18. September 2013

Ein Leben lang gekämpft

Chin Peng

Langjähriger Anführer der malaysischen Kommunisten in Bangkok gestorben

Thomas Berger

Sein größter Wunsch hat sich nicht mehr erfüllt – noch einmal seinen Fuß auf heimatlichen Boden zu setzen. Im Alter von knapp 89 Jahren ist Chin Peng, der langjährige Führer der Malaysischen Kommunistischen Partei, am Montag in einem Krankenhaus in Bangkok gestorben. Über Jahrzehnte hinweg hatte Chin Peng im Exil gelebt, die meiste Zeit in Thailand. Sein Name ist einerseits verbunden mit dem Kampf gegen die japanischen Invasoren im Zweiten Weltkrieg, später mit dem antikolonialen Aufstand und dem Untergrundkampf, der offiziell erst 1989 mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens beendet wurde.

Als Ong Boon Hua wurde er am 21. Oktober 1924 in Setiawan, einem Küstenort 150 Kilometer nördlich von Kuala Lumpur, als Sohn einer zur starken chinesischen Minderheit zählenden Familie geboren. Zunächst mit dem nationalrevolutionären Gedankengut Sun Yat-Sens in China sympathisierend, schloß er sich im Januar 1940, gerade einmal 16jährig, den malaysischen Kommunisten an. Bald darauf erreichte der Zweite Weltkrieg Südostasien, als die mit den faschistischen Mächten verbündeten Japaner immer weitere Gebiete eroberten. Ab 1943 wirkte Chin Peng, in der Partei inzwischen auf regionaler Ebene in die Führung aufgerückt, im gemeinsamen Kampf mit von London entsandten Soldaten.

Die Kooperation gegen den Feind, die kaiserlich-japanische Armee, zerbrach in dem Maße, wie sich nach Kriegsende im gesamten südlichen Asien die antikolonialen Bewegungen mit neuem Selbstbewußtsein und bisher ungekannter Stärke zu Wort meldeten. Auch für Chin Peng und seine Genossen war nun das oberste Ziel, die Briten zum Abzug zu zwingen und die Geschicke des Landes in die eigenen Hände zu nehmen, verbunden mit der Etablierung einer echten Volksherrschaft. Zwölf Jahre lang, von 1948 bis 1960, setzten sich die kommunistischen Kämpfer gegen eine bis zu 20fache Übermacht von etwa 100000 Soldaten zur Wehr. In dieser Zeit kamen in dem Konflikt schätzungsweise 10000 Menschen ums Leben. Ein Schlußpunkt unter dieses Kapitel wurde erst 1989 mit dem Friedensabkommen gesetzt, das parallel mit den Regierungen Malaysias und Thailands geschlossen wurde.

Doch während einige andere ehemals führende malaysische Kommunisten in den Folgejahren heimkehrten, mußte Chin Peng weiter im Exil ausharren. Immer wieder fand die Regierung einen Weg, seine Rückkehranträge entweder nicht zu beantworten oder direkt abzuweisen. 2005 schließlich, als abermals lange Zeit auf einen Vorstoß beim damaligen Premier Abdullah Badawi überhaupt nicht reagiert worden war, rief er sogar ein Regionalgericht an – und verlor. Die Behörden hatten sich zuletzt auf den Trick verlegt, eine Bescheinigung seiner Staatsbürgerschaft zu fordern. Seine Geburtsurkunde und ähnliche Papiere waren aber bereits in den vierziger Jahren verlorengegangen.

Die aktuelle Regierung Malaysias unter Premier Najib Razak bleibt der bisherigen Linie treu: Nicht einmal Chin Pengs Asche darf in die Heimat überführt werden, hieß es kategorisch aus Kuala Lumpur. Unvergessen bleibt der letzte Vertreter der großen Führer des antikolonialen Befreiungskampfes in Südostasien neben Aung San (Burma), Ho Chi Minh (Vietnam) und Sukarno (Indonesien) aber für viele Menschen allemal. »Egal, wie man zu ihm steht, sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm sicher«, sagte der malaysische Oppositionspolitiker Lim Kit Siang über den Verstorbenen.

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