2. Februar 2013

Leben, Denken, Kampf

Álvaro Cunhal

Portugal: Erinnerung an Álvaro Cunhal im 100. Geburtsjahr

Peter Steiniger

Eine Festsitzung unter dem Motto »Leben, Denken und Kampf« in der Medizinischen Fakultät der Universität von Lissabon am 19. Januar bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Portugiesische Kommunistische Partei während des gesamten Jahres 2013 an Álvaro Cunhal erinnert.

Cunhal stand von 1961 bis 1992 als Generalsekretär an der Spitze der 1921 gegründeten Partei, die Jahrzehnte lang in der Illegalität wirken mußte. In seiner Rede unterstrich Parteivorsitzender Jerónimo de Sousa die fortdauernde Wirkung Cunhals als Quelle der Inspiration auch für die aktuellen politischen Kämpfe. Zugleich betonte er, daß mit den Würdigungen kein Personenkult getrieben werden solle, einen »Kult, den Álvaro Cunhal stets bekämpfte«, der für eine »Partei mit gläsernen Wänden« eingetreten sei.

Eine Reihe von Symposien, Lesungen, Theateraufführung und Ausstellungen werden sich mit dem theoretischen Werk des Politikers ebenso beschäftigen wie mit dem Künstler Cunhal, der sich auch als Zeichner, Maler, Bildhauer und Literat einen Namen machte. Noch bis zum 9. Februar ist in der Galerie des Kulturzentrums »José Manuel Figueiredo« in Moita nahe Lissabon die Ausstellung »Álvaro Cunhal: Zeichnungen aus dem Gefängnis und Projekte« zu sehen.

Cunhal, geboren am 10. November 1913 in Coimbra, war einer der wichtigsten Wegbereiter, Strategen und Akteure der Nelkenrevolution von 1974, welche der klerikal-faschistischen Diktatur ein Ende bereitete. Elf Jahre verbrachte er in den Kerkern des Regimes, acht davon in Isolationshaft. Zu seiner Beisetzung am 15. Juni 2005, zwei Tage nach seinem Tod im Alter von 92 Jahren, ordnete die portugiesische Regierung Staatstrauer an. Hunderttausende säumten in Lissabon die Straßen beim letzten Geleit für eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte des Landes.

Den Artikel finden Sie unter: www.jungewelt.de/2013/02-02/066.php