18. März 2014

Die wahrhafte Republik

Das Pariser Stadthaus wird zum Sitz des Zentralkomitees der Nationalgarde: »Unterstützt durch euren edlen Mut und durch eure bewunderungswürdige Kaltblütigkeit haben wir die Regierung, die uns verraten hat, vertrieben«

Der 18. März 1871 – Die Geburtsstunde der Pariser Kommune

Florian Grams

Am 18. März 1871 begann mit der Flucht der französischen Regierung1 aus der Hauptstadt die Phase, die als Pariser Kommune in die Geschichte eingegangen ist. Glaubt man den Schilderungen in der Belletristik, ob bei Brecht oder auch im Kommune-Roman von Jutta Ditfurth, dann gestaltete sich ihr Beginn wie ein großes Volksfest. Angesichts der Tatsache, daß der Aufbruch nahezu unblutig verlief, mögen diese Darstellungen die Stimmung in der Stadt auch korrekt wiedergeben. Trotzdem darf nicht vergessen werden, daß zuvor die Regierung versucht hatte, der Nationalgarde ihre Geschütze notfalls mit Waffengewalt zu rauben. Daher war am Morgen durchaus nicht ausgemacht, daß die Nationalgarde am Abend die Herrin über Paris sein würde. In der Kommune-Literatur ist der Verlauf dieses Frühlingstages indes so genau entwickelt worden, daß die Chronologie annähernd lückenlos wiederzugeben ist.

Das Volk beschafft sich Kanonen

Am Abend des 17. März war im Kreis der Regierung der Beschluß gefallen, sich in den Besitz der Geschütze der Nationalgarde zu bringen, um die Macht des Zentralkomitees zu brechen und die eigene Machtbasis zu sichern. Zu diesem Zweck wurde eine Bekanntmachung gedruckt, in der das Zentralkomitee diffamiert und als Gefahr für die junge französische Republik dargestellt wurde. Im Namen von Recht und Ordnung wurden die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, der Regierung gegenüber loyal zu sein und dem Zentralkomitee die Gefolgschaft aufzukündigen. Da man nicht allein auf die Wirkung dieser Bekanntmachung setzen wollte, wurden am frühen Morgen des 18. März Regierungstruppen in Marsch gesetzt, um die Stellungen der Nationalgarde im Handstreich zu nehmen und die Geschütze in die Arsenale der Regierung zu bringen. Die Überwindung der Geschützwachen gelang in etlichen Arrondissements. Zum Abtransport der Geschütze fehlten jedoch die notwendigen Pferdegespanne, was den Abschluß der Operation verzögerte. Zwischenzeitlich erwachten die Wohnviertel, in denen die Kanonen standen, und die Menschen sahen, was auf den Straßen vor sich ging. »Die Frauen gingen wie in unsern großen Tagen zuerst vor. Die vom 18. März (…) warteten nicht auf ihre Männer. Sie umringten die Mitrailleusen (ein Salvengeschütz; jW) und redeten die Stückführer an: ›Das ist eine Schande, was machst du da?‹ Die Soldaten schwiegen.«2 Nach und nach gelangten auch größere Verbände der Nationalgarde an die Orte des Geschehens. Auf dem Montmartre gab General Lecomte seinen Soldaten den Befehl, auf die Frauen und Männer zu schießen. Die Soldaten verweigerten den Befehl, verbrüderten sich mit den Nationalgardisten und verhafteten den General. Auch an anderen Orten gelang es den Mitgliedern der Nationalgarde und anderen Einwohnern, den Raub der Kanonen zu unterbinden. Zusammenfassend schreibt (der Journalist und Teilnehmer an dem Aufstand, Prosper; jW) Lissagaray: »Um 11 Uhr hat das Volk den Angriff auf allen Punkten niedergeschlagen, beinahe seine sämtlichen Kanonen bewahrt (…) und Tausende Gewehre gewonnen.« Von dem Scheitern des geplanten Raubs und der Entschlossenheit in den Pariser Arbeitervierteln überrascht, beschloß Adolphe Thiers (Chef der Exekutive; jW), mit seiner Regierung und den loyalen Regimentern die Stadt zu räumen. Der Abmarsch verlief störungsfrei, weil die Bataillone der Nationalgarde sich teils in Erwartung eines erneuten Angriffs durch die Regierung in ihren Stadtvierteln verbarrikadierten, teils gezielt der Konfrontation aus dem Weg gingen. Die Entscheidung für den rein defensiven Umgang mit der Flucht der Regierung und dem Abmarsch der regulären Truppen aus Paris führte zu schließlich verhängnisvollen Versäumnissen des Zentralkomitees. So wurde etwa das von Regierungstruppen geräumte Fort auf dem Mont Valérien – zwischen Paris und Versailles (wohin die bürgerliche Regierung am 18.3.1871 geflohen war; jW) – nicht umgehend von der Nationalgarde besetzt. In der Folge gelang es den Versaillern daher schnell, dieses Bollwerk wieder einzunehmen, was die Verteidigung von Paris im April und Mai erheblich erschwerte. Allerdings standen die Verantwortlichen des Zentralkomitees auch ohne militärische Aktionen gegen die abziehenden Truppen vor enormen Schwierigkeiten. Ihnen oblag die Bewachung der gefangenen Generale und die Verantwortung für den weiteren Umgang mit ihnen. Dabei standen sie zwischen ihrem Anspruch, mit Gefangenen korrekt umzugehen, und der Forderung aus den Reihen der Bevölkerung, zumindest General Clément Thomas auszuliefern, der im Juni 1848 den Aufstand blutig niedergeschlagen hatte. Trotz des Einschreitens von Nationalgardisten bemächtigte sich die Menge schließlich der beiden gefangenen Generäle und tötete sie an Ort und Stelle. Als am Abend die Sonne bei Paris unterging, stand das Zentralkomitee zudem vor der Aufgabe, das Amt einer provisorischen Regierung zu übernehmen, da die Macht in der französischen Hauptstadt gleichsam auf der Straße lag. Die Einwohner erfuhren von den revolutionären Veränderungen in ihrer Stadt erst am Morgen des Folgetags, nachdem das Zentralkomitee in das Pariser Stadthaus eingezogen war, dort die rote Fahne gehißt hatte und sich mit seiner ersten Proklamation an die Einwohnerinnen und Einwohner wandte: »Ihr habt uns beauftragt, die Verteidigung der Stadt Paris und eurer Rechte zu organisieren. Wir sind uns bewußt, diese Mission erfüllt zu haben. Unterstützt durch euren edlen Mut und eure bewundernswürdige Kaltblütigkeit haben wir diese Regierung, die uns verraten hat, vertrieben. (…) Bereitet also sogleich die Kommunalwahlen vor und führt sie durch, und laßt uns die einzige Belohnung zuteil werden, die wir uns je gewünscht haben: Euch die wahrhafte Republik errichten zu sehen. Unterdessen hüten wir im Namen des Volkes das Stadthaus.«3 Als die Nachrichten von den Ereignissen in Paris in die französische Provinz gelangten, erhoben sich auch in anderen Städten Massenbewegungen zur Durchsetzung kommunaler Ordnungen. In Lyon, Marseille, Saint-Étienne, Le Creusot, Toulouse und Narbonne entstanden Gremien der städtischen Selbstverwaltung, die sich mit der Entwicklung in Paris solidarisierten und ähnliche Wege der gesellschaftlichen Umgestaltung beschritten wie die Pariser Kommunardinnen und Kommunarden. Aufgrund der unbeschränkten militärischen Bewegungsfreiheit der französischen Zentralgewalt und der gleichzeitigen Isolierung von Paris gingen diese Kommunen in den meisten Fällen nach wenigen Tagen im Feuer der Konterrevolution unter. Die Kommune von Marseille fiel allerdings erst am 4. April 1871 und konnte sich dem Ansturm ihrer Feinde neben Paris am längsten widersetzen. Durch diese Umstände wird zweierlei über die Pariser Kommune deutlich: Zum einen lenken sie den Blick auf die besondere Situation in der belagerten französischen Hauptstadt, zum anderen zeigen sie aber auch, daß diese Umstände Ausdruck einer tiefen Krise der französischen Gesellschaft und einer latenten revolutionären Situation – zumal in den industriellen Zentren des Landes – waren.

Die Rolle der Nationalgarde

Nach der Flucht der Regierung unter Adolphe Thiers und (dem Außenminister der Dritten Französischen Republik; jW) Jules Favre mitsamt ihrer Truppen und ihres bürokratischen Apparats war die Nationalgarde die einzig verbliebene bewaffnete Macht in der Stadt. Ihr Zentralkomitee repräsentierte die 266 Bataillone, die nach der Gefangennahme Napoleons III. bei Sedan (durch die preußische Armee am 2.9.1870; jW) und der Ausrufung der Republik auf Druck der politisch aktiven Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zur Verteidigung der Hauptstadt aufgestellt worden waren. In diesem Gremium fanden sich überwiegend Vertreter einer noch jungen und unerfahrenen politischen Opposition zusammen. Es bleibt aber die Frage zu beantworten, wer aus welchem Antrieb im Zentralkomitee aktiv wurde. Dazu ist es notwendig, sowohl seine Entstehung als auch seine politische Praxis darzustellen. Unter Napoleon III. bestand die Nationalgarde ausschließlich als Miliz wohlhabender Bürger. Nach der Absetzung des Kaisers verwandelte sie radikal ihr Antlitz, denn in der jungen Dritten Republik waren es vor allem Arbeiter und Kleinbürger, die in ihre Reihen strömten, um die Republik gegen die preußischen Truppen zu verteidigen. Auf diese Weise entstand die Keimform einer Volksarmee mit starker Verankerung in den Pariser Arbeitervierteln. Als Beleg dafür mag die Tatsache gelten, daß die Bataillone sich durch Geldsammlungen in den Vierteln selbständig mit Geschützen ausrüsten konnten. Die Nationalversammlung (der Dritten Republik; jW) in Bordeaux beobachtete diese Entwicklung mit Argwohn und beschloß am 15. Februar 1871, die Soldzahlungen an die Nationalgarde einzustellen. Auf diesen Affront reagierten die Vertreter der Bataillone mit der Absetzung ihrer Offiziere und der Wahl neuer Kommandierender sowie mit der Schaffung eines gewählten Zentralkomitees der Föderation der Nationalgarde des Départements Seine. So schufen sich die Nationalgardisten eine politische und militärische Führung, deren Mitglieder demokratisch legitimiert und jederzeit abwählbar waren. Bereits vor dem 18. März 1871 war also eine starke – auf die bewaffneten Arbeiter in den Pariser Stadtteilen gestützte – Macht entstanden, die durchaus in der Lage war, die französische Regierung politisch unter Druck zu setzen und dem Verteidigungswillen der Pariser Bevölkerung Ausdruck zu verleihen. Gleichwohl war das Wirken des Zentralkomitees in den ersten Wochen seiner Existenz nicht auf den Umsturz der bürgerlichen Ordnung gerichtet. Als preußische Truppen in einen Teil von Paris einrückten, um den Waffenstillstand zu überwachen, plädierte das Zentralkomitee in seiner ersten Verlautbarung vom 28. Februar nur dafür, auf einen Waffengang mit den Belagerern zu verzichten und das nicht besetzte Stadtgebiet abzuriegeln. Die wohl zutreffende Einschätzung des Zentralkomitees lautete, daß militärischer Widerstand zur Liquidation der Republik geführt hätte. Auf diese Weise gelang es, sowohl dem preußischen Generalstab als auch der französischen Regierung die Möglichkeit zur Zerschlagung der Opposition zu nehmen, indem es beiden keinen Vorwand bot, gegen die Nationalgarde vorzugehen. Anders als von der Pariser Sektion der I. Internationale anfangs angenommen, ließ sich das Zentralkomitee also nicht von der Bourgeoisie ins Schlepptau nehmen, sondern wurde zum Rückgrat der Opposition gegen die Regierung.

Die Doppelherrschaft

Eine solche Konstellation – mit einer bewaffneten proletarischen Opposition auf der einen und einer bürgerlichen Regierung auf der anderen Seite – konnte nicht von langer Dauer sein, stellte sie doch eine Herausforderung der Herrschaft der Bourgeoisie dar. Deshalb verwundert es auch nicht, daß die Regierung unter Thiers und Favre alles daran setzte, den Einfluß des Zentralkomitees zu brechen. Das war der eigentliche Grund für den Versuch der Regierung, am 18. März die Geschütze der Nationalgarde zu konfiszieren. Das Scheitern dieser Operation verweist auf zwei wesentliche Merkmale einer politischen Situation, die Lenin mit dem Begriff der Doppelherrschaft belegte. Die Geschichte des Zentralkomitees macht erstens deutlich, daß es die Spannung zwischen bewaffneter Opposition und alter Ordnung nicht zum ersten Mal in den Monaten zwischen der Februar- und der Oktoberrevolution 1917 in Rußland gab, wie Lenin annahm, sondern daß dies bereits ein wichtiger Geburtshelfer der Pariser Kommune war. Zweitens wird sichtbar, daß es offensichtlich einer solchen Vorgeschichte für einen revolutionären Umsturz bedarf. Wenn auch zwei historische Beispiele zur Illustration einer politischen Notwendigkeit in revolutionären Prozessen keine breite empirische Basis bilden, lenken die Rolle der Nationalgarde im Paris des Frühjahrs 1871 und die der Sowjets im Rußland zwischen Februar und November 1917 den Blick doch auf eine für die Formulierung emanzipatorischer Theorie und Praxis grundlegende Erkenntnis von Antonio Gramsci. In der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen bei der Herausbildung des italienischen Nationalstaates seit Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb dieser, daß eine gesellschaftliche Gruppe bereits führend sein »kann und muß (…), bevor sie die Regierungsmacht erobert (das ist eine der Hauptbedingungen für die Eroberung der Macht); danach, wenn sie die Macht ausübt und auch fest in den Händen hält, wird sie herrschend, muß aber auch weiterhin ›führend‹ sein.«4 Beides gelang sowohl den Sowjets in Rußland als auch dem Zentralkomitee der Nationalgarde in Paris. Die einen wie das andere organisierten sowohl die Politisierung der Massen im Vorfeld des revolutionären Bruchs als auch die ersten Schritte in die neue Ordnung. Sie waren jeweils durch ihre politische Praxis legitimiert und durch die enge Bindung an die von ihnen vertretenen Menschen, die ihrerseits die Kontrolle über sie ausübten.

Aufgabe des Zentralkomitees

Es war daher folgerichtig, daß das Zentralkomitee am Abend des 18. März in das Stadthaus einzog und das öffentliche Leben in der Stadt zu organisieren begann. Bereits am Folgetag veröffentlichte es einen Beschluß, in dem es die Wahlen zum Kommunerat – dem Stadtrat von Paris – auf den 22. März festsetzte. Sein Wahlaufruf orientierte die Wähler darauf, daß die Revolution vom 18. März den Grundstein gelegt habe für eine französische Republik, die für alle Zeiten die »Ära der Invasionen und des Bürgerkrieges abschließen«5 werde. Das Zentralkomitee begriff sich dabei als die Kraft, die die Freiheit von Paris verteidigte und die nun mit den Wahlen zum Kommunerat ihre Macht wieder an die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zurückgeben wollte. Der Wahlaufruf erklärte sich unmißverständlich zu republikanischen Regierungsformen, die eng an das Mandat der Wähler gebunden waren, und verpflichtete sich, Krieg und Bürgerkrieg zu verhindern. Diesem Ziel diente die Proklamation, mit der sich das Gremium wenige Tage nach seiner Konstituierung als provisorische Regierung von Paris an die preußischen Belagerer wandte. Hierin versicherte es, die Pariser Revolution habe ausschließlich munizipalen Charakter und wende sich daher nicht gegen die preußischen Truppen. Angesichts der manifesten militärischen Bedrohung durch preußisch-deutsche und reguläre französische Truppen, die die Hauptstadt eingekreist hatten, mag man sich fragen, ob der umgehende Marsch der Nationalgarde auf Versailles, wie er vom Zentralkomitee und einer Minderheit im Gemeinderat gefordert wurde, der Kommune Zeit zur Umsetzung ihrer Vorhaben verschafft hätte. In der Folgezeit veröffentlichte das Zentralkomitee nur noch wenige eigene Erlasse, mit denen es in erster Linie solche der Regierung in Versailles rückgängig machte oder versuchte, die Härten der deutschen Belagerung sozial abzumildern. Das betraf vor allem Mietstundungen, Moratorien für Wechsel und die Einstellung des Verkaufs von Pfändern in den Pfandhäusern sowie die Rückgabe der Pfänder von geringerem Wert. Nach der Konstituierung des Gemeinderats in Folge der Wahlen und der Proklamation der Kommune am 28. März gab das Zentralkomitee die Regierungsverantwortung ab und löste sich kurzfristig auf. Es reorganisierte sich aber bereits zwei Tage später und beriet – als Vertreter der bewaffneten Macht in Paris – über die weiteren Schritte der Kommune. In einer Proklamation vom 5. April forderte es ein radikaleres Vorgehen gegen die Feinde der Kommune und bekundete den Willen der Nationalgarde, nach Versailles zu marschieren und den Feind militärisch zu schlagen. Das Zentralkomitee verstand sich als bewaffneter Arm der Kommune und wollte auch als solcher agieren. Aufgrund dieser Gegebenheiten kam es zu Konflikten mit dem Kommunerat, der lange bestrebt war, eine bewaffnete Auseinandersetzung zu vermeiden. Forciert wurde dieser Konflikt durch den Beginn der Kampfhandlungen durch Versailles am 2. April und den Anspruch des Zentralkomitees, bei der militärischen Planung an den Entscheidungen des Rates beteiligt zu werden und sogar die gesamte Militärverwaltung für sich zu reklamieren. Am 8. Mai 1871 kam der Kommunerat dieser Forderung nach und übertrug das Amt des Delegierten für das Kriegswesen (vergleichbar mit einem Verteidigungsminister) einem Mitglied des Zentralkomitees. (Der französische Historiker; jW) Jean Bruhat schätzte ein, daß der Kommunerat damit aber nur eine längst bestehende Tatsache legalisierte. Seitdem zeichnete das Zentralkomitee für sämtliche militärischen Operationen der Kommune bis zu ihrem Untergang verantwortlich. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Zentralkomitee der Nationalgarde sei – zumindest nach der Proklamation der Kommune – ausschließlich deren bewaffneter Arm gewesen. Diese Einschätzung ist sicher nicht verkehrt, greift aber gleichzeitig zu kurz. Denn zum einen erfüllte die Föderation der Nationalgarde mit ihrem Zentralkomitee vor dem 18. März und in den Tagen bis zur Konstituierung des Kommunerats am 28. März eine entscheidende politische Aufgabe. Auch bei der Politisierung der Pariser Bevölkerung spielten die Nationalgarde und ihr Zentralkomitee eine hervorragende Rolle. Doch mit ihrem Primat des Militärischen bewegte sie sich im offenen Gegensatz zu den sonstigen Positionen der Kommune.

Anmerkungen

1 In Paris war nach der Niederlage Napoleons III. in Sedan (am 1.9.1870) das Kaiserhaus für abgesetzt erklärt und am 4. September 1870 die Republik ausgerufen worden.

2 Prosper Lissagaray: Geschichte der Commune von 1871. Frankfurt am Main 1971, S.79

3 Proklamation des Zentralkomitees der Nationalgarde vom 19. März 1871. In: Helmut Swoboda (Hg.): Die Pariser Kommune 1871. München 1971, S.56

4 Antonio Gramsci: Gefängnishefte. Hamburg 2012, S. 1947

5 Proklamation des Zentralkomitees der Nationalgarde vom 19. März 1871. In: Swoboda, siehe Anmerkung 3, S.56

Erscheint in diesen Tagen in der Reihe »Basiswissen« im PapyRossa Verlag: Florian Grams, Pariser Kommune, 127 Seiten. Köln 2014, 9,90 Euro

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