24. Juli 2011

Kampf um die Republik

18. Juli 1936: In Spanien beginnt der Aufstand reaktionärer Militärs unter der Führung Francisco Francos. Teil I: Die Vorgeschichte

Peter Rau

Vor 75 Jahren brach die spanische Reaktion einen Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung vom Zaun, der binnen weniger Tage das ganze Land zum Schauplatz eines blutigen Krieges werden ließ. Wenn diese mehr als zweieinhalb Jahre währenden Kämpfe bis in die Gegenwart hinein von der bürgerlichen Geschichtsschreibung als spanischer »Bürgerkrieg« abgetan werden, so ist das nicht einmal die Hälfte der Wahrheit. Wahr ist, daß dieser Krieg zunächst zwar als Bürgerkrieg begonnen hatte, doch schon nach wenigen Tagen jene internationalen Dimensionen erreichte, daß von einem reinen Bürgerkrieg – im Sinne einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Volksgruppen bzw. Schichten der Bevölkerung – schlechterdings nicht mehr die Rede sein kann. Diese Auseinandersetzungen haben ihre Vorgeschichte. Sie reicht etliche Jahre, gar Jahrzehnte zurück.

1873/1874: Von der Ersten …

Die seit Jahrhunderten in Spanien im Einklang mit der katholischen Kirche regierende Monarchie hatte schon lange vor 1936 ausgedient. Das läßt sich an der kurzen Geschichte der Ersten Republik festmachen. In der Revolution von 1868 – ausgelöst von einem Militärputsch, der von weiten Teilen der Stadtbevölkerung unterstützt wurde und getragen war von einer Koalition aus Generälen, Progressisten und Republikanern – wurde Königin Isabella II. in die Flucht geschlagen; sie emigrierte nach Frankreich. Doch in der Cortes, dem spanischen Parlament, wurde mit der Mehrheit von Monarchisten und Liberalen der verwaiste Thron an ihrer Stelle einem ausländischen Herrscher angeboten: Amadeo von Savoyen, dem König von Aosta, einem Sohn des italienischen Regenten Viktor Emanuel II. Unter seiner Herrschaft wuchsen die sozialen Konflikte weiter an; Arbeiterassoziationen erhoben ihre Forderungen, und im Süden Spaniens wurden massenhaft Latifundien besetzt. König Amadeo verzichtete daraufhin im Februar 1873 auf den Thron (Friedrich Engels nannte ihn den »ersten streikenden König«), und am 11. Februar rief die Cortes die Erste Republik aus.

Nach Wahlen, bei denen die Republikaner 90 Prozent aller Mandate gewannen, wurde deren Repräsentant Francisco Pi y Margall Regierungs­chef; eine Kommission zur Ausarbeitung einer Verfassung für die Föderative Republik, die aus 15 Republiken bestehen sollte, nahm die Arbeit auf. Doch Pi y Margall – laut Engels »unter den offiziellen Republikanern der einzige Sozialist, der einzige, der die Notwendigkeit einsah, die Republik auf die Arbeiter zu stützen« und so »die soziale Revolution wenigstens in Gang« zu bringen – stieß auf erbitterte Widerstände, nicht nur seitens der Monarchisten, sondern auch vieler Arbeiter, die dem traditionell in Spanien – vor allem in Andalusien und Katalonien – verbreiteten Anarchismus anhingen. Er wurde am 18. Juli 1873 gezwungen, sein Amt niederzulegen. Anfang 1874 wurde die Cortes vom Militär aufgelöst, und unter der provisorischen Diktatur von General Serrano wurde im Dezember die Monarchie wiederhergestellt. Neuer König von Spanien wurde der Sohn von Isabella II., Alfons XII. aus dem Hause der Bourbonen. Nach dessen Tod im Jahr 1885 übernahm seine Frau Maria Christina für den noch minderjährigen Sohn Alfons XIII. das Zepter.

In diese Zeit fiel auch die Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) im Mai 1879. Sie entwickelte sich jedoch – in permanenten Auseinandersetzungen mit anarchistischen Gruppierungen – nur sehr zögerlich. 1913 zählte sie landesweit etwa 12000 Mitglieder. Im selben Jahr verfügte die Partei über gewählte Vertreter in knapp 40 Gemeinde- bzw. Stadträten sowie in zwei Provinzräten, ohne daß diese aber in der Lage gewesen wären, an der nach wie vor äußerst prekären Situation der arbeitenden Menschen Grundlegendes ändern zu können.

Ebensowenig gelang dies den Gewerkschaften, die insbesondere seit 1911 in der CNT, der Confederacion Nacional de Trabajo, ihr – anarchistisch geprägtes – Sprachrohr hatten. Auch der 1888 gegründeten sozialistischen Gewerkschaft UGT, die wie die CNT in den 20er Jahren eine Mitgliederzahl von über einer Million vorweisen konnte, gelang es lange nicht, über ihren reformistischen Schatten zu springen.

… zur Zweiten Republik 1931

Von der einstigen Weltgeltung Spaniens war indes nicht mehr viel geblieben. Fünf Jahrhunderte zuvor noch eines der reichsten Länder der Erde und unangefochtene Kolonialmacht mit Besitzungen vor allem in Mittel- und Südamerika, hatte zuletzt der spanisch-amerikanische Krieg von 1898, in dessen Folge Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA abgetreten werden mußten, die in Spanien Herrschenden in eine nationale Identitätskrise gestürzt. So verblieben dem Königreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts lediglich noch Teile von Marokko, der Westsahara und Äquatorial-Guinea. Neue Kolonialabenteuer sollten da Abhilfe schaffen, doch die Verluste in der Schlacht von Melilla im zweiten Rif-Krieg 1909 untergruben die Stellung der Monarchie immer weiter.

Im Ersten Weltkrieg erklärte sich Spanien für neutral, was infolge von Rohstofflieferungen an die verschiedenen Kriegsparteien für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte, der jedoch an der Masse der Bevölkerung vorbeiging. 1921 endete ein Feldzug gegen die Rif-Kabylen von Abd El-Krim mit dem Tod von 10000 spanischen Soldaten. Neben den Enklaven von Ceuta und Melilla blieb nur noch ein schmaler Küstenstreifen Marokkos in spanischer Hand. Neue innenpolitische Spannungen waren die zwangsläufige Folge; innerhalb von zwei Jahren gaben sich alles in allem 23 Regierungen die Klinke in die Hand, ehe General Miguel Primo de Riviera seine bis 1930 währende Diktatur errichtete. Die von ihm immer wieder versprochenen Wahlen fanden nicht statt; erst sein Nachfolger, General Dámaso Berenguer, setzte für April 1931 Gemeindewahlen auf die Tagesordnung.

Diese endeten mit einem Erfolg der republikanischen Kräfte, die in 41 von 50 Provinzhauptstädten die Mehrheit gewannen – und am 14. April mit der Ausrufung der Zweiten Republik, die von weiten Teilen der Bevölkerung stürmisch begrüßt wurde. König Alfons XIII. setzte sich daraufhin nach Großbritannien ab; zwar, ohne förmlich auf den Thron zu verzichten, was allerdings für den Fortgang der Geschichte kaum noch von Belang war. Der Großgrundbesitzer Niceto Alcala Zamora wurde Staatspräsident, und an der Spitze einer Koalitionsregierung aus linksrepublikanischen Parteien und der seit 1925 von Largo Caballero geführten sozialistischen PSOE wurde der Schriftsteller Manuel Azana von der Republikanischen Aktion (Accion Republicana) Ministerpräsident. Noch 1931 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Sie führte die Zivilehe ein, gewährte erstmals Frauen das Wahlrecht und Katalonien sowie Galicien und dem Baskenland für 1932 bzw. 1936 Autonomierechte.

Nur zögerliche Reformen

Weitere wichtige Reformprojekte wurden zwar proklamiert, jedoch – wenn überhaupt – nur zögerlich in Angriff genommen. Zu nennen wäre da als wichtigste die längst überfällige Bodenreform. Lediglich 0,2 Prozent der Bevölkerung – in aller Regel aus alten Adelsgeschlechtern – verfügten über mehr als zwei Drittel der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche des Landes. Die Zahl der Großgrundbesitzer und reichen Bauern lag bei etwa 200000, die der armen oder kleinen Bauern dagegen bei drei Millionen. Hinzu kamen noch einmal zwei Millionen Landarbeiter ohne jeden Grund- und Bodenbesitz. Zwar wurden hier einige Reformen in Angriff genommen; so wurde der normale Tageslohn der Landarbeiter von zwei bis drei Peseten auf fünf, während der Ernte auf elf Peseten angehoben. Darüber hinaus konnten Landarbeiter brachliegende Äcker bewirtschaften, doch nur auf Kosten indirekt erhobener Pachtgebühren. Insgesamt kamen 43000 landlose Bauern in den Genuß solcher Verträge. Das von der Regierung 1932 verkündete Agrargesetz blieb dennoch völlig unzureichend, zumal die Grundbesitzer seine Durchsetzung systematisch sabotierten. Bis Dezember 1934 waren erst 12260 Bauern auf bis dahin enteigneten 529 Latifundien mit einer Gesamtfläche von 116857 Hektar angesiedelt. Insbesondere in den Provinzen Estremadura und Andalusien kam es deshalb zu weiteren umfangreichen Besetzungen brachliegender Ländereien. 311 Fälle solcher Konfiskationen wurden allein zwischen Januar und März 1933 registriert.

Für die Arbeiterbewegung änderte sich, trotz zugestandener sozialer Rechte, indes nicht viel. Noch 1932 wurden 650000 Arbeitslose registriert, da die Großkapitalisten viele Fabriken schlossen und ihre Gelder lieber ins Ausland transferierten. Das führte zu zahlreichen Konflikten und einer wachsenden Streikbewegung, deren Aktionen nicht selten ein blutiges Ende nahmen. Bei diesen Unterdrückungsmaßnahmen fand sich die republikanisch-sozialistische Regierung oft in faktischer Eintracht mit den alten Eliten, insbesondere mit der katholischen Kirche. Die verfügte, dank eines enormen Immobilienbesitzes sowie den Beteiligungen beispielsweise an Betrieben, Bergwerken, Banken und großen Warenhäusern, über ein Drittel des gesamten Staatsvermögens. Für die Kirche »arbeiteten mehr Menschen, als der Staat an Beamten beschäftigte, einschließlich der Polizisten und des Verwaltungspersonals«, charakterisierte der tschechische Spanienkämpfer Arthur G. London die damalige Situation.

Jeder dritte Spanier über zehn Jahre konnte weder lesen noch schreiben, auf dem Lande waren sogar bis zu 75 Prozent der Menschen Analphabeten. Die Verfassung von 1931 garantierte zwar die Religionsfreiheit und schaffte die Rechte und Privilegien der Kirche als offizielle Religionsgemeinschaft ab, doch das Lehrverbot für religiöse Orden brachte große Probleme mit sich, da die geistlichen Bildungsträger nicht so einfach zu ersetzen waren. Um alle schulpflichtigen Kinder staatlicherseits betreuen zu können, wären 27000 neue Schulen nötig gewesen. Immerhin gelang es bis Ende 1932, 10000 weltliche Grundschulen einzurichten.

Doch die von der Republik verfügte Trennung von Staat und Kirche stieß auf den erbitterten Widerstand des Klerus, der zu keinem Kompromiß bereit war. Für die politische Begleitmusik dieser Gegnerschaft sorgte die »Katholische Aktion« des Cortes-Abgeordneten José Maria Gil Robles, der zudem die CEDA, die »Confederación Espanola de Derechos Autónomos« als Sammelbecken aller Kräfte der Regierungsgegner aus der Taufe hob. Im Oktober 1933 verkündete er seine Absichten auf einer Versammlung in Madrid: »Wir müssen auf einen neuen Staat hinarbeiten. Auch um den Preis des Blutvergießens! Ist der Augenblick erst gekommen und das Parlament lehnt ab, sich zu fügen, dann regeln wir die Angelegenheit selber.«

Ein weiteres Problem stellte das von einem extremen Kastengeist geprägte Militär dar. 1898, nach ihrer Niederlage auf Kuba, verfügte die Armee über 499 Generäle, 578 Obristen und 23000 weitere Offiziere – und das bei einer Gesamtstärke von gerade einmal 80000 Mann. Noch 1931 entfielen 21000 Offiziere auf 130000 Mann; auf 150 Soldaten kam ein General. Die einst dem König treu ergebene und im Volk darum verhaßte Guardia Civil zählte 30000 bis 40000 Angehörige. Wenn auch mit der Militärreform von Azana die Zahl der aktiven Offiziere auf 7000 reduziert wurde, so blieben jedoch die Privilegien der ausgeschiedenen Kommandeure unangetastet. Sie wurden in die Reserve versetzt oder bei vollem Sold pensioniert.

Am 10. August 1932 löste General Jose Sanjurjo, bisher Chef der Guardia Civil und nun Kommandeur der Carabineros, der Zoll- und Küstenwache Spaniens, mit Hilfe weiterer monarchistischer Offiziere einen Staatsstreich aus. Der Versuch der Putschisten, das Kriegs- und das Postministerium in Madrid zu besetzen, scheiterte jedoch kläglich; in Sevilla, wo Sanjurjo selbst, unterstützt von den Offizieren der dortigen Garnison, die Revolte leitete, machten in seltener Eintracht republikanische, sozialistische, anarchistische und kommunistische Arbeiter dem Spuk ein rasches Ende. Sanjurjo wurde verhaftet und zum Tode verurteilt, später allerdings von Präsident Alcalá Zamora zu lebenslanger Haft begnadigt und von der nachfolgenden Regierung sogar wieder freigelassen und ins portugiesische Exil ausgewiesen.

Wahlerfolg der Reaktion

Diese Regierung war aus den Neuwahlen zur Cortes vom November 1933 hervorgegangen. Die Wahlen waren erforderlich geworden, nachdem der Präsident Regierungschef Azana entlassen und die verfassunggebende Cortes aufgelöst hatte. Nach den kaum meßbaren Ergebnissen der bisher eingeleiteten Reformen hatten sich viele linke und republikanische Wähler enttäuscht zurückgezogen; die Anarchisten predigten einmal mehr politische Abstinenz, und so wurde dem weitgehend geeint auftretenden Rechtsblock das Feld überlassen. Dazu zählten neben den Anhängern der Monarchie vor allem die spanische Falange, die Junta de Ofensiva Nacional-Sindicalista (JONS), die José Antonio Primo de Riviera, der Sohn des früheren Diktators, nach dem Vorbild der italienischen Faschisten gegründet hatte. Hinzu kamen die bereits erwähnte klerikal-faschistische CEDA des José Maria Gil Robles, der als Anwalt der Großgrundbesitzer Kastiliens wie der Jesuiten agierte, und die um Alejandro Lerroux gruppierten Radikalen, die vordem noch zur republikanischen Regierungskoalition gehört hatten. Bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent stimmten fünf Millionen für den Rechtsblock um die CEDA und 800000 für die Monarchisten, während die linken und republikanischen Parteien auf 3,2 Millionen kamen. Von den 439 Mandaten in der Cortes entfielen so auf die Reaktion 234 Sitze, die Vertreter der Linken erhielten 121 und die Republikaner 84 Sitze.

Der neue Ministerpräsident Lerroux annullierte zahlreiche Gesetze der Vorgängerregierung, so zum Verhältnis von Staat und Kirche, zum Bildungswesen oder zur Verpachtung brachliegender Ländereien. In der Industrie wurden die Löhne der Arbeiter von zehn bis zwölf auf vier bis fünf Peseten gesenkt, in der Landwirtschaft sogar auf bis zu 1,50 für einen Arbeitstag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Der Etat für das öffentliche Bauwesen wurde drastisch reduziert und das Gesetz gegen den Personalabbau in den Betrieben gleich ganz aufgehoben. Infolgedessen stieg die Zahl der Arbeitslosen binnen zweier Jahre um 200000 auf 780000 (1935) an. In der Industrie häuften sich die Streikaktionen, wogegen die Regierung wiederholt gewaltsam vorgehen ließ. Zu einem weiteren Generalstreik, der bald das ganze Land erfaßte, kam es Anfang Oktober, als drei Mitglieder der CEDA in die Regierung aufgenommen wurden. Lluis Companys, der Präsident der Generalitat de Catalunya, erklärte daraufhin, daß sich Katalonien von Spanien und dessen »betrügerischen Institutionen« trennen werde. Deshalb wurde das Autonomiestatut für Katalonien aus dem Jahr 1932 wieder aufgehoben.

Aufstand in Asturien

In Asturien lösten Bergarbeiter, gestützt auf Arbeiterallianzen, in denen Sozialisten, sowie Mitglieder der 1920 gegründeten, bis dahin weitgehend unbedeutenden Kommunistischen Partei (PCE), Anarchisten und Gewerkschafter verschiedener Organisationen zusammenwirkten, in der Nacht zum 5. Oktober 1934 einen Aufstand aus. Ein Revolutionskomitee proklamierte die Arbeiter-und-Bauern-Macht und die Schaffung von Arbeitermilizen. Ein zweites Dekret verfügte die Aufteilung des Großgrundbesitzes unter den landlosen Bauern. Nachdem sich Truppenteile der Armee mit den Aufständischen verbündet hatten, setzte die Regierung zu deren Niederschlagung die spanische Fremdenlegion und die für ihre Grausamkeit berüchtigten maurischen »Regulares« ein. Unter dem Kommando eines gewissen Francisco Franco, der 1922 Kommandeur der Fremdenlegion und bereits vier Jahre später, im Alter von 34 Jahren, zum General ernannt worden war, gingen sie höchst brutal gegen die Anhänger der asturischen Kommune vor, deren Widerstand nach zwei Wochen endgültig gebrochen war. Bei den Kämpfen gab es rund 3000 Tote und 7000 Verwundete. Rund 40000 Menschen wurden verhaftet, zum großen Teil gefoltert und mißhandelt; nicht wenige von ihnen wurden von Kriegsgerichten zum Tode verurteilt. Zu den Verhafteten gehörten auch Manuel Azana und Largo Caballero, die allerdings wieder freigelassen werden mußten, während Lluis Companys wegen seiner aktiven Teilnahme für 30 Jahre ins Gefängnis sollte.

Trotz des gescheiterten Volksaufstandes konnte verhindert werden, daß sich eine faschistische Diktatur offen etablieren konnte; er war zudem der Ausgangspunkt für eine neue Sammlungsbewegung der linken Kräfte. Nach ersten Massenaktionen gegen weitere geplante Hinrichtungen und einer großen Kampagne für eine Amnestie bildete sich im März 1935 ein Nationales Hilfskomitee für die Inhaftierten, dem PCE und PSOE ebenso angehörten wie die Radikalsozialisten und einzelne Gewerkschaften sowie die kommunistische, die sozialistische und die republikanische Jugend. Neben der geforderten Amnestie verlangte dieser antifaschistische Volksblock vor allem die entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes zugunsten von Kleinbauern und Landarbeitern, eine allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter sowie Autonomie für Katalonien, Galicien und die baskischen Provinzen. Davon konnten schließlich auch die Linkssozialisten und die Republikaner überzeugt werden, die sich bislang einem Bündnis mit den Kommunisten noch verweigert hatten.

Unterdessen wurden im Herbst 1935 einige Finanz- und Korruptionsskandale publik, in die auch Regierungsmitglieder bis hin zu Ministerpräsident Lerroux von der Partido Radical verwickelt waren. CEDA-Chef Gil Robles, der seit April 1935 als Kriegsminister amtierte und in dieser Eigenschaft Franco zum Chef des Generalstabes ernannt hatte, spekulierte jedoch vergeblich auf die Übernahme der Regierungsgeschäfte. Eine Regierungskrise löste die nächste ab, und die Koalition brach schließlich auseinander. Präsident Zamora löste kurzerhand die Cortes auf und setzte einmal mehr für Februar 1936 vorgezogene Neuwahlen an.

Der Sieg der Volksfront

Die linken und republikanischen Kräfte hatten die Lehren aus ihrer Wahlniederlage 1933 gezogen und im Januar 1936 ein Volksfrontabkommen unterzeichnet. Sie traten für die Amnestie der nach wie vor 30000 Gefangenen ein; die nach dem Oktoberaufstand entlassenen Arbeiter und Beamten sollten wieder eingestellt und die Opfer der Verfolgung entschädigt werden. Die Verfassung der Republik sollte ebenso wie die katalanische Autonomie wieder in Kraft gesetzt werden. Neben der Sozialistischen und der Kommunistischen Partei und deren Jugendverbänden sowie der Gewerkschaft UGT gehörten der Frente Popular die Linksrepublikaner, die Republikanische Union, die Republikanische Linke Kataloniens, die erst im Vorjahr in Katalonien gegründete Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit (POUM) und – als eine Abspaltung von der anarchistischen Gewerkschaft CNT – die zahlenmäßig kleine Syndikalistische Partei an.

Da diesmal auch ein Großteil der von den Anarchisten beeinflußten Arbeiter und Bauern zur Wahl ging, konnten die Volksfrontparteien am 16. Februar 1936 einen historischen Sieg erringen und die in der Frente Nacional zusammengeschlossene Rechte in die Schranken weisen. Von den 441 Sitzen in der Cortes entfielen 277 auf die Volksfront, während die »Nationale Front« auf 132 Mandate kam; 32 Sitze gingen an Parteien des sogenannten Zentrums. Stärkste Fraktion wurde die PSOE mit 90 Abgeordneten, gefolgt von der CEDA mit 86, die im Wahlkampf unter anderem »Alle Macht dem Führer« plakatiert hatte, während der Vatikan in Rom noch von einer Entscheidung »zwischen Jesus und Lenin« schwadronierte. Azanas Republikanische Linke erhielt 84 Sitze, die Republikanische Union 37 und die katalanische Linke von Lluis Companys 38. Die damals 20000 Mitglieder zählende KP zog mit 17 Abgeordneten in die neue Cortes ein, derweil die Monarchisten der »Renovación Espanola« nur noch mit elf Parlamentariern und die »Radikalen« von Expremier Lerroux lediglich mit sechs Mandatsträgern vertreten waren. Je ein Sitz entfiel auf die POUM und die Syndikalisten.

Trotz ihrer Niederlage gaben sich die Parteien der Reaktion nicht ohne weiteres geschlagen. Die abgewählte Regierung weigerte sich zunächst, das Feld zu räumen und den Wahlausgang zu akzeptieren. Sie rief erneut – wie schon im Oktober 1934 – den Ausnahmezustand aus. Doch das unduldsame Volk machte kurzen Prozeß. In vielen Städten wurden die Haftanstalten gestürmt und noch vor dem entsprechenden Regierungsdekret die politischen Gefangenen befreit. Auch auf dem Land wartete man nicht erst auf Verordnungen zur Agrarfrage und nahm deren Lösung oftmals selbst in die Hand.

Vereinbarungsgemäß hatten die republikanischen Parteien ohne Sozialisten und Kommunisten die neue Regierung gebildet. Zum Ministerpräsidenten berief der noch amtierende Staatschef Zamora den Linksrepublikaner Manuel Azana. Als Zamora von der Cortes im Mai 1936 abgesetzt wurde, trat Azana an dessen Stelle; seinen Posten an der Spitze der Regierung übernahm der Linksrepublikaner Casares Quiroga.

Verschwörung der Generäle

Doch weder die Rechtsparteien noch das Militär und die Oligarchie blieben untätig. Sie taten alles, um die Lage im Land zu destabilisieren. Ein Wirtschaftsboykott der Republik setzte ein; erneut wurden reihenweise Fabriken geschlossen, und viele Vermögende setzten sich ins Ausland ab. Grundbesitzer schikanierten und terrorisierten die Dorfbevölkerung, oft mit Hilfe gedungener Söldner oder auch der meist von ihren alten Offizieren geführten Guardia Civil. Politische Attentate waren an der Tagesordnung; Journalisten, Parteifunktionäre, Richter und republiktreue Polizisten wurden erschossen. Unter der Führung von General a.D. Sanjurjo, der von seinem Exil in Portugal aus die Fäden zog, wurde mit der »Unión Militar Espanola«, einem Kreis ranghoher Offiziere, die über beste Kontakte bis ins Kriegsministerium hinein verfügten, bereits für den 20. April ein Putsch vorbereitet.

Diese Pläne wurden indes vorzeitig bekannt; die Rädelsführer wurden jedoch weder entlassen noch bestraft, sondern lediglich auf vermeintlich unbedeutende Posten abgeschoben. So wurde Franco, zwischenzeitlich gar Oberbefehlshaber der Armee, als Militärgouverneur auf die Kanarischen Inseln versetzt; General Manuel Goded wurde von Nordspanien auf die Balearen und General Emilio Mola von Spanisch-Marokko in Afrika nach Navarra beordert. Daß mit diesem Mola auch das Koordinierungszentrum der Verschwörer nach Nordspanien kam, blieb der Regierung in Madrid dabei verborgen. Als er über die militärischen Vorbereitungen der »Requetes«, eines monarchistischen Freiwilligenverbandes, in Navarra unterrichtet wurde, gab sich der General unwissend und beteuerte seine Unschuld. Noch am 14. Juli stellte sich Ministerpräsident Quiroga hinter den als Chef der Verschwörer geltenden Militär: »Mola ist ein General, der der Republik treu ergeben ist.«

Nicht anders verhielt sich Oberstleutnant Juan de Yagüe, einer der Hauptakteure gegen den Aufstand in Asturien, als er mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, in Marokko eine Erhebung der dortigen Truppen vorzubereiten. Ministerpräsident Quiroga verabschiedete ihn mit den Worten: »Gut, gut, seien Sie ein braver Junge, und sagen Sie nach ihrer Rückkehr dort hinunter ihren Freunden, daß die Republik sehr stark ist, und daß es Unsinn wäre, sich gegen sie zu erheben.« Und Franco selbst schrieb wider besseren Wissens noch am 23. Juni nach Madrid: »Es versündigen sich jene an der Wahrheit, die davon sprechen, daß die Armee die Republik verrate; es täuschen sich jene, die mit dem Gerede über Komplotte ihre eigenen trüben Absichten verbergen …«

Als am 12. Juli 1936 Leutnant José Castillo von der Guardia de Asalto, ein bekennender Sozialist und Antifaschist, auf offener Straße in Madrid ermordet wurde, spitzte sich die nach Hunderten vergleichbaren Fällen ohnehin schon äußerst angespannte bürgerkriegsähnliche Lage weiter zu. So wurde am Tag darauf mit Calvo Sotelo, dem Sprecher der Monarchisten in der Nationalversammlung, der in der Cortes bereits öffentlich mit einem Pronunciamiento, einem Aufstand der Armee, gedroht hatte, einer der bekanntesten Führer der Reaktion Opfer einer Vergeltungsaktion von Freunden Castillos. Es war gewissermaßen der letzte Vorwand, den das Militär noch brauchte, um endlich losschlagen zu können. Am 17. Juli war es, beginnend in Spanisch-Marokko, soweit, und am 18. Juli erfaßte die Generalsverschwörung auch viele der Garnisonen in Spanien. Als über Radio Ceuta das Signal zum Aufstand gegeben wurde, konnte allerdings niemand ahnen, daß anstelle des wolkenlosen Himmels über ganz Spanien, wie es darin hieß, bald auf Jahre hinaus dunkle Gewitterwolken das Geschehen bestimmen würden.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2011/07-18/022.php

Gegen Verschwörer und Interventen

18. Juli 1936: In Spanien startet der Aufstand reaktionärer Militärs. Teil II (und Schluß): Der Beginn der Meuterei und der Widerstand der Republik

Peter Rau

Über ganz Spanien wolkenloser Himmel« – diese harmlos klingende, von Radio Ceuta verbreitete Nachricht setzte am 17. Juli 1936, beginnend in Spanisch-Marokko, die Militärmaschinerie der Meuterer in Gang. In Melilla wurde der Chef der dortigen Garnison abgesetzt. In Tetuan wurden strategisch wichtige Punkte eingenommen und der Widerstand der dort stationierten Fliegereinheiten im Artilleriefeuer erstickt. In Ceuta brauchte der seit der Niederschlagung des Oktoberaufstandes 1934 in Asturien berüchtigte Oberstleutnant Juan de Yagüe nur wenige Stunden, um die Stadt in seine Gewalt zu bringen. General Agustín Gómez Morato, der der Republik treu gebliebene Befehlshaber der Truppen vor Ort, wurde in Melilla verhaftet. General Francisco Franco, der Militärgouverneur auf den Kanarischen Inseln, begab sich am 19. Juli an Bord einer englischen Dragon-Rapide-Maschine – nach anderen Quellen soll es sich um ein »zufällig« bereitstehendes Flugzeug der deutschen Lufthansa gehandelt haben – von Las Palmas aus nach Tetuan. In seinem Auftrag wurde eine Proklamation veröffentlicht, derzufolge die Armee beschlossen habe, »die Ordnung in Spanien wiederherzustellen«. Er drohte: »Die Repressalien, die wir üben werden, werden genau dem Widerstand entsprechen, der uns entgegengesetzt werden sollte.«

Verhaftungen und Mord

Daß dies keine leeren Drohungen waren, hatte sich schon am Tag zuvor angedeutet, als sich etliche Garnisonen in Spanien selbst den Verschwörern angeschlossen hatten. Während die republikanische Regierung in Madrid in einem Kommunique zwar zugeben mußte, daß sich ein Teil der Armee in Marokko erhoben habe, aber »die Bewegung auf einige Bezirke des Protektorats beschränkt« bliebe und »sich auf der Halbinsel niemand, absolut niemand einem so sinnlosen Unternehmen angeschlossen« habe, sahen die Tatsachen vielfach anders aus. In Navarra, Burgos und Pamplona im Norden Spaniens siegten die von General Emilio Mola angeführten Aufständischen, nicht zuletzt gestützt auf die Freiwilligenverbände der monarchistischen »Requétes«. In Zaragoza im Aragon, einer Hochburg der Arbeiterbewegung, konnte der als Republikaner geltende Befehlshaber der Garnison, General Miguel Cabanellas, die mit einem Generalstreik drohenden Gewerkschaftsführer der CNT mit der Lüge beschwichtigen, daß die faschistischen Anschläge unterbunden würden. Tatsächlich ließ er an wichtigen Punkten der Stadt am Ebro Kanonen und Maschinengewehre in Stellung bringen. Als die Polizei unter deren Schutz begann, massenhaft Verhaftungen vorzunehmen, war bereits alles zu spät; der endlich doch ausgerufene Generalstreik wurde nach rund einer Woche blutig niedergeschlagen.

Im Süden, in Cádiz, Córdoba, Granada und Sevilla, erhoben sich ebenfalls die Garnisonen, hier aber oft gegen den erbitterten Widerstand von streikenden Gewerkschaftern und zum Teil auch von Angehörigen der Guardia Civil bzw. der Guardia de Asalto. Allein in Sevilla, wo General Queipo de Llano das Kommando hatte, sollen dabei rund 9000 Arbeiter regelrecht abgeschlachtet worden sein. Auch mit regierungstreuen Militärs machten die Putschisten kurzen Prozeß. Insgesamt sieben hochrangige Generäle, die ihren auf die Republik geleisteten Eid nicht brechen wollten, wurden von den Meuterern ermordet.

Dennoch verlief aus der Sicht der Faschisten längst nicht alles wunschgemäß; den Plänen zufolge sollte innerhalb von zwölf Tagen ganz Spanien in ihrer Hand sein. Der überwiegende Teil der Luftwaffe stellte sich ebenso auf die Seite der rechtmäßigen Regierung wie die große Mehrheit der Angehörigen der Marine. Die Mannschaften der Kriegsschiffe setzten jene Offiziere fest, die mit der Generalsrevolte sympathisierten. Aus der Nachrichtenzentrale der Marine hatten die Matrosen auf dem Kreuzer »Jaime I.« erfahren, daß ihr Schiff nach Ceuta beordert werden sollte, um Truppenverstärkungen von Marokko nach Spanien zu bringen. Sie übernahmen selbst das Kommando, zuvor hatten sie ihre Offiziere entwaffnet und überwältigt. Nachdem das Torpedoboot »Churruca« bereits eine Einheit der maurischen »Regulares«, der für ihre Grausamkeit berüchtigten marokkanischen Söldner, nach Cádiz übergesetzt hatte, meuterte am 20. Juli auch dessen Besatzung und entledigte sich ihrer Offiziere. Matrosen anderer Schiffe folgten diesem Beispiel. Damit war ein wesentliches Vorhaben der Verschwörer, den Truppentransport von Marokko nach Spanien betreffend, über den Haufen geworfen. Der Geschäftsträger Hitlerdeutschlands in Spanien, Botschaftsrat Hans-Hermann Völckers, kabelte nach Berlin, daß der »Abfall der Marine« »den ersten Strich durch die Rechnung Francos gemacht« habe. »Dies war ein verhängnisvoller organisatorischer Mißerfolg, der den ganzen Plan ins Wanken brachte, die Garnisonen in den großen Städten, die mit Gewehr bei Fuß umsonst auf Order warteten, nutzlos opferte und vor allen Dingen wertvolle Zeit kostete.«

Hinzu kam, daß General José Sanjurjo y Sacanell, das designierte Oberhaupt der Revolte, der schon 1932 erfolglos gegen die Republik geputscht hatte, am 20. Juli mit seinem Flugzeug auf dem Weg aus dem portugiesischen Exil nach Burgos unter mysteriösen Begleitumständen tödlich verunglückte. Diese Umstände, unter denen er ums Leben kam, könnten im Milieu der Geheimdienste ihre Wurzeln gehabt haben; immerhin hatte sich Sanjurjo bei Gesprächen in Berlin, in denen es um gewisse Bergbaukonzessionen für deutsche Konzerne gegangen war, als überaus störrischer Verhandlungspartner erwiesen ...

Nutznießer seines Flugzeugabsturzes war letztlich der einstige Armeechef Franco, dem enge Verbindungen zu der von Admiral Wilhelm Canaris geführten deutschen Abwehr nachgesagt wurden, und der nun anstelle von Sanjurjo faktisch die Leitung des Militärputsches übernahm.

Volksfront organisiert Widerstand

Schließlich nahmen auch in Madrid und Barcelona und vielen anderen Städten die Ereignisse nicht den von den Aufständischen erhofften Verlauf. In der Hauptstadt hatte das Kabinett von Casares Quiroga bereits am 19. Juli seinen Rücktritt erklärt, nachdem man am Vortag noch verkünden ließ, daß »die Niederschlagung der Meuterei nur mehr eine Frage von Stunden« sei. Wider besseres Wissen wurde gar behauptet: »Außer an einigen Punkten, wo die von loyalen Truppen eingekreisten Rebellen dabei sind, sich zu ergeben, steht der Sieg der Regierung überall fest.« Der Republikaner Martinez Barrio, der den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erhalten und sich als erstes um eine Verständigung mit den Putschisten bemüht hatte, wurde von den empörten Volksmassen, die eine sofortige Organisation des Widerstandes verlangten, postwendend zum Abdanken gezwungen. An seiner Statt übernahm José Giral, der Führer der republikanischen Linken, am 20. Juli die Amtsgeschäfte; noch am selben Abend ordnete er die allgemeine Bewaffnung des Volkes an. Über den Rundfunk entband er alle Armeeangehörigen von ihrer Gehorsamspflicht gegenüber den Vorgesetzten. Um hier einmal auf die damals von allen Regierungsgegnern gefürchtete »kommunistische Gefahr« einzugehen, sei erwähnt, daß erst Girals Amtsnachfolger, PSOE-Chef Largo Caballero, am 5. September 1936 in sein Kabinett auch zwei KP-Minister aufnahm.

In der Montana-Kaserne zu Madrid hatten sich indes die von General Joaquin Fanjul geführten Meuterer verschanzt, nachdem sie die Mannschaften in ihre Stuben oder in die Keller eingesperrt hatten. Als sich vor der Kaserne immer mehr Menschen versammelten, ließ Fanjul am 19. Juli abends in die Menge schießen. Die Lage eskalierte, und am nächsten Tag wurde die Garnison gestürmt. Die eingesperrten Soldaten konnten sich befreien und verbrüderten sich mit den nur schlecht bewaffneten Angreifern. Die putschenden Offiziere, unter ihnen auch der General, wurden gefangengenommen. Ähnlich erging es den Verrätern in den anderen drei Kasernen der Hauptstadt.

Wie in Madrid wurde auch in der katalanischen Metropole Barcelona der Generalstreik ausgerufen. Zudem konnte sich die Generalitat, also die Autonomieregierung, hier auf die Guardia de Asalto, die Guardia Civil und viele loyal gebliebene Militärs stützen. Die Sturmgarde verteilte aus ihren Depots Waffen an die Bevölkerung. In den großen Magistralen der Hafenstadt wurden Barrikaden errichtet, und bewaffnete Arbeiter patrouillierten durch die Straßen. Vor dem Ansturm der Massen mußten die Aufständischen, die sich vorübergehend des Fernsprechamtes auf der Plaza de Cataluna bemächtigt hatten, zurückweichen. Vielfach begannen die Soldaten, sich ihren republikfeindlichen Offizieren zu widersetzen. Das Hauptquartier der Verschwörer, die Capitaneria General, wurde erobert; ihr Anführer, General Manuel Goded, mußte sich ergeben.

Malaga im Süden, wegen der Verbindung nach Marokko ein wichtiger Stützpunkt der Konterrevolution, wurde von der Provinzregierung in den Verteidigungszustand versetzt, nachdem am 18. Juli meuternde Einheiten durch die Stadt gezogen waren. Deren Erhebung brach umgehend in sich zusammen. In Valencia setzten die Volksfrontparteien einen Revolutionsausschuß ein; das Kasernenviertel wurde abgeriegelt, bevor sich die dortige Garnison erheben konnte.

In den baskischen Provinzen kamen die Putschisten ebensowenig voran. Die Garnison von Bilbao rührte sich gleich gar nicht, und in San Sebastian hatte zwar die Loyola-Kaserne gemeutert, mußte jedoch nach massiven Angriffen kapitulieren. Die Garnison im kantabrischen Santander ließ sich vom Widerstand der Bevölkerung überraschen und einschließen.

Von Spanisch-Marokko aus, wo nebst der 7000 Mann zählenden Fremdenlegion auch die 50000 »Regulares« infolge des weitgehenden Boykotts der Luftwaffe wie der Marine nach wie vor festsaßen, schickte Franco indes einen arg verfrühten Siegesbericht an seinen Mitverschwörer Queipo de Llano in Sevilla: »Spanien ist gerettet: Die Provinzen Andalusien, Valencia, Valladolid, Burgos und Aragon, die Kanarischen Inseln und die Balearen haben sich uns angeschlossen.« In Wirklichkeit, so mußten selbst bürgerliche Historiker später einräumen, hatte die Generalsclique ihre Ziele weitgehend verfehlt. In mehr als zwei Dritteln des Landes, darunter in fast allen wichtigen Industriegebieten, blieb die Volksfront die dominierende Kraft.

Willkommene Verstärkung

Fast überall in den großen Städten und Industriezentren des Landes hatten Parteien und Gewerkschaften im Verlauf der ersten Kämpfe bewaffnete Milizen gebildet, die unter ihrer Kontrolle standen und agierten. Zum Teil wurden diese Milizeinheiten von Berufssoldaten geführt, die zur Regierung standen, zum anderen Teil aber auch von Arbeiterfunktionären. In Madrid formierte sich noch im Juli das von der Kommunistischen Partei, die inzwischen über 100000 Mitglieder vereinte, aufgestellte »Quinto Regimento«. Dieses »Fünfte Regiment« leitete seinen Namen daraus ab, daß vor dem Putsch in Madrid vier reguläre Regimenter stationiert waren. Noch im Gründungsmonat zählte es 7900 Mann, im August bereits 14800, und im Dezember war es auf 70000 Kämpfer angewachsen. In Barcelona war zu gleicher Zeit als eine weitere namhafte Gruppierung die Miliz der Gewerkschaft UGT »Carlos Marx« entstanden. In Katalonien wie im benachbarten Aragon kämpften die anarchistische »Columna Durruti« und die von der Vereinigten Sozialistischen Partei Kataloniens (PSUC) aufgestellte »Columna del Barrio«. Die PSUC (Partido Socialista Unificado de Cataluna) war gerade erst aus dem Zusammenschluß von Sozialisten und Kommunisten in der autonomen Region hervorgegangen.

Unterstützung erhielt die Volksfront von ersten ausländischen Freiwilligen, die sich insbesondere in Katalonien den diversen Milizen zur Verfügung gestellt hatten. Das waren in erster Linie Hunderte politische Emigranten aus den bereits vom Faschismus beherrschten Ländern Italien und Deutschland sowie weitere Antifaschisten, die zur geplanten Arbeiterolympiade nach Barcelona gekommen waren. Deren Wettkämpfe waren als Gegenstück zu den olympischen Sommerspielen in Berlin gedacht, sie sollte am 22. Juli eröffnet werden. Schon an diesem Tag bildeten zwölf deutsche, vor allem jüdische Antifaschisten die »Grupo Thälmann«, die sich den Arbeitermilizen anschloß. Einen Monat später wurde daraus die »Centuria Thälmann«, die als 13. Hundertschaft der »Columna 19 de Julio« der »Carlos Marx«-Miliz an die Aragon-Front ging. Italienische Antifaschisten schlossen sich u. a. in der Einheit »Giustizia e Libertá« und danach in der nach einem Opfer des Mussolini-Regimes benannten »Centuria Gastone Sozzi« zusammen. Die Überlebenden jener ersten Kämpfe verstärkten im Herbst 1936 die entstehenden Internationalen Brigaden, zu denen sich Tausende Freiwillige aus rund 50 Ländern nach entsprechenden Aufrufen der in der Kommunistischen Internationale vereinten Parteien sowie diverser ausländischer Hilfskomitees nach Spanien auf den Weg gemacht hatten. Sie sollten, worüber zu gegebener Zeit noch zu berichten sein wird, als Antwort auf die noch im Juli einsetzende Unterstützung der Putschisten insbesondere aus dem faschistischen Italien wie aus Hitlerdeutschland ein besonderes Kapitel der internationalen Solidarität schreiben.

Faschistische Intervention

In Rom und Berlin und auch in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, die schon in die Vorbereitung der Generalsrevolte aktiv involviert waren, wurde nun die direkte militärische Einmischung in den bis dahin weitgehend innerspanischen Konflikt beschlossen, um eine drohende Niederlage der Meuterer abzuwenden. Dazu hatten bereits im Vorfeld geheime Verhandlungen stattgefunden. »Italien und Deutschland hatten guten Grund, sich für die Zukunft Spaniens zu interessieren«, schrieb Arthur G. London in seinem 1966 bei Artia Prag veröffentlichten Buch »Prolog für ein neues Spanien«. »Mussolini wollte aus dem Mittelmeer das ›mare nostrum‹ machen. Hitler wünschte eine wirtschaftliche Kolonialisierung der Iberischen Halbinsel, auf deren Eisen, Kupfer und Quecksilber er es abgesehen hatte. Beiden ging es auch um die freie Benutzung spanischer Marinestützpunkte im Mittelmeer und Atlantik.«

Bereits im Frühjahr 1934 hatten sich Antonio Goicoechea, der Parteichef der auf die Restauration der Monarchie orientierten »Renovatión Espanola«, General Emilio Barrera, einer der Mitverschwörer des mißglückten Putsches vom August 1932, sowie zwei Vertreter der Bewegung »Comunión Traditionalista« in Rom mit Benito Mussolini zu streng geheimen Verhandlungen getroffen. In deren Verlauf hatte der italienische Faschistenführer erklärt, daß er, wie aus dem Protokoll hervorgeht, »bereit sei, in jeder erforderlichen Weise den beiden gegen das augenblickliche Regime kämpfenden Parteien zu helfen, um dieses zu stürzen und durch eine Regentschaft ersetzen zu können, die eine völlige Wiederherstellung der Monarchie vorbereiten würde (…). Er schlug die sofortige Lieferung von 20000 Gewehren, 20000 Handgranaten, 200 Maschinengewehren und einer Barsumme von 1500000 Peseten vor«. Dieser Beitrag sollte dabei »nur ein Anfang sein« und »zu gegebener Zeit durch gewichtigere Maßnahmen ergänzt« werden.

Gut zwei Jahre später, am 15. Juli 1936 und damit zwei Tage vor dem eigentlichen Aufstandsbeginn, hatten italienische Fliegeroffiziere ihren Marschbefehl nach Spanisch-Marokko erhalten, um Francos nordafrikanische Truppen nach Spanien zu befördern. Im Verlauf des gesamten Krieges wurden aus Italien Presseberichten zufolge 1930 Geschütze, rund 250000 Gewehre 10135 Maschinenpistolen, 324 Millionen Patronen, 950 Panzer und Schützenpanzerwagen an die Truppen der Aufrührer geliefert; 91 italienische Kampfschiffe, darunter auch U-Boote, verstärkten deren Kriegsflotte, und neben 763 zur Verfügung gestellten Militärflugzeugen griffen 5700 Piloten des Mussolini-Regimes in die Kampfhandlungen ein. Darüber hinaus hatten zwischen 100000 und 150000 Soldaten des Heeres sowie sogenannte Schwarzhemden, Mitglieder der faschistischen Kampfbünde, den Putschisten zur Seite gestanden.

Dagegen nahmen sich die 15000 Mann der »Legion de Viriathe« geradezu bescheiden aus, die Portugals Diktator Antonio Salazar an die Seite Francos beorderte; noch im Juli 1936 hatte er diesem seine Flugplätze und zwei moderne Rüstungsbetriebe zur Verfügung gestellt. Und die Deutschen? Sie hielten es nach außen hin zunächst mit der französischen Volksfrontregierung des Sozialisten Léon Blum, die unter massivem innenpolitischen Druck am 26. Juli 1936 früher vereinbarte Waffenlieferungen an die spanische Republik storniert und die Grenze zum Nachbarland weitgehend abgeriegelt hatte. Hitler schloß sich am 8. August großspurig dem Waffenembargo an und tönte: »Kein Kriegsmaterial nach Spanien!« Doch die Tatsachen sprachen eine andere Sprache.

Nachdem am 22. Juli 1936 in Berlin ein Ersuchen Francos um die Bereitstellung von zehn Transportflugzeugen eingegangen war, sagte Hitler drei Tage später seine Unterstützung zu. Das geschah nach einer Unterredung im kleinsten Kreis während der Bayreuther Festspiele; anwesend waren neben dem »Führer« Kriegsminister Werner von Blomberg, Generaloberst Hermann Göring als Chef der Luftwaffe und Abwehrchef Wilhelm Canaris. Kurz darauf nahmen ein Panzerschiff, Kreuzer und Torpedoboote Kurs auf die Iberische Halbinsel – wie es hieß, zur »Wahrung deutscher Interessen« und zum »Schutz deutscher Staatsangehöriger in Spanien«. Am 27. Juli wurde ein »Sonderstab W«, benannt nach dem General der Flieger Helmut Wilberg, eingerichtet, der umgehend die Verlegung von 20 Transportmaschinen Ju 52 – insgesamt sollten es 88 Flugzeuge dieses Typs werden – in die Wege leitete. Zur wirtschaftlichen Abwicklung dieser »Unternehmen Feuerzauber« genannten Operation wurde in Spanien eine »Compania Hispano- Marroqui de Transportes Limitada« (HISMA Ltd.) gegründet, deren Geschäftsführer mit dem 39jährigen Johannes Bernhardt ein bewährter Reichswehrmann war.

Beginnend mit dem 28. Juli, wurden im Rahmen des »Unternehmens Feuerzauber« bis Ende September bei mehr als 800 Flügen etwa 14000 Fremdenlegionäre bzw. Söldner sowie 500 Tonnen Material von Marokko nach Spanien befördert. Parallel dazu wurden, getarnt als »Reisegesellschaft Union«, die ersten Angehörigen der Luftwaffe sowie Kampfbomber und Fliegerabwehrgeschütze Richtung Spanien verschifft. Am 31. Juli verließ der Frachter »Usaromo« mit 28 modernen Bombenflugzeugen an Bord den Hamburger Hafen und nahm Kurs auf Lissabon. Eine Woche später folgte die »Montesarmiento« mit 40 Flugzeugen sowie 150 Piloten, Mechanikern und Technikern. Am 12. August trafen 20 Maschinen aus Deutschland und die dazugehörigen Besatzungen in Sevilla ein. Unter Decknamen wie »Übung Rügen« folgten weitere Transporte und Truppenverlegungen. Auch wenn sich die daraus entstehende »Legion Condor« erst am 6. November 1936 offiziell mit einem vorläufigen Kontingent von 6500 Mann unter dem Kommando von General Hugo Sperrle in Sevilla einsatzbereit meldete, so darf nicht übersehen werden, daß Minister Blomberg bereits am 28. August Kampfeinsätze deutscher Piloten in Spanien genehmigt und in spanischen Küstengewässern operierenden Kriegsschiffen Schießbefehl erteilt hatte. Noch vor Ende des Monats hatten sich Flieger der Wehrmacht an ersten Bombeneinsätzen gegen die spanische Hauptstadt beteiligt. (Mit ihren im Kriegsverlauf alles in allem über 25000 Mann hatte die »Legion« übrigens nahezu zehnmal soviel Personal im Einsatz wie die deutschen Antifaschisten in den Internationalen Brigaden.)

Farce der »Nichteinmischung«

Während sich noch im Juli in Burgos eine »Junta der nationalen Verteidigung« unter General Cabanellas konstituiert hatte – nach etlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Verschwörerclique konnte Franco sich erst Anfang Oktober zum »Caudillo« (Führer) und Generalissimo küren lassen –, schlug der Ministerpräsident Frankreichs nach Absprache mit der konservativen britischen Regierung Anfang August allen europäischen Ländern eine Politik der »Nichteinmischung« in Spanien vor. Das daraufhin gebildete »Non-Intervention Committee« mit Vertretern aus 27 Staaten Europas einschließlich der Sowjetunion, Deutschlands und Italiens trat am 9. September in London zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die USA gehörten nicht dazu, erklärten sich aber ebenfalls für neutral. Diese »Neutralität« ging so weit, daß Reisende nach Europa in ihre Pässe den Vermerk »Nicht gültig für Spanien« gestempelt bekamen, aber nicht so weit, daß amerikanischen Konzernen Geschäfte mit den Putschisten untersagt worden wären. So konnten diese im Kriegsverlauf u.a. rund zwei Millionen Tonnen Erdöl und 12000 Lkw nach Spanien liefern.

Folge dieser sogenannten Politik der Nichteinmischung waren nicht nur das in den meisten Ländern erlassene Verbot selbst von humanitären Hilfslieferungen für die Bevölkerung der spanischen Republik, sondern vor allem die Einbeziehung der beiden wichtigsten faschistischen Interventionsmächte in die erforderlichen Kontrollmaßnahmen. Das führte etwa dazu, daß deutsche und italienische Kriegsschiffe im Mittelmeer und im Atlantik patrouillieren und eventuelle »Blockadebrecher« – selbstredend nicht ihre eigenen – aufbringen und sogar versenken durften. Angesichts dieser Praxis und der oben beschriebenen fortlaufenden deutsch-italienischen Waffenhilfe für Franco erklärte die UdSSR Mitte Oktober 1936, sich nicht mehr an die Prinzipien der Non-Intervention gebunden zu fühlen. Sie stellte in den folgenden Monaten und Jahren der Volksfrontregierung insgesamt 806 Flugzeuge, 362 Panzer und 120 gepanzerte Fahrzeuge, 1550 Artilleriegeschütze, 15100 MG und 500000 Gewehre sowie rund 2000 Militärspezialisten, Techniker und sonstige Berater zur Verfügung, wobei ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Lieferungen die Iberische Halbinsel – Stichwort Blockade – nicht oder viel zu spät erreichte. Zum Vergleich dazu seien summarisch noch einmal einige Zahlen aus der deutschen und italienischen Schützenhilfe für das franquistische Regime aufgeführt: 1650 Flugzeuge, 1150 Panzer und Panzerspähwagen sowie 2600 Artilleriegeschütze. Hinzu kamen bis Dezember des ersten Kriegsjahres rund 40000 Mann, die sich bis März 1937 bereits auf 80000 verdoppelt hatten; Anfang 1938 zählte die faschistische Interventionsstreitmacht – ohne Marokkaner, Portugiesen und Fremdenlegionäre – sage und schreibe 180000 Mann.

Wenn es also beim rein innerspanischen Bürgerkrieg geblieben wäre und wie das Kräfteverhältnis ohne Interventen – und auch ohne Inter­brigaden – ausgesehen hätte, läßt sich relativ leicht ausrechnen. Geht man davon aus, daß die sich ab Oktober 1936 formierende spanische Volksarmee insgesamt bis zum Kriegsende im März 1939 etwa 1,2 Millionen Angehörige erfaßt hatte, während die Putschisten nicht einmal die Hälfte davon aufbieten konnten, so fällt die Antwort klar und eindeutig aus.

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