13. März 2014

Kämpfer gegen Krieg und Kürzungen

Robert Crow

Als Gewerkschafter war Robert Crow der Gegenspieler New Labours. Am Dienstag starb er in London

Christian Bunke

Robert Crow ist tot. Der Generalsekretär der britischen Transportarbeitergewerkschaft RMT verstarb am 11. März an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von 52 Jahren in einem Londoner Krankenhaus. Die britische Gewerkschaftsbewegung verliert mit Crow ihre stärkste Persönlichkeit. Unter seiner Führung wurde die RMT, eigentlich eine der kleineren britischen Gewerkschaften, zur erfolgreichsten des Landes. Während andere Gewerkschaften schrumpften, wuchs die RMT von 60000 auf 80000 Mitglieder an. »Obwohl er ein Marxist war«, so schreiben viele Kommentatoren in ihren Nachrufen, »war Bob Crow ein sehr erfolgreicher Gewerkschaftsführer.« Man kann viel schreiben und trotzdem nichts verstehen. Crow war als Gewerkschafter erfolgreich, gerade weil er ein überzeugter Sozialist und Marxist war. Es scheitern jene Funktionäre, die von einer friedlichen Koexistenz der Gewerkschaften mit dem neoliberalen Kapitalismus träumen.

2002 trat Crow die Nachfolge des zuvor verstorbenen James Knapp als RMT-Generalsekretär an. Knapp war ein sogenannter »neuer Realist«, also einer jener Gewerkschaftsführer, die in den 1980er Jahren jeglichen Widerstand gegen die Angriffe der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher aufgaben. Crow dagegen war Teil einer neuen Generation, die sich dem Kampf gegen diesen Konsens der Hoffnungslosigkeit verschrieben hatte. Neben ihm sind hier Mark Servotka von der Gewerkschaft der Staatsangestellten PCS und Matt Wrack von der Feuerwehrgewerkschaft FBU zu nennen.

Crow sah die RMT als eine Industriegewerkschaft, die für die Interessen aller arbeitenden Menschen im Transportwesen zu kämpfen hatte. Deshalb organisiert die RMT mittlerweile auch die Beschäftigten von Reinigungsfirmen, die auf Bahnhöfen und in Zügen eingesetzt werden. Viele von ihnen sind Frauen, oft ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Gerade für diese Menschen, die von vielen anderen Gewerkschaften als nicht organisierbar abgeschrieben werden, konnte die RMT in den vergangenen Jahren deutliche Gehaltserhöhungen erstreiken. Diese Linie führte auch zu Konflikten. Als die Gewerkschaft anfing, Tiefseetaucher zu organisieren, die sonst niemand aufnehmen wollte, versuchten manche Generalsekretäre die RMT aus dem britischen Gewerkschaftsbund TUC auszuschließen.

Politisch steht die RMT heute für die Forderung nach der Verstaatlichung aller privatisierten Industrien. Dazu gehören natürlich auch die Eisenbahnen. Diese Forderung sowie die Ablehnung der Kriege in Afghanistan und Irak – Crow war regelmäßiger Redner auf Antikriegsdemonstrationen – brachten die RMT in Kollision mit New Labour unter Anthony Blair. Die Vorgängergewerkschaften der RMT gehörten zu den Mitbegründern der Labour Partei. Für Crow jedoch war New Labour schon längst keine Partei von und für arbeitende Menschen mehr. Eine solche hielt er als Marxist aber für erfolgreichen Widerstand für absolut notwendig. Die miteinander verwobenen Aufgaben des Neuaufbaus einer militanten Gewerkschaftsbewegung und einer Partei der Arbeiterklasse wurden im Laufe des vergangenen Jahrzehnts zu bestimmenden Pfeilern seines politischen Denkens.

Als New Labour die RMT aus der Partei drängte, begann die Gewerkschaft eigene Initiativen. Dazu gehört die Gründung der Trade Unionist and Socialist Coalition, einem linken Wahlbündnis, das bei den kommenden Kommunalwahlen im Mai mit über 200 Kandidaten antreten will. Crow und die RMT sind Initiatoren des National Shop Stewards Network. Dieses Basisnetzwerk von Mitgliedern unterschiedlichster Gewerkschaften ist bis heute eine der wenigen Stimmen, die die Forderung eines Generalstreiks gegen die Kürzungspolitik der gegenwärtigen britischen Regierung aufrechterhält. Die bürgerlichen Kommentatoren hoffen nun auf eine politische Schwächung der RMT. Sie vergessen, daß Crow selbst einst als einfacher Eisenbahnarbeiter anfing. Die Erben Robert Crows sind längst aktiv.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2014/03-13/034.php