17. März 2012

Erbitterte Schlacht

Geschlagen: Franco-Soldaten auf dem Rückzug bei Guadalajara (1937) - Quelle: ADN-ZB

Vor 75 Jahren: Vor Madrid erlitten Franco- und Mussolini-Faschisten bei Guadalajara eine Niederlage

Gerhard Feldbauer

Nach dem von Hitler und Mussolini militärisch aktiv unterstützten Putsch Francisco Francos im Juli 1936 entstand für die Volksfront-Regierung der Spanischen Republik eine tödliche Bedrohung. Die Faschisten brachten innerhalb weniger Monate das westliche Andalusien, größere Teile im Westen und Nordwesten unter ihre Kontrolle. Nur das Baskenland und Asturien hielten dort stand, am Golf von Biscaya behauptete sich die strategisch wichtige Hafenstadt Santander.

Franco und seine deutschen und italienischen Helfershelfer begannen eine barbarische Menschenjagd. »Befürworter der Legalität, loyale Republikaner werden massenweise gequält, verstümmelt, ermordet. Die Methoden der Mordkommandos sind bestialisch«, hielt der deutsche Antifaschist, Fritz Teppich, in seiner Broschüre »Spaniens Himmel« (Berlin 1986) fest. Der Weg der Franco-Truppen »ist von Massenmorden gezeichnet. In Bajadoz, nicht weit von der portugiesischen Grenze, ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Yagüe, einer der Schlächter von Asturien, niedermetzeln, was seinen Söldnern vor die Gewehre kam. Alle Republikaner, derer sie habhaft werden konnten, wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen.« Zu den ersten Opfern des Mordterrors gehörten loyale Offiziere, die sich widersetzten. Sie wurden »kurzerhand erschossen, darunter die Generäle Batet, Molero, Nunez de Prado, Romerales, Admiral Azarola und andere«, schrieb Teppich.

Infolgedessen traten kaum frühere Angehörige der alten Armee auf die Seite der Republik. Nur etwa 3 500 ihrer Offiziere blieben loyal und stellten sich der Volksfrontregierung zur Verfügung. Deren bewaffnete Kräfte bestanden Ende August 1936 neben Angehörigen der regulären Armee aus höchstens 100000 bis 150000 Mann Milizen, die sich nach dem Putsch formierten. Sie besaßen kaum militärische Erfahrungen, waren nicht zentral organisiert, außerdem an die verschiedenen Parteien der Volksfront bzw. Gewerkschaften gebunden.

Die Volksarmee entsteht

Erst Mitte Oktober begann der Aufbau des »Ejército popular«, der Volksarmee, in welche die Milizen als »Brigadas mixtas« eingegliedert wurden. Die Basis der Volksarmee bildet zunächst das berühmte »Quinto Regimento« (5. Regiment) unter dem Kommunisten Enrique Lister. Im Oktober 1936 wurde in Albacete eine Zentrale für die Formierung der Internationalen Brigaden eingerichtet, deren Zahl später auf 35000 bis 40000 anwuchs (siehe jW-Thema vom 7.November 2011).

Franco glaubte, die Zerschlagung der Republik mit der raschen Einnahme von Madrid abschließen zu können. Mit vier Offensiven scheiterte er. Den ersten Angriff schlugen im November 1936 die gerade aufgestellten ersten Einheiten der Volksarmee zusammen mit etwa 3000 Interbrigadisten zurück. Die Franquisten wurden durch die »Legion Condor« der Luftwaffe Görings und Caproni-Jäger des Interventionskorps Mussolinis massiv unterstützt. Den republikanischen Kräften, die bereits vor den Toren der Hauptstadt im Universitätsviertel kämpften, kam der legendäre Anarchist Buenaventura Durruti von der Aragon-Front mit etwa 4000 Mann seiner Kolonne zu Hilfe. Bei der Verteidigung Madrids fiel am 1. Dezember der Politkommissar und frühere Reichstagsabgeordnete Hans Beimler. Im Januar eroberte Franco zusammen mit motorisierten italienischen Divisionen Malaga. Südlich der Hauptstadt griffen sie entlang des Jarama-Flusses erneut Madrid an, konnten aber gestoppt werden.

Im März 1937 eröffnete das italienische Interventionskorps unter General Mario Roatta nordöstlich von Madrid bei Guadalajara eine neue große Offensive (siehe jW 17./18.12. 2011).Viele Italiener waren kriegserfahrene Soldaten, die 1935/36 an der Eroberung Äthiopiens teilgenommen hatten. Roatta führte den Hauptstoß auf der Straße Zaragoza–Madrid, um die Hauptstadt vom Nordosten her zu umfassen und sich am Jarama-Fluß mit Francos Truppen zu vereinigen. Das Terrain mit seinem gut ausgebauten Straßennetz war für die Angreifer, die mit Panzern und modern ausgerüsteten motorisierten Truppenteilen vorrückten, günstig. Vier italienische Divisionen stießen mit etwa 150 Panzern, 250 Geschützen, fast 4000 Gefechtsfahrzeugen, unterstützt von einer Division Franco-Faschisten, mehreren Geschwadern der »Legion Condor« und 60 italienischen Flugzeugen vor. Als Reserve stand eine zweite Division der Franquisten bereit. Zu der Offensive hatte Mussolini persönlich den Befehl erteilt.

Mit sowjetischen Waffen

Madrid wurde an diesem Frontabschnitt von der Volksarmee mit rund 10000 Mann verteidigt, die nur über knapp 6000 Gewehre, 85 Maschinengewehre und 15 Geschütze verfügte. Die erbitterte Schlacht tobte vom 8. bis 23. März.

Nach Artilleriebeschuß, Luftbombardements und Tieffliegerangriffen durchbrach General Roatta mit Panzern, gefolgt von Infanterie, die Stellungen der Verteidiger. In den folgenden Tagen stießen die Faschisten etwa 40 Kilometer vor und eroberten über ein Dutzend Städte im Vorfeld der Hauptstadt.

Das republikanische Oberkommando verstärkte die Verteidigung durch Einheiten des Regiments »Lister« sowie die Bataillone »Jaroslaw Dombrowski« und »Giuseppe Garibaldi« der XII. und danach nochmals durch die Bataillone »Ernst Thälmann«, »Edgar Andre« und »Commune de Paris« der XI. Internationalen Brigade. Zusätzlich wurden die linke und rechte Flanke durch Nachbarverbände gesichert. Ferner erhielten die Verteidiger mehrere Artilleriebatterien und Panzerabteilungen (sowjetische T26 und BT-5). Das Vordringen der Faschisten wurde zeitweilig mehrmals unterbrochen. Am dritten Tag der Schlacht traf das »Garibaldi«-Bataillon direkt auf das »Corpo Truppe Volontarie« der Mussolini-Faschisten. Die Garibaldiner forderten ihre Landsleute zum Überlaufen auf. Obwohl die Zahl der Verteidiger auf über 20000 anwuchs, waren ihnen die Mussolini-Faschisten (60000 Mann) und Franquisten (10000) zahlenmäßig sowie an Panzern und Geschützen weiterhin überlegen. In pausenlosen Einsätzen wurden sie durch die »Legion Condor« und italienische Jäger unterstützt.

Nach etwa einer Woche schwerer Kämpfe begann sich das Blatt zu wenden. Der republikanische Generalstab setzte fast 100 Jagdflugzeuge der sowjetischen Typen I-15 und I-16 sowie zwei Staffeln Bomber ein, die vom Flughafen in Albacete starteten. Volksarmee und Interbrigaden fügten den Faschisten eine schwere Niederlage zu und warfen sie bis zum 23. März fast bis auf ihre Ausgangsstellungen zurück. Von den 60000 Soldaten des Mussolini-Korps war ein Drittel gefallen oder gefangengenommen worden. Die Verteidiger erbeuteten große Mengen an Kriegsmaterial, darunter zahlreiche Artilleriegeschütze, gepanzerte Fahrzeuge und Maschinengewehre.

In der Schlacht bei Guadalajara entfalteten zum ersten Mal die Waffenlieferungen der UdSSR ihre Wirkung, darunter vor allem die eingesetzten Jagdflugzeuge, Panzer und Geschütze, geführt zum Teil von sowjetischen Spezialisten. Nach offiziellen Angaben aus Moskau waren von den 2064 Sowjetbürgern, die nach Spanien kamen, 772 Flieger und 351 Panzerfahrer.

Moralischer Sieg

Der Sieg bei Guadalajara war nicht nur ein militärischer Erfolg der Republik und der Volksfrontregierung, sondern mehr noch ein politischer und moralischer. Vor allem für das Interventionskorps Mussolinis war es auch eine große moralische Niederlage, die dem antifaschistischen Kampf in Italien Auftrieb gab.

In Spanien wie bei den Freiheitskämpfern in aller Welt sind der Widerstand gegen den Faschismus und die Verteidigung der Republik bis heute unvergessen. Ernest Hemingway, der aus Spanien berichtete, ließ in seiner Kurzgeschichte »Nobody ever dies« den kubanischen Interbrigadisten Enrique im Gespräch mit der Gelieben Maria im Angesicht des Todes sagen: »Aber am Ende war es keine Niederlage«, »Wir haben die Besten verloren« und: «Doch, es war die Sache wert«.

»Unser Ehrenname«

In Spanien stands um unsre Sache schlecht,

Zurück gings Schritt um Schritt,

Und die Faschisten brüllten schon:

Gefallen ist die Stadt Madrid!

Da kamen sie aus aller Welt

Mit einem roten Stern am Hut.

Im Manzanares kühlten sie

Dem Franco das zu heiße Blut.

Refrain:

Das waren Tage der Brigade Elf

Und ihrer Freiheitsfahne.

Brigada Internacional!

Ist unser Ehrenname.

Bei Guadalajara im Monat März,

In Kält und Regensturm,

Da bebte manches tapfre Herz

Und in Torija selbst der Turm.

Da stand der Garibaldi auf,

André, Dombrowsky ihm zur Seit!

Die brachten bald zum Dauerlauf

Die Mussolini-Herrlichkeit.

Aus: »Ballade der XI. Brigade« von Ernst Busch

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