bis zum Exzeß chauvinistisch und antikommunistisch, widmeten sie die Reste ihrer militärischen Begabung ausschließlich der Vernichtung fremden Lebens und der Verlängerung des eigenen.

Deutschland war 1943 militärisch und wirtschaftlich noch eine starke, gefährliche Macht. Die Ostfront blieb die entscheidende Front, die das ganze Jahr hindurch die Masse der Divisionen fesselte und in immer härteren Kämpfen verschliß. Aber auch der europäische Süden und der inva­sionsgefährdete Westen und Norden verlangten Divisionen auf Divisionen, ferner Kräfte und Material für Verteidigung und Küstenschutz. »Die Personalfrage«, erklärte Hitler Generalfeldmarschall Erich von Manstein am 11. März, »ist unsere größte Sorge und das weitaus ernsteste Problem«.

Mit einigem Recht kann der Historiker im Nachhinein urteilen, daß Hitler seit Stalingrad und dem Fiasko in Nordafrika und in Italien nicht mehr Herr der Lage war und, mehr oder weniger im Wahn krankhafter Überforderung, an einem beschleunigten Weg in den Untergang festhielt, der noch Millionen an Opfern auf beiden Seiten fordern sollte. Reale Pfänder, über die das Regime noch 1943 zu verfügen schien, waren eine beängstigende militärische Macht, die, bis auf die Luftabwehr, noch weit von den deutschen Grenzen entfernt operieren konnte; ferner eine weitgehend intakte Rüstungsmacht. Rüstungsminister Albert Speer und die mit seiner Regierungsbehörde fest verbundene Großindustrie versprachen dem »Führer« sogar, eine neue, unschlagbare U-Boot-Generation zu schaffen, und arbeiteten an der Entwicklung wirksamer Abwehrwaffen gegen die alliierten Bomberflotten. In engem Bündnis mit Innenminister Heinrich Himmler waren Speer und Hitler sich ihrer Gewalt über die Millionen von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen im Reich sicher. Himmler und die SS beteiligten sich selber an der Unter-Tage-Verlagerung und an der Aufstellung der sogenannten Vergeltungswaffen.

Europäischer Widerstand

Mit dem Sieg von Stalingrad und der fortschreitenden Befreiung des Sowjetlandes begann im übrigen Europa eine neue Ära antifaschistischen Befreiungskampfes. Er ergriff jetzt breitere Bevölkerungskreise in ganz Europa, geführt von nationalen Befreiungs- und kommunistischen Widerstandsorganisationen (Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Polen, Italien), die mitunter in direkter Verbindung mit der Moskauer Regierung und der Roten Armee standen und Waffenhilfe erhielten.

Weltweit bekannt wurden Aktionen wie der Aufstand im Warschauer Ghetto, die Rettung der Mehrheit der dänischen Juden vor Deportation und Vernichtung, die Verhinderung von Produktion und Lieferung norwegischen Schweren Wassers für die geplante deutsche Atombewaffnung und der Kampf gegen den deutschen Eisenbahntransport in Frankreich und Belgien in den Monaten bis zur Invasion.

An dem Befreiungskampf der Roten Armee hatten die sowjetischen Partisanen inzwischen einen entscheidenden Anteil. Berühmt wurde die umfassende Zerstörung von wichtigen Eisenbahnverbindungen und Nachschublinien (»Schienenkrieg«). Der Kampf gegen die Partisanen band 1943 außer den dafür bereitgehaltenen Hunderten von SS-, SD- und Polizeieinheiten eine halbe Million Soldaten als Hilfstruppen und durchschnittlich etwa zehn bis 15 Prozent der Heerestruppen.

So waren der gesamteuropäische Widerstand und die kämpfenden sowjetischen Partisanen während des Jahres 1943 und im Frühjahr 1944 außer den Fronttruppen selbst die wichtigste und wirksamste Kraft der Antihitlerkoalition.

Von Dietrich Eichholtz erschien an dieser Stelle zuletzt »Stalingrad. Untergang einer Armee« (jW-Thema vom 19.11.2012). Beiträge unseres Autors finden sich in der jW-Broschüre »›Barbarossa‹. Raubkrieg im Osten« (5,80 Euro, im jW-Shop erhältlich)

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