4. April 2013

Dreh- und Angelpunkt

Martin Luther King (1964) - Fotoquelle: Wikipedia

Vor 45 Jahren wurde Martin Luther King ermordet

Karin Leukefeld

Tausende Arbeiter der Müllabfuhr hatten sich Anfang April 1968 in Memphis/USA versammelt, um gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen und für bessere Löhne zu protestieren. Angeführt werden sollte der Marsch von Martin Luther King, dem prominenten Streiter für die Rechte der Schwarzen, gegen Rassismus und Ausgrenzung in den USA. Am 4. April wurde Martin Luther King auf dem Balkon eines Hotels in Memphis ermordet.

Geboren wurde Michael King am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia. Die Eltern änderten seinen Namen in Martin, er studierte Theologie und erhielt 1955 den Doktortitel. In den 1950iger Jahren beteiligte er sich an zivilen Protesten gegen die Apartheid, die im »Land der Freien« vor allem in den Südstaaten noch immer die Regel war. Berühmtes Beispiel dafür wurde die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die sich eines Tages in Montgomery weigerte, ihren Sitzplatz in einem Bus an einen weißen Mann abzutreten. Damals mußten in den Südstaaten schwarze Fahrgäste im hinteren Teil eines Busses sitzen, während der vordere Teil den Weißen vorbehalten war. King unterstützte den Boykott der Busse in Montgomery durch die schwarze Bevölkerung. Nach mehr als einem Jahr gab die Busgesellschaft auf und änderte ihre Vorschriften. Doch der Kampf ging weiter.

Martin Luther King war ein entschiedener Verfechter des gewaltlosen Widerstands. Sein großes Vorbild war Mahatma Ghandi, der ohne Gewalt aber mit entschlossenem Widerstand Indien 1947 aus der britischen Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit geführt hatte. King wurde angegriffen und verhaftet, doch jede Attacke gegen ihn bestärkte den Protest der schwarzen Bevölkerung. Im August 1963 führte er eine riesige Demonstration in Washington an, bekannt wurde seine damalige Rede, die mit den Worten begann: »Ich habe einen Traum (…)«. 1964 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, 1965 führte die Kampagne für gleiches Stimmrecht für Afroamerikaner schließlich dazu, daß der Kongress jede Diskriminierung im Wahlrecht abschaffte.

Der schwarze Nationalist Malcolm X kritisierte die Gewaltlosigkeit Kings insbesondere nach brutalen Morden an Schwarzen in Birmingham/Alabama. Wenn ein Schwarzer geschlagen werde, müsse er dafür sorgen, daß der Schläger nie wieder jemanden schlagen könne, so Malcolm X. In den Medien und politisch sollten King und Malcolm X als der »gute Schwarze« und der »böse Schwarze« auseinander dividiert werden, sagt George Pumph­rey, langjähriger Aktivist der US-Bürgerrechtsbewegung (im Gespräch mit jW). Nur einmal sei es zu einem Treffen zwischen beiden Männern gekommen. Malcolm X wurde im Februar 1965 ermordet. Eine Folge des Mordes war die Gründung der Black-Panther-Bewegung 1966.

Mitte der 1960er Jahre erhob King seine Stimme auch gegen den Vietnamkrieg und gegen die Armut in den USA, das habe ihn zum »Dreh- und Angelpunkt für die progressive Bewegung in den USA« gemacht, so Pumphrey. Die Mobilisierung gegen die Armut in den USA habe das kapitalistische System in Frage gestellt. Am 5. April 1968 wollte Martin Luther King die »Kampagne der Armen« an der Seite der Müllabfuhrarbeiter in Memphis beginnen, die in einem großen Marsch auf Washington enden sollte. Der tödliche Schuß auf ihn fiel einen Tag zuvor.

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