7. November 2011

Freiwillige der Freiheit

Flagge der Interbrigaden

Geschichte: Vor 75 Jahren nahmen die Internationalen Brigaden den Kampf zur Verteidigung der Spanischen Republik auf

Peter Rau

Als am 17./18. Juli 1936 die spanische Reaktion zum Schlag gegen die im Februar desselben Jahres aus demokratischen Wahlen hervorgegangene Volksfrontregierung ansetzte, ging ein Aufschrei durch die Welt. Er verstärkte sich noch, als bereits wenige Tage nach der konterrevolutionären Attacke Beweise der Schützenhilfe des italienischen und des deutschen Faschismus für Spaniens putschende Generale offensichtlich wurden (siehe jW-Thema vom 18. und 19.7.2011). Doch es sollte nicht bei der weltweit zu registrierenden Empörung bleiben. Aus mehr als 50 Ländern kamen Tausende Freiwillige – Kommunisten und Sozialisten, Republikaner, Anarchisten, Liberale und Parteilose, konfessionslose wie jüdische oder christlich orientierte Antifaschisten –, in der Mehrzahl Angehörige der Arbeiterklasse, aber auch Bauern, Handwerker und viele Intellektuelle, um Spaniens Freiheit und damit die Demokratie zu verteidigen.

Ihr Einsatz ist bis heute unvergessen – wovon übrigens nicht nur die noch immer gegenwärtigen Lieder jener kampferfüllten Jahre künden. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, daß sich hier wie nie zuvor in der Geschichte die Kraft der internationalen Solidarität in ihrer höchsten Form manifestierte: im bewaffneten Beistand für ein von der einheimischen wie ausländischen Reak­tion bedrohtes Volk. Hinzu kamen die Gelegenheit sowie die länder- wie Partei- und Klassenschranken übergreifende Bereitschaft, dem Faschismus mit der Waffe in der Hand Widerstand zu leisten. In einer Zeit, da Hitler und Mussolini ihre eigenen Länder mit einem unvorstellbaren Terrorregime überzogen hatten und andere profaschistische Regime wie in Ungarn oder Polen, auf dem Balkan wie im Baltikum ihre Landsleute drangsalierten, bot sich hier die Möglichkeit, dem etwas entgegenzusetzen. Darauf haben überlebende Spanienkämpfer nach dem Krieg, der in einen noch barbarischeren münden sollte, immer wieder hingewiesen; zumal schon während der Auseinandersetzungen auf der Iberischen Halbinsel – mit dem deutschen Einmarsch in Österreich und im tschechischen Sudetengebiet – sich dessen Konturen immer klarer und schärfer abzuzeichnen begannen.

Aus mehr als 50 Ländern

Die ersten Gruppen ausländischer Kämpfer hatten sich bereits unmittelbar nach Beginn des Franco-Putsches in Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, formiert. Zu ihnen gehörten vor allem Arbeitersportler, die an einer hier geplanten Gegenolympiade zu den zeitgleich in Berlin stattfindenden olympischen Sommerspielen teilnehmen wollten, aber auch antifaschistische Emigranten aus Deutschland und Italien und anderen Ländern, die in Spanien Aufnahme gefunden hatten. Verstärkt wurden sie durch Freiwillige aus Polen, Ungarn, Jugoslawien und weiteren Staaten, die vor allem aus Frankreich und Belgien über die Pyrenäen auf die Iberische Halbinsel gekommen waren. Sie nahmen noch im Juli teil am Sturm der ersten katalanischen Milizen auf Militärkasernen und andere von den Putschisten besetzte Gebäude. Im August und September 1936 kämpften sie, inzwischen als Einheit »Giustizia e Libertá« oder »Centuria Thälmann«, »Centuria Gastone Sozzi«, »Kolonne Rosselli« oder »Centuria Commune de Paris« im Bestand größerer Milizeinheiten wie den von der Vereinigten Sozialistischen Partei Kataloniens (PSUC) oder der Gewerkschaft UGT aufgestellten »Carlos Marx« und »Columna del Barrio« an der Nordfront bei Irun oder in Aragon.

Über die Anzahl der »Voluntarios de la liber­tad«, der Freiwilligen der Freiheit aus mehr als 50 Ländern, die aus ihrer Heimat oder aus Exil bzw. Emigration zwischen 1936 und 1938 auf die Iberische Halbinsel strömten, gibt es viele unterschiedliche Angaben. Faschistischen Quellen zufolge sollen es 80000 bis 125000 gewesen sein – Zahlen, die aus klaren propagandistischen Gründen stark überhöht waren, sollten sie doch eine »kommunistische Gefahr« belegen und zugleich die Stärke der Interventionsstreitmacht zugunsten Francos herunterspielen oder bagatellisieren. Diese zählte schon im Dezember des ersten Kriegsjahres rund 40000 Mann und hatte sich bis März 1937 bereits auf 80000 verdoppelt; Anfang 1938 gehörten dazu – einschließlich marokkanischer Söldner, Portugiesen und Fremdenlegionäre – sage und schreibe 180000 Mann.

Was die zahlenmäßige Stärke der Interbrigaden betrifft, so dürften dagegen die von der Volksfront und den Brigaden selbst veröffentlichten Daten weitaus realistischer sein: In Albacete ging man für die Zeit von November 1936 bis April 1938 von 51984 Freiwilligen aus; der polnische General Karol Swierczewski, der in Spanien als »General Walter« zunächst die XIV. Internationale Brigade kommandiert und später eine Division befehligt hatte, schätzte ihre Zahl nach dem Krieg in einer Habilitationsschrift auf 42000. Und die Militärkommission des Völkerbundes errechnete im Oktober 1938, daß es insgesamt nur 32109 Interbrigadisten gewesen seien, wobei vermutlich die etwa 10000 in spanischen Einheiten dienenden Freiwilligen nicht mit erfaßt worden sind. Marxistische wie auch bürgerliche Historiker gehen mittlerweile von 35000 bis maximal 40000 Ausländern aus, die auf seiten der Spanischen Republik kämpften. Dabei hatten sie nicht selten abenteuerliche Wege zurückzulegen, denn von den faschistischen Staaten ganz abgesehen waren auch in den meisten »demokratischen« Ländern – unter der offiziell verkündeten »Nichteinmischungspolitik« – Reisen nach Spanien strikt untersagt. Deshalb war auch die Grenze Frankreichs entlang der Pyrenäen meist nur illegal zu überwinden.

Das größte Kontingent der Interbrigaden stellten mit etwa 9000 Freiwilligen die Franzosen, wobei nicht ganz klar wird, ob zu dieser Zahl auch die nach Frankreich emigrierten Ausländer aus slawischen und anderen Ländern zu rechnen sind. Die Italiener geben in ihrem biographischen Lexikon etwa 4000 Interbrigadisten an. Aus Deutschland sollen jüngsten Recherchen zufolge mehr als 3000 Spanienkämpfer gekommen sein, von denen über 2000 in den Bataillonen der Interbrigaden gekämpft haben und weitere 200 in anarchistischen Einheiten sowie 50 im Bereich der POUM, der »Arbeiterpartei der marxistischen Einheit«, registriert waren. Aus den USA stammten etwa 2750, aus Großbritannien rund 2000, aus Österreich waren es 1300 und aus der Schweiz etwa 800. Für Oktober 1938 zählte der Völkerbund noch mehr als 3000 Polen, 1700 Belgier, rund 1000 Tschechen und Slowaken, fast 900 Antifaschisten aus den baltischen Staaten, knapp 800 Skandinavier, über 500 Ungarn und ebenso viele Kanadier sowie nahezu 2100 Freiwillige aus den Balkanländern. Die vielleicht 2500 spanischsprachigen Lateinamerikaner, darunter mindestens 900 Kubaner, waren kaum in den Interbrigaden eingesetzt, sondern dienten vor allem in den normalen spanischen Einheiten.

Zuverlässige Stoßbrigaden

Auch wenn es in diesem Beitrag um den Einsatz der ausländischen Freiwilligen insbesondere in den Internationalen Brigaden gehen soll, so ist dabei zu bedenken, daß diese gegenüber den spanischen Angehörigen der Volksarmee nur einen Bruchteil, eine verschwindende Minderheit darstellten. Im Juli 1937 verfügte das »Ejercito popular« bereits über 153 Brigaden mit einer Stärke von rund 800000 Mann, zu denen neben den aus den Milizen hervorgegangenen Soldaten mehr und mehr Wehrpflichtige gehörten (auch Franco hatte übrigens die Truppen in seinem Einflußbereich aus Wehrpflichtigen rekrutiert). Ein Jahr später, vor dem Beginn der großen Ebro-Offensive der Republikaner, war dieses Volksheer auf mehr als 200 Brigaden mit etwa 1,2 Millionen Mann angewachsen. Dagegen nahmen sich also die internationalen Einheiten, in denen überdies zunehmend auch einheimische Soldaten ihren Dienst versahen, doch relativ bescheiden aus, auch wenn sie als zuverlässige Stoßbrigaden galten. Von der Verteidigung der Hauptstadt im November und Dezember 1936 über die Schlachten des Jahres 1937 – am Jarama wie bei Guadalajara, bei Huesca, Brunete, Quinto, Zaragoza oder Belchite – und den Kämpfen um Teruel Anfang 1938 bis hin zur Offensive am Ebro im Sommer waren sie immerhin an allen entscheidenden Brennpunkten des Krieges eingesetzt. Entsprechend groß waren auch ihre Verluste: Bis Ende 1937 wurden von den bis dahin erfaßten 27764 ausländischen Freiwilligen 4365 Gefallene gemeldet, das war eine Verlustrate von 15,7 Prozent. Hinzu kam eine nicht genau zu beziffernde Anzahl von Verwundeten und Gefangenen. Bis zum Ende des Krieges dürfte sich zudem allein die Zahl der Todesopfer mehr als verdoppelt haben.

Die meisten der ausländischen Antifaschisten waren in den mit den römischen Nummern XI bis XV bezeichneten Brigadas Internacionales zusammengefaßt, die zwischen Oktober 1936 und Februar 1937 aufgestellt worden waren. Anfangs noch bunt durcheinandergewürfelt, waren sie nach und nach in verschiedene Sprachgruppen aufgeteilt worden. Die XI. wurde dabei von Deutschen und Österreichern dominiert, die XII. von Italienern, die XIV. von Franzosen und Belgiern und die XV. von den angloamerikanischen Freiwilligen. Die XIII. Brigade, zunächst aus Angehörigen von über 40 Nationen gebildet, entwickelte sich ab Sommer 1937 zu einer vorwiegend slawisch geprägten Einheit. Darüber hinaus wurden Internationalisten in drei weiteren Brigaden – der 86., der 129. und der 150.– konzentriert. Außerdem kämpften Ausländer in verschiedenen Artillerieabteilungen sowie Flakbatterien, im Sanitätsdienst, in Panzerbrigaden und Einheiten der Luftstreitkräfte und nicht zuletzt als Partisanen.

Bei all diesen Zahlen darf jedoch nicht übersehen werden, daß zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Krieges kaum mehr als 12000 und höchstens 15000 ausländische Antifaschisten gleichzeitig im Einsatz waren; das ergibt sich allein schon aus der Sollstärke der Brigaden. Die lag – je nach der Anzahl der unterstellten Bataillone – bei etwa 3000 bis höchstens 4000 Mann. So zitiert Patrik von zur Mühlen in seinem Buch »Spanien war ihre Hoffnung« (J.W.H. Dietz Nachf., Westberlin-Bonn 1985) eine Truppenliste der ersten Internationalen Brigade, der XI., vom 3.Dezember 1936, also nach den ersten verlustreichen Gefechten um Madrid, in der deren seinerzeit vier Bataillone mit 1472 Mann ausgewiesen waren; hinzu kamen zwei Batterieabteilungen mit 65 bzw. 67 Kämpfern sowie ein Kavallerie-Peloton mit 92, die Panzerabwehr mit 25 und der Brigadestab inklusive Nachrichtenwesen mit 26 Personen – in der Summe also 1647 Mann. Dabei war allein das erste Bataillon, das den Namen des deutschen Widerstandskämpfers Etkar André trug, im November mit etwa 650 Mann in den Kampf gezogen.

Die Basis in Albacete

Ein exaktes Datum für die Gründung der Internationalen Brigaden vor 75 Jahren gibt es nicht. Manche Historiker nennen das Angebot der Kommunistischen Internationale vom August 1936, andere das Einverständnis der spanischen Volksfrontregierung vom 22.Oktober mit diesem Vorschlag. Dolores Ibarruri, die spätere Generalsekretärin bzw. Vorsitzende der KP Spaniens, spricht in ihren Erinnerungen vom 1. November, dem Tag der Namensgebung für die erste Internationale Brigade, und schließlich ist auch der 7. November 1936 im Gespräch – als der Tag, an dem die hastig formierten ersten ausländischen Freiwilligenbataillone zwischen Casa del Campo und Manzanares am westlichen Stadtrand in die Kämpfe zur Verteidigung der Hauptstadt Madrid eingriffen.

Ihren Einsatz zu organisieren und zu koordinieren, wurde im Oktober 1936 in dem etwa 200 Kilometer südöstlich von Madrid gelegenen Provinzzentrum Albacete eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die unter der Führung bewährter Funktionäre der Komintern, der Kommunistischen Internationale, zu arbeiten begann. Die verkehrsgünstige Lage der Stadt und die dort vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten wie Versorgungseinrichtungen waren ausschlaggebend für die Wahl dieses Standortes. Zeitzeugen berichteten von einer alten Infanteriekaserne, die mit ihren hohen Lehmmauern und minarettähnlichen, in Schießscharten endenden Rundtürmen dem Bau den Anstrich einer mittelalterlichen maurischen Zitadelle gaben. Auch von einer Stierkampfarena war die Rede, deren Kasematten den Ankommenden als Unterkunft dienten. Zudem befand sich in Albacete der Sitz der vom spanischen Parlamentspräsidenten Martinez Barrio, einem Republikaner, geleiteten Regierungskommission zur Formierung einer regulären Volksarmee.

Anfangs diente die Basis lediglich als Sammelpunkt für die ankommenden Antifaschisten aus den verschiedensten Ländern, doch schon bald wurden entsprechende Organisationsstrukturen geschaffen. Albacete entwickelte sich rasch zu einem Mobilmachungs-, Ausbildungs- und Verwaltungszentrum der Internationalen Brigaden. Im Januar 1937 entstand ein zentraler Stab mit verschiedenen Abteilungen und Diensten, die für Bewaffnung und Ausrüstung, politische und militärische Ausbildung, Verpflegung, Finanzen, Kader, Intendantur, Transport, Sanitätswesen und Post zuständig waren. Auch eine Dependance des »Servicio de Investigación Militar« (SIM) war als Nachrichtendienst, Kontroll- und Sicherheitsorgan ab Sommer 1937 hier angesiedelt.

In Madrid waren die Interbrigaden darüber hinaus im Generalkommissariat des Ejercito popular repräsentativ vertreten. Dazu ist allerdings anzumerken, daß der Einsatz von Politkommissaren in den Bataillonen und Brigaden der Volksarmee wie der ausländischen Einheiten mitnichten – wie bis in die Gegenwart hinein oft behauptet wird – auf Druck der Sowjetunion oder der Komintern hin zustande kam. Vielmehr ging die Initiative dazu von dem linkssozialistischen Regierungschef Largo Caballero aus, der 1936/1937 zugleich das Kriegsministerium geleitet hatte.

Daß die Kommunistische Internationale als Spiritus rector des Einsatzes der Freiwilligen ein entscheidendes Wort bei der Besetzung der führenden Positionen in den Internationalen Brigaden mitzureden hatte, steht außer Frage. In marxistisch geprägten Publikationen werden dabei vor allem die Namen der Mitglieder des Sekretariats des Exekutivkomitees der Komintern Palmiro Togliatti und André Marty genannt. Aber auch die Italiener Victorio Codovilla und Luigi Longo sowie Giuseppe di Vittorio, die Ungarn Mate Zalka, Ernö Gerö und Ferenc Munich, die Bulgaren Ferdinand Kosovski und Karlo Lukanov, Karol Swierczewski und Gustaw Reicher aus Polen, Vladimir Copic aus Jugoslawien und Franz Dahlem aus Deutschland sowie viele andere Emissäre der Komintern bzw. nationale Vertreter der verschiedenen damals einflußreichen Parteien der kommunistischen Weltbewegung nahmen dabei wichtige Aufgaben wahr. Ihr Einsatz führt zudem die wiederholt anzutreffende Behauptung ad absurdum, daß sich die Komintern als Repräsentantin der kommunistischen Weltbewegung sowie die KPdSU als deren Hauptkraft nur höchst halbherzig zur Verteidigung der Spanischen Republik bekannt hätten.

Sowjetische Hilfe

Über die weltweite Solidarität mit dem Freiheitskampf des spanischen Volkes zu schreiben, ohne die materielle und personelle Unterstützung seitens der Sowjetunion hervorzuheben, wäre gewiß unehrenhaft. So sollen hier auch die über 2000 Freiwilligen aus dem ersten sozialistischen Land der Welt Erwähnung finden, die als militärische Berater und Militärspezialisten der Volksfrontregierung und ihrer entstehenden Armee mit Rat und Tat zur Seite standen. Dabei kann allerdings nicht davon die Rede sein, wie es bei Patrik von zur Mühlen heißt, daß »von rund 3000 sowjetischen Funktionären, die sich 1936–1939 in Spa­nien aufhielten, nur 41 Kombattanten (waren). Alle übrigen waren – getarnt als Diplomaten, Journalisten, Offiziere oder irgendwelche Fachberater – Agenten für militärische, politische, geheimpolizeiliche und nachrichtendienstliche Aufgaben.« Dagegen spricht zum Beispiel die Tatsache, daß in den Kämpfen auf spanischem Boden über 150 sowjetische Freiwillige ihr Leben ließen. »Jeder sechste von den Fliegern und Panzersoldaten, die als Freiwillige nach Spanien gingen, kehrte nicht mehr heim«, heißt es etwa im entsprechenden Kapitel des 1975 in Moskau herausgegebenen Sammelbandes »Die Völker an der Seite der Spanischen Republik«, in dem u.a. von insgesamt hier eingesetzten 772 Fliegern sowie 351 Panzersoldaten und -offizieren aus der UdSSR die Rede ist.

Insgesamt gab das russische Verteidigungsministerium 1998 (!) über die Anzahl der Militärspezialisten und -berater aus der Sowjetunion folgende Zahlen an: 772 Flieger, 351 Panzerfahrer, 222 allgemeine militärische Berater und Instrukteure bei den Landstreitkräften, 77 Marineoffiziere und Matrosen, mehr als 150 militärische Spezialisten, 130 Arbeiter und Ingenieure von Flugzeugbetrieben, 156 Funker bzw. Nachrichtensoldaten sowie 206 Dolmetscherinnen und Dolmetscher, alles in allem also 2064 Personen. Von ihnen befanden sich jedoch nie mehr als 800 gleichzeitig in Spanien. Im erwähnten Sammelband wird auch der Gesamtumfang der militärischen Lieferungen aufgelistet. Er »belief sich auf 806 Kampfflugzeuge, meist Jagdflugzeuge, 362 Panzer, 120 Panzerspähwagen, 1555 Geschütze, rund 500000 Gewehre, 340 Granatwerfer, 15113 Maschinengewehre, über 110000 Fliegerbomben, rund 3,4 Millionen Granaten, 500000 Handgranaten, 862 Millionen Patronen, 1500 Tonnen Pulver sowie Torpedoboote, Scheinwerfer für die Fliegerabwehr, Autos, Sender, Torpedos und Treibstoff.«

Darüber hinaus, also zusätzlich zur Lieferung von Waffen und Rüstungen und der Bereitstellung von Freiwilligen, stellte die UdSSR den Spaniern Unmengen von Nahrungsmitteln und auch Kleidung zur Verfügung, finanziert u.a. aus dem von den Sowjetgewerkschaften im August 1936 eingerichteten Hilfskonto für das republikanische Spanien. Ende Oktober erreichte die darauf eingezahlte Summe bereits mehr als 47 Millionen Rubel, hieß es am 27. Oktober 1936 in der Gewerkschaftszeitung Trud. Zwischen dem 18. September und Ende Oktober brachten demzufolge die ersten vier Frachtschiffe etwa 1000 Tonnen Butter und 300 Tonnen Margarine, über 4000 Tonnen Weizen und 3500 Tonnen Mehl, rund zwei Millionen Konservenbüchsen, 1000 Kisten Eier, 250 Tonnen Dauerbackwaren und andere haltbare Lebensmittel über das Mittelmeer auf die Iberische Halbinsel. Diesen Transporten folgten bis zum Kriegsende Dutzende weitere.

Daß sowohl die Militärtransporte wie auch die mit Lebensmitteln beladenen Schiffe längst nicht alle ihr Ziel erreichten, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. So wurden bis zum Mai 1937 sowjetische Frachter 86mal von Franco-Leuten, deutschen bzw. italienischen Faschisten angegriffen. Einige wurden versenkt, andere gewaltsam in von Putschisten besetzte Häfen verschleppt. Dieses Schicksal erlitten übrigens auch Schiffe, die unter anderen Flaggen fuhren, wenn sie verdächtig waren, Fracht aus der Sowjetunion nach Spanien zu befördern.

Kampf hinter der Front

Die kontrovers diskutierten Facetten des Kampfes in Spanien sollen hier nicht verschwiegen werden, auch wenn sie in der Regel für die meisten ausländischen Freiwilligen, um die es in diesem Beitrag ja in erster Linie geht, marginal geblieben sind. Die Rede ist zum einen von den Tagen im Mai 1937, als in Barcelona, der zweitgrößten Stadt Spaniens, Kämpfe ausbrachen, die sich nicht gegen die Faschisten als Hauptfeind der Volksfront richteten, sondern antikommunistisch und antisowjetisch geprägte anarchistische und trotzkistische Kräfte auf die Barrikaden gingen und der katalanischen Landes- und damit der Zentralregierung den Krieg erklärten. Als Auslöser galten die kleine POUM, die Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung, die bei der Wahl zur Cortes auf ein Prozent der Stimmen gekommen war, und anarchistische bzw. anarcho-syndikalistische Gruppen, die der CNT bzw. der FAI nahestanden. Selbst der englische Schriftsteller George Orwell als Parteigänger der POUM kam im nachhinein nicht umhin festzustellen: »Im Augenblick ist nichts von Bedeutung, als den Krieg zu gewinnen. Ohne Sieg in diesem Krieg ist alles andere bedeutungslos. Darum ist es nicht der richtige Augenblick, davon zu sprechen, die Revolution voranzutreiben. Wir können es uns nicht leisten, uns die Bauern zu entfremden, indem wir ihnen die Kollektivierung aufzwingen, und wir können es uns auch nicht leisten, die Mittelklasse abzuschrecken, die auf unserer Seite kämpft. (...) Wer versucht, den Bürgerkrieg in eine soziale Revolution zu verwandeln, spielt in die Hände der Faschisten und ist in der Wirkung, wenn nicht sogar in der Absicht, ein Verräter (…). Es gab keine Entschuldigung dafür, einen Kampf hinter der Front anzufangen.« (»Mein Katalonien. Bericht über den spanischen Bürgerkrieg«) Der deutsche Spanienkämpfer Fritz Teppich verwies in seiner Autobiographie zudem auf Dokumente aus dem Auswärtigen Amt in Berlin, die belegen würden, daß die Straßenkämpfe in Barcelona durch Franco-Agenten in Gang gesetzt worden seien. (»Der rote Pfadfinder«, Elefanten Press, Berlin 1996)

Der aus den USA stammende und seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Publizist Victor Grossman kritisiert zu Recht jene Darstellungen, wonach die Mai-Vorkommnisse »als wichtigstes Ereignis des ganzen Spanienkrieges erscheinen konnten. Indem sie den mysteriösen Tod des POUM-Führers Andres Nin und die Verfolgung der POUM-Leute zu einer bösen Verschwörung der Sowjets reduzierten, stellten sie den ganzen Krieg des spanischen Volkes, seiner Regierung und der Interbrigadisten, die ihr Leben riskierten und auch hingaben, in ein äußerst schlechtes Licht. Gewiß hatte die Sowjetunion Geheimagenten in Spanien. Es scheint wahrscheinlich, daß ihr Chef, Orlow, für Nins Ermordung mitverantwortlich gewesen war (…). Doch hatten alle Länder, nicht nur die Sowjets, ihre Geheimagenten in Spanien.« (»Madrid – du wunderbare«, GNN-Verlag, Schkeuditz 2006) Auch Paul Preston, Historiker an der London School of Economics, kommt zu einem ähnlichen Urteil, wenn er über Orwells Buch wie über den Film »Land und Freiheit« (»Land and Freedom« bzw. »Tierra y Libertad«) von Ken Loach urteilt, sie würden »nur eine einzige Frage während des Krieges, die zudem relativ am Rande lag«, thematisieren.

»Mit all meinen Kräften«

Bei einer Durchsicht selbst jüngerer Veröffentlichungen zum Krieg in Spanien fällt auf, daß darin nach wie vor Formulierungen und Wertungen anzutreffen sind, die ihre Verwandtschaft zu faschistischen Propagandaparolen aus der Zeit des Krieges und danach – immerhin sollte die nach der Niederlage der Republik im April 1939 errichtete Franco-Diktatur noch dreieinhalb Jahrzehnte lang Bestand haben (siehe jW-Thema vom 3.August 2011) – nur schwer kaschieren können. Und das trifft beileibe nicht nur auf das berüchtigte »Schwarzbuch des Kommunismus« aus dem Jahr 1997 zu. So gilt, um hier ein Beispiel zu nennen, André Marty, der eigentliche Chef der Internationalen Brigaden, manchen bürgerlichen Historikern noch immer wahrheitswidrig als »der Schlächter« oder »Bluthund von Albacete«, der reihenweise Todesurteile an ihm unterstellten Spanienfreiwilligen vollstrecken ließ. Natürlich hat es auch Todesstrafen – nicht zuletzt gegen vom Feind eingeschleuste Saboteure und Spione– gegeben sowie minderschwer geahndete Fälle von Desertion aus den Reihen der Inter­brigaden. Für die deutschen Brigadisten soll sich letzteres auf weniger als ein halbes Prozent des Mannschaftsbestandes belaufen haben. Die absolute Mehrheit der Kämpfer aber ist dem Versprechen treu geblieben, das im Gelöbnis der Internationalen Brigaden gegeben wurde: »Ich verpflichte mich, als überzeugter Antifaschist, in welcher Situation es auch sei, mit all meinen Kräften und all meinem Können für die Freiheit und Unabhängigkeit Spaniens zu kämpfen und damit für die Freiheit und den Frieden in der ganzen Welt.«

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2011/11-07/003.php