17. Dezember 2011

Hilfe für die Putschisten

Mit Unterstützung aus Rom und Berlin gegen das Volk von Madrid: Francisco Franco (links neben Benito Mussolini, 1941)

Vor 75 Jahren: Das faschistische Italien unterstützt den Kampf Francisco Francos gegen die Spanische Republik

Gerhard Feldbauer

Der Staatsstreich der klerikal-faschistischen Reaktion gegen die rechtmäßig gewählte Regierung der Volksfront in Spanien vom 17. Juli 1936, an dessen Spitze sich Francisco Franco stellte, brach auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten wegen des Widerstands der Bevölkerung zusammen. Seine Niederschlagung wurde nur durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitlerdeutschlands und Mussolini-Italiens verhindert. Mit 20 Militärtransportern vom Typ »Ju 52« flog Hermann Görings Luftwaffe als erstes 15000 Mann Elitetruppen der Putschisten von Marokko nach Cadiz.

Nachdem Franco sich am 29. September zum Chef des »Nationalen Spanien« proklamiert hatte, anerkannten ihn unmittelbar danach Hitler und Mussolini als »Chef der einzigen legitimen Regierung Spaniens«. Am 24. November schloß Rom mit den Putschisten ein Abkommen über umfangreiche militärische Unterstützung. Franco honorierte das vier Tage später mit einem Wirtschaftsabkommen, das ungewöhnlich weitreichende Zusagen enthielt. Beide Seiten legten »die Modalitäten für die Nutzbarmachung ihrer wirtschaftlichen Quellen – insbesondere ihrer Rohstoffe« fest.

Zwei Armeekorps

Für Mussolini waren zwei Gesichtspunkte entscheidend, die faschistischen Putschisten an der Seite Nazideutschlands gegen die Spanische Republik militärisch massiv zu unterstützen. Erstens befürchtete er weitreichende Auswirkungen eines Volksfrontspaniens auf den antifaschistischen Widerstand im eigenen Land, darüber hinaus auf Frankreich und weiter im Mittelmeerraum. Zweitens verhieß die Intervention wirtschaftliche, militärstrategische und politische Vorteile. Die militärischen Aspekte wurden deutlich, als Italien zeitweise die Balearen besetzte und damit die Mittelmeerstützpunkte Großbritanniens und Frankreichs bedrohte. Zudem offerierte Franco dem rohstoffarmen Italien ökonomische Ressourcen, insbesondere Rohstoffe. Eine große Anziehungskraft übten die Quecksilberminen von Almaden aus.

Unter dem Kommando des vorherigen Geheimdienstchefs, General Mario Roatta, stellte Mussolini ein zunächst vier Divisionen umfassendes Interventionskorps auf. Roatta führte den Decknamen Mancini und nannte sich »Chef des Stabes der Freiwilligentruppen«. Eingesetzt wurden jedoch reguläre Truppen, die in italienischen Uniformen kämpften. Bereits am 31. August 1936 trafen die ersten 20 Flugzeuge in der Hafenstadt Vigo ein. Bis Ende 1936 wurden in Südspanien in Cádiz und Sevilla und im Norden in Aranda de Duero Stützpunkte errichtet, auf Mallorca entstand eine Bomberbasis für Angriffe auf Barcelona, Valencia und weitere Städte.

Die Interventionstruppen wuchsen auf zwei Armeekorps an. Die motorisierten Truppen waren modern ausgerüstet und bewaffnet; sie verfügten über 800 Kampfflugzeuge sowie 8000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. 90 Kriegs- und Transportschiffe versorgten das eigene Korps und die Franco-Truppen. Sie blockierten republikanische Häfen und beschossen Küstenbefestigungen. In der Luftwaffe waren insgesamt 5699 Militärflieger und 312 zivile Piloten im Einsatz. Sie flogen nach italienischen Angaben 86420 Einsätze, darunter 5318 Bombenangriffe, bei denen 11584 Tonnen Bomben abgeworfen wurden. Die italienische Armeezeitschrift Force Armate berichtete im Juni 1939, daß in Spanien 100000 vollausgerüstete Offiziere und Soldaten des stehenden Heeres sowie der Schwarzhemdenverbände eingesetzt waren. Der antifaschistische deutsche Spanienkämpfer Fritz Teppich schätzte ein, daß zuzüglich Sondereinheiten und Luftwaffe und beträchtliche Marineeinheiten, »mindestens 120000 bis 150000 italienische Interventen gegen die Republik gekämpft haben.«

Mussolini und der italienische Faschismus agierten im trauten Verein mit der katholischen Kirche. Papst Pius IX., den Franco als Ersten über seinen Staatsstreich informierte, wandte sich zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit und arbeitete eng mit Hitler und Mussolini zusammen. Die Jesuiten-Zeitschrift Civiltá Cattolica schrieb am 2. Januar 1937, in dem faschistischen Putsch habe sich »eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung« gezeigt. Aktive Unterstützung kam auch vom klerikalfaschistischen Netzwerk Opus Dei (Werk Gottes). Acht seiner Mitglieder traten in die Regierung des »Caudillo« ein. Die katholische Kirche wurde zu einer der wichtigsten Stützen Francos. Der sie beherrschende Klerus jubelte dem Chef des Mörderregimes zu und begrüßte ihn mit dem »Führergruß«.

Brigade Garibaldi

Die Intervention, mit der ­Mussolini einen Einfluß der spanischen Volksfront auf Italien verhindern wollte, hatte auch gegenteilige Auswirkungen. Über 3350 italienische Antifaschisten gingen nach Spanien und verteidigten in den Reihen der Internationalen Brigaden die Republik. Mit 1119 Interbrigadisten stellten die italienischen Kommunisten einen bedeutenden Teil der Kämpfer. 310 waren Sozialisten, die übrigen größtenteils parteilos. Unter den Interbrigadisten befand sich der spätere Generalsekretär der IKP Luigi Longo, zunächst Politkommissar des Bataillons, dann der Brigade Giuseppe Garibaldi, das alle Antifaschisten des Landes vereinigte. Longo übernahm später als Generalinspekteur im Range eines Divisionsgeneral eine maßgebliche Funktion in den Internationalen Brigaden. Unter seinem Kampfnamen »Gallo« wurde er als einer der führenden Militärs der Spanischen Republik bekannt. Nach einer schweren Verwundung kam er 1939 nach Frankreich, wurde in Paris verhaftet, ins Konzentrationslager Vernet eingeliefert, von dort 1941 nach Italien ausgeliefert und eingekerkert. Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 übertrug ihm das Nationale Befreiungskomitee das Kommando eines Befehlshabers der Partisanenarmee. Die gleiche Funktion übte paritätisch der Sozialist Sandro Pertini aus.

Am 13. November 1936 prägte Carlo Rosselli, einer der Führer der 1929 in Frankreich gebildeten Widerstandsgruppe Giustizia e Libertà (»Gerechtigkeit und Freiheit«), in einer Rede in Radio Barcelona für den Kampf der Antifaschisten seines Landes die prophetische Losung »Heute in Spanien, morgen in Italien«. Sie wurde zum Schwur, mit dem die italienischen Antifaschisten in den Kampf zogen. Bei der Verteidigung von Madrid im November 1936, bei Guadalajara nordöstlich der Hauptstadt im März 1937, bei Brunete westlich von Madrid im Juli 1937 trafen die Garibaldiner direkt auf die Mussolini-Truppen. Sie stoppten die Angriffe und fügten den Faschisten schwere Verluste zu.

Ein Fiasko erlitten die italienischen Interventen im März 1937, als sie nordöstlich von Madrid in Richtung Guadalajara eine Großoffensive starteten. Mit vier Divisionen und einem Riesenaufgebot von Flugzeugen, Panzern und Geschützen wollten sie, unterstützt von Franco-Divisionen und Hitlers Legion »Condor«, die republikanische Front durchbrechen. Der »Duce« stachelte die italienischen Legionäre in einem Telegramm an Roatta an, die Offensive müsse unbedingt »mit dem Sieg gekrönt werden«. Die junge Volksarmee bereitete den italienischen Faschisten, unterstützt von der XI. und XII. Internationalen Brigade, jedoch eine vernichtende Niederlage.

Quelle: »Verteidiger eines hohen Ideals«

In seinem Buch »Die Internationalen Brigaden in Spanien« beschreibt der italienische Antifaschist Luigi Longo den Unterschied zwischen den Freiwilligen der Brigaden und den Soldaten der faschistischen Interventionstruppen:

Der General Mario Roatta »hat eine Idee, um seine Leute zu ermutigen. Er erklärt, die ›Internationalen Brigaden (…) sind schwach, und es fehlte ihnen bereits an Menschen, als sie gegen uns antraten. (…)‹ Aber der General erklärt nicht, warum diese zahlenmäßig so geringen, so schwachen Brigaden zusammen mit den Spaniern die starken und und bis an die Zähne bewaffneten faschistischen Legionen in die Flucht jagen. (…) Die Erklärung ist einfach: Sie besteht in der Tatsache, daß sich wirkliche Freiwillige auf der einen Seite und (…) Söldner auf der anderen Seite gegenüberstehen, das heißt Verteidiger eines hohen Ideals, dem sie das ganze Leben gewidmet haben, und Leute, die auf einen kläglichen Sold und auf eine schändliche Beförderung versessen sind, für die zu sterben sich gewiß nicht lohnt.«

Luigi Longo: Die Internationalen Brigaden in Spanien, Verlag das europäische Buch, 1956, S. 221

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