10. Juli 2013

Operation »Husky«

Geglückte Landung: Nach langem Zögern begannen die Westalliierten am 10. Juli 1943 ihren Angriff auf Sizilien (hier britische Truppen)

Vor 70 Jahren landeten anglo-amerikanische Truppen auf Sizilien. Der Niedergang des Mussolini-Regimes wurde beschleunigt und der Bruch des faschistischen Bündnissystems vorbereitet

Martin Seckendorf

Im Januar 1943 trafen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill in Casablanca. Nach kontroverser Diskussion einigten sie sich darauf, im Juli 1943 auf Sizilien mit Truppen zu landen (siehe jW-Thema vom 21.6.2012). Die Landung in Frankreich wurde verschoben und damit der Sowjetunion weiterhin die Hauptlast im Kampf gegen den Faschismus aufgebürdet.

Für die Briten war »Husky« (starker Mann), so die Deckbezeichnung für die Operation, ein wesentliches Element ihrer Mittelmeer- und Balkanstrategie. Sie wollten von Sizilien aus Stützpunkte in Süditalien für weiterführende Operationen über die Adria hinweg gegen den Balkan gewinnen. Damit sollte der britische Einfluß in Jugoslawien und Griechenland geltend gemacht und es sollten Rumänien, Ungarn und Österreich vor der Roten Armee erreicht werden. »Husky« war für Churchill ein Stoß in den »weichen Unterleib der Achse«.

Alliierter Kriegsplan

Um die Zustimmung der Amerikaner für die Landung zu erreichen, argumentierten die Briten, »Husky« werde nicht nur eine lokal begrenzte Operation sein, sondern den Alliierten Vorteile im Mittelmeer- und Balkanraum verschaffen. Das Mittelmeer stünde als sicherer Transportweg zur Verfügung, was einer Einsparung von etwa zwei Millionen Tonnen Schiffsraum gegenüber der langen Route um das Kap der Guten Hoffnung bedeute. Eine Landung auf Sizilien werde das Ausscheiden Italiens aus dem Bündnis mit Nazideutschland bringen. Schließlich sei die Überlegenheit der auf die Versorgungsbasen in Nordafrika gestützten alliierten Streitmacht so groß, daß schnelle militärische Erfolge bei geringen Verlusten zu erwarten wären.

Seit dem 12. Februar 1943 erarbeitete ein interalliierter Generalstab Pläne für die Operation. Am 19. Mai, eine knappe Woche nach der Kapitulation der faschistischen Truppen in Nordafrika (siehe jW-Thema vom 13.5.2013) legte der Oberbefehlshaber der für die Landung vorgesehenen Landstreitkräfte, der britische Marschall Harold Alexander, die operativen Grundlinien fest. Seine 15. Army Group, bestehend aus der amerikanischen 7. Armee unter George S. Patton und der britischen 8. Armee unter dem Sieger von El Alamein, Bernard Montgomery, sollte im Südosten und Süden der Insel landen, leistungsfähige Häfen und Flugfelder besetzen und von da aus die ganze Insel befreien.

Nach dem Ende der faschistischen Streitkräfte in Nordafrika am 13. Mai 1943 hatten die Westalliierten neue operative Möglichkeiten im Mittelmeergebiet errungen. Das wurde auch von der deutschen Führung gesehen.

Konfusion der Wehrmacht

Zunächst machte man sich in Berlin Sorgen um die Stabilität des faschistischen Regimes in Rom und die Bündnisfähigkeit Italiens. Das Debakel in Tunesien könne, so Hitler schon am 18. März 1943, starke Rückwirkungen auf die Lage in Italien haben und zum »Absprung« des Landes aus dem faschistischen Achsenbündnis führen. Außerdem war die nur wenige Wochen zurückliegende weit größere Katastrophe von Stalingrad in Italien in unguter Erinnerung. In der sowjetischen Winteroffensive 1942/43 waren zehn der zwölf gegen die Rote Armee eingesetzten italienischen Divisionen aufgerieben worden. Sie gehörten zu den kampfstärksten Formationen des Landes. Danach wurden in Italien die Stimmen derjenigen immer lauter, die befürchteten, der Krieg an der Seite der Deutschen sei nicht zu gewinnen und führe in die soziale und nationale Katastrophe. Befördert wurde diese Haltung durch die rapide absolute Verelendung breiter Volksschichten und die verstärkten Bombenangriffe der Alliierten.

Die Berichte der deutschen Geheimdienste und Diplomaten besagten, Italien sei nicht mehr in der Lage sowie die Bevölkerung nicht mehr willens, den Krieg fortzusetzen. Ein Sturz des Faschismus »von unten« schien möglich. Der deutsche Botschafter bei der italienischen Regierung, Hans Georg von Mackensen, berichtete am 23. Juli 1943 nach Berlin, das Mussolini-Regime befinde sich »innerpolitisch in der schwersten Krise« seit Errichtung der faschistischen Diktatur in Italien. Sein Militärattaché Enno von Rintelen erinnerte sich: »Tiefe Niedergeschlagenheit ergriff alle Schichten der Bevölkerung.« Besonders bedenklich schien ihm, daß die bisherige Agitation bei den Massen nicht mehr verfing. Er schrieb: »Die Ermüdungs- und Zersetzungserscheinungen ließen sich durch die Propaganda nicht mehr bekämpfen.«

Den deutschen Stellen war auch bekannt, daß der König, die hohe Geistlichkeit und faschistische Funktionäre nach Auswegen suchten. Diese fürchteten den Umsturz von »unten« und bereiteten einen Machtwechsel von »oben« vor. Sie verlangten, mit den Alliierten einen Separatfrieden zu schließen, um die kapitalistische Nachkriegsentwicklung zu sichern. Der SS-Sturmbannführer Eugen Dollmann berichtete am 18. Juli 1943 dem Botschafter von Mackensen, Mussolini sei von maßgebenden Faschisten und Regierungsmitgliedern unter »schwersten Druck« gesetzt worden, mit den Alliierten zu verhandeln, um zu einer »ehrenvollen Kapitulation« zu kommen.

Seit Mai 1943 bearbeitete das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unter dem Stichwort »Achse« Pläne gegen eine alliierte Landung in Italien und für den Fall, daß Italien aus dem Achsenbündnis ausscheidet. In der deutschen Führung gab es große Unsicherheiten darüber, in welcher Richtung die Alliierten ihre neuen operativen Möglichkeiten nutzen werden. Während die Spionageabteilung »Fremde Heere West« im Oberkommando des Heeres Anfang 1943 annahm, daß nach der Vertreibung der faschistischen Truppen aus Afrika die Alliierten eine Großlandung auf Sizilien durchführen werden, gingen das OKW und die Kriegsmarine davon aus, daß der nächste Stoß der Westmächte gegen Sardinien und vor allem gegen Südosteuropa zu erwarten sei. Schon in der am 30. November 1942 ergangenen Vorgabe des Chefs des Wehrmachtsführungsstabes im OKW für eine strategische Beurteilung der Gesamtlage 1943 wird festgestellt, daß nach der Vertreibung der faschistischen Mächte aus Nordafrika »ein angelsächsischer Angriff gegen Südosteuropa über den Dodekanes, Kreta und Peloponnes zu erwarten« sei. Die grundsätzliche Weisung Hitlers für die Kriegführung vom 28. Dezember 1942 (Weisung Nr. 47) ging ebenfalls von einem solchen Angriff aus. Die Lagebeurteilung hatte für die Menschen in den besetzten Balkanländern fatale Folgen. Man nahm an, daß der angelsächsische »Angriff durch Aufstandsbewegungen in den westlichen Balkanländern unterstützt wird«. Den deutschen Dienststellen in dieser Region wurde befohlen, durch exzessiven Terror gegen die Bevölkerung die Region zu »befrieden« und Aufstands- und Widerstandsbewegungen »aller Art« zu vernichten.

In der Lagebesprechung vom 20. Mai 1943 nannte Hitler den Grund für die Fixierung auf Südosteuropa: »Das Halten des Balkan ist für uns wirklich entscheidend: Kupfer, Bauxit, Chrom.« Zusätzliche deutsche Sicherungsmaßnahmen in diesem Gebiet seien erforderlich, vor allem, weil als Folge der innenpolitischen Situation in Italien die Zuverlässigkeit der italienischen Verbände, die den größten Teil der Besatzungstruppen auf dem Balkan stellten, in Zweifel gezogen wurde. Nazideutschland habe sich darauf einzustellen, daß die Invasionsabwehr an den Küsten des Balkans allein durch die Wehrmacht erfolgen müsse.

Eine zweigliedrige Täuschungsaktion – »Mince­meat« und »Animals« (siehe jW-Thema vom 21.6.2013) – der Briten verstärkte die Unsicherheit der Wehrmacht. Den Deutschen wurde suggeriert, die Alliierten werden in Westgriechenland, auf Sardinien, Korsika und in Südfrankreich landen. Scheinziel sei eine Operation gegen Sizilien. Hitler und seine Militärs fielen komplett auf die Finte herein. Drei Tage vor dem Unternehmen auf Sizilien, meldete der für Italien zuständige Oberbefehlshaber Süd, Albert Kesselring, nach Berlin, er habe »festgestellt, daß sich die Anzeichen für eine nahe bevorstehende feindliche Operation im westlichen Mittelmeer zwar verstärkt haben«. Jedoch »sei eine unmittelbar zu erwartende feindliche Offensive gegen Sizilien« nicht wahrscheinlich.

Entscheidung in der Sowjetunion

Für die deutsche Führung war die gewaltige, ungeheuer blutige Auseinandersetzung in der Sowjetunion der Hauptkriegsschauplatz. Sie bestimmte auch die Überlegungen der Naziclique für den Mittelmeer- und Balkanraum.

Im Ergebnis der sowjetischen Offensive nach Stalingrad war bei Kursk ein Frontbogen entstanden, der über 150 Kilometer tief in das noch von den Aggressoren besetzte Gebiet hineinragte (siehe jW-Geschichte vom 28.6.2008). Im »Kursker Bogen« hatte die Rote Armee zwei Fronten (eine sowjetische Front entsprach etwa einer deutschen Heeresgruppe) zusammengezogen.

Hitler und seine Paladine im OKW kamen auf die Idee, durch eine riesige Zangenbewegung die in dem Frontbogen befindlichen Kräfte der Sowjetunion zu vernichten und ihnen – man könnte sagen – ein »Superstalingrad« zu bereiten. Die Operation erhielt den Decknamen »Zitadelle«. Kursk, so die Hoffnung der Nazis, werde die Rote Armee derart schwächen, daß sie für lange Zeit zu offensiven Operationen nicht mehr fähig sein würde. Dann wäre es möglich, im Osten eine stabile, leicht zu verteidigende Front zu errichten und in großem Umfang gepanzerte Kräfte freizubekommen. Damit wollten die Nazis der seit der Niederlage in Tunesien offensichtlichen Gefahr begegnen, daß die Westalliierten an den West- oder Südgrenzen der faschistischen »Festung Europa« eine zweite Front errichteten. Im Operationsbefehl Nr. 6 »Zitadelle« vom 15. April 1943 heißt es, nach Kursk komme es darauf an, »durch raschen Ausbau der neuen Front (im Osten, M. S.) frühzeitig Kräfte, insbesondere schnelle Verbände, für weitere Aufgaben freizubekommen«. Hitler hatte am 15. Mai 1943 festgelegt, zur Beseitigung aller denkbaren Gefahren in Italien sollten nach dem Sieg bei Kursk »acht gute Panzerdivisionen und außerdem vier Infanteriedivisionen« nach Süden verlegt werden. Es dürfe keine zweite Front an der Rändern der »Festung Europa« entstehen. Jede Feindlandung müsse im Ansatz verhindert, die angelandeten Truppen müßten sofort zurück ins Meer geworfen werden.

Am 4. Juli eröffneten die Deutschen die Schlacht bei Kursk, deren Beginn wegen Partisanenangriffen mehrmals verschoben worden war. Die Faschisten konnten nur wenige Kilometer vordringen. Neun Tage später mußte »Zitadelle« abgebrochen werden, die Wehrmacht auf ihre Ausgangslinien zurückkehren. Da die Rote Armee gleichzeitig nördlich und südlich des Kursker Bogens zum Angriff überging, war es den Deutschen nicht möglich, Großverbände abzuziehen und den am 10. Juli auf Sizilien gelandeten anglo-amerikanischen Truppen entgegenzuwerfen. Die Sowjetunion hatte bei Kursk verhindert, daß die Naziführung die vorgesehene strategische Reserve aufbauen konnte, mit der alliierte Großlandungen an jeder Stelle der Außengrenzen des faschistischen Imperiums vereitelt werden sollten.

Die Invasion

Nach dem Abschluß der Kämpfe in Tunesien war die Abwehrfähigkeit auf Sardinien und Sizilien verstärkt worden. Das OKW hoffte, daß eine alliierte Invasion nicht vor dem Sieg bei Kursk erfolgt. Erst dann stünden Großverbände aus dem »Osten« zur Verfügung. Deshalb mußte zu Aushilfen gegriffen werden. Zu den viel zu spät eingeleiteten Maßnahmen gehörten die Befestigung der Küsten, die Bevorratung und die Aufstellung deutscher Verbände. Auf Sizilien wurden ab Juni aus Restteilen der in Nordafrika vernichteten Verbände sowie Pionier- und Festungseinheiten zwei neue deutsche Divisionen formiert, die weder über solide Ausbildung noch über eine für den Großkampf notwendige Bewaffnung, Ausrüstung und Vorräte verfügten. Diese Verbände sollten, so der Auftrag des Oberbefehlshabers Süd, Albert Kesselring, vom 27. Juni, als Rückhalt der italienischen Küstenverteidigung dienen und einen gelandeten Gegner unverzüglich ins Meer zurückwerfen. Voraussetzung sei, so die bemerkenswerte Einschränkung Kesselrings, daß die zahlreichen italienischen Küstendivisionen nicht versagen. Dabei kannte er nicht nur die von ihm zu verantwortenden eklatanten Mängel im Ausbau der Befestigungen, sondern auch den geringen Kampfwert der italienischen Truppen. Von der Bewaffnung, Ausbildung und vom Alter der Mannschaften her entsprachen die italienischen Küstendivisionen deutschen Landesschützen, die nur Bewachungsdienste leisten sollten. Hinzu kamen die allgemeine Kriegsmüdigkeit der Italiener und deren Zweifel an einem Sieg der faschistischen Mächte. Weder deutsche noch italienische Stellen hatten eine Vorstellung davon, welch ein Inferno am 10. Juli vor allem über die Küstendivisionen hereinbrechen sollte.

Ein Vergleich der aufmarschierten Truppen beider Kriegsparteien zeigt die erdrückende Überlegenheit der Alliierten und die Fehleinschätzung der deutschen Militärs. Den etwa elf italienischen und zwei deutschen Divisionen auf der Insel standen 13 exzellent ausgerüstete, für die Landung speziell ausgebildete alliierte Divisionen mit hochmotivierten Soldaten gegenüber. Noch schwerwiegender war die Vormacht der Alliierten bei den Luftstreitkräften und der Kriegsmarine. Vor Sizilien hatten die Anglo-Amerikaner mit fast 3000 maritimen Einheiten die größte Konzentration von Kriegsschiffen – es waren rund 750 – im Zweiten Weltkrieg erreicht. Die Feuerkraft war bei der Landung ein entscheidender Faktor. Die Seestreitkräfte der »Achse« spielten bei der Invasionsabwehr dagegen keine Rolle. Die Überlegenheit der alliierten Luftstreitkräfte war erdrückend. Bei Jägern und Bombern betrug das Verhältnis zehn zu eins zugunsten der Anglo-Amerikaner.

Am 9. Juli gegen 13 Uhr erfaßte die deutsche Luftaufklärung im Seegebiet nördlich von Malta mehrere alliierte Geleitzüge Hunderte Kriegsschiffe und Boote mit Kurs Nord. Nach Einbruch der Dunkelheit setzten die Alliierten Fallschirmjäger und Luftlandeeinheiten ab, die trotz hoher Verluste wichtige Brücken und Straßenkreuzungen besetzten und hielten. Im Schutz des Artilleriefeuers der Kriegsschiffe und der Luftherrschaft über dem Gebiet gingen am Morgen des 10. Juli anglo-amerikanische Truppen in Divisionsstärke im Süden und Südosten Siziliens an Land. Schon mit der ersten Welle waren es 80000 Soldaten. In den nächsten Stunden folgten weitere 100000 Soldaten mit 1800 Geschützen, 600 Panzern und 14000 Fahrzeugen. »Husky«, die in der Kriegsgeschichte bis dahin größte Landungsoperation, war angelaufen.

Die deutsche Führung gab realitätsfern und in bösartiger Absicht den italienischen Soldaten die Schuld an der gelungenen Invasion der Gegner. Es wurde bewußt nicht berücksichtigt, daß die schlecht ausgerüsteten Küstendivisionen schutzlos dem Feuersturm der alliierten Schiffsartillerie und der anglo-amerikanischen Luftstreitkräfte ausgesetzt waren und sie keine Unterstützung durch die faschistische Luftwaffe erhielten. Jeder Widerstand gegen die haushoch überlegenen alliierten Kräfte bedeutete den sicheren und militärisch völlig nutzlosen Tod der Soldaten. Die deutschen Divisionen entzogen sich zunächst der verheerenden Wirkung der Schiffsartillerie dadurch, daß sie sich weit im bergigen Innern der Insel verschanzt hatten. Aber schon ihre ersten Vorstöße gegen die Landungstruppen mußten nach kurzer Zeit unter großen Verlusten abgebrochen werden Die Wehrmacht schickte im Eilmarsch zwei weitere Divisionen nach Sizilien, doch die anglo-amerikanischen Truppen wurden auf fast 470000 Soldaten aufgestockt.

Mussolini gestürzt

Schon am dritten Tag der Invasion kamen die Deutschen zu dem Schluß, daß die Insel nicht zu halten sei. Mit Unterstützung der italienischen Truppen sollte die Wehrmacht nur um Zeitgewinn kämpfen. Die deutsche Führung fürchtete die Auswirkungen einer Niederlage auf das marode Mussolini-Regime. SS-Sturmbannführer Dollmann meldete am 18. Juli, seine italienischen Gesprächspartner hätten ihn »eindrücklichst und mit tiefem Ernst« auf »die katastrophalen Folgen« hingewiesen, »die ein Verlust Siziliens für die innere Lage nach sich ziehen würde«. Durch ein Hinauszögern der schlechten Nachricht wollte man deren Wirkung dosieren und den Italienern vormachen, man kämpfe für die Wiedereroberung der Insel. In Wirklichkeit bereiteten die Deutschen den Rückzug vor. Sie wollten erst in Unteritalien eine stabile Front aufbauen.

Gleichzeitig wurden die Vorbereitungen für einen Staatsstreich in Italien forciert. Mit einer Marionettenregierung sollten die Bündnistreue und die Ausbeutung Italiens notfalls mit Gewalt erzwungen werden. Die Wehrmacht ging dazu über, sich die italienischen Truppen unterzuordnen. Am 18. Juli wurden diejenigen auf Sizilien unter Gewaltandrohung dem deutschen Panzergeneral Hans-Valentin Hube unterstellt.

In Rom überschlugen sich die Ereignisse. Am 25. Juli wurde der Führer der italienischen Faschisten, Benito Mussolini, unter Mitwirkung seiner ehemaligen Paladine entmachtet und verhaftet. Das Regime brach ohne Gegenwehr wie ein Kartenhaus zusammen. Der frühere Generalstabschef Pietro Badoglio bildete eine dem König und der hohen Geistlichkeit ergebene Regierung. Deren erste Maßnahmen bestanden in der Unterdrückung der antifaschistischen Bewegung. Der deutsche Botschafter schrieb am 28. Juli an das Auswärtige Amt: »Der Sturz des im ganzen Volk verhaßten faschistischen Regimes« habe »gefährliche Hoffnungen erweckt, daß nunmehr auch Brot, Frieden und Freiheit die unmittelbare Folge sein würden. Um die Masse in die Hand zu bekommen, hat sich das Kabinett Badoglio genötigt gesehen, den Belagerungszustand zu verhängen«. Die Wehrmachtsführung beschleunigte die Vorbereitungen für einen Staatsstreich mit der zu dieser Zeit unzutreffenden Begründung, Badoglio wolle das faschistische Bündnis verlassen. Kurt Student, General der Fallschirmtruppe und wegen der von ihm 1941 angeordneten Massenhinrichtungen auch als »Schlächter von Kreta« bekannt, erhielt am 26. Juli den Befehl, bei Rom Kräfte zusammenzuziehen, um »die leitenden Persönlichkeiten, die eines Verrats gegen Deutschland verdächtig sind, festnehmen zu lassen«. Student war nach 1945 maßgeblich in den militaristischen Traditionsverbänden in der Bundesrepublik tätig.

Sizilien ist frei

Inzwischen gingen die Kämpfe auf Sizilien ihrem Ende entgegen. Am 22. Juli war Palermo, die Hauptstadt der Insel, befreit. Aus Catania wurden die Deutschen am 5. August vertrieben. Zwölf Tage später rückte die 7. US-Armee in Messina ein. Nach 38 Kampftagen war die Insel befreit. Wesentliche Ziele der Operation »Husky« wurden erreicht. Das Mittelmeer war für die alliierten Transporte sicherer geworden. Nur noch die vier Kilometer breite Straße von Messina trennte die Anglo-Amerikaner vom europäischen Festland. Bedeutend waren die politischen Folgen. Das Achsenbündnis war zerrüttet und stand vor dem Bruch. Nach der Befreiung Siziliens nahm die neue Regierung Badoglio Verbindungen zu den Westmächten auf. Die Gespräche mündeten am 3. September in einen Waffenstillstand. Die deutsche Reaktion darauf war die seit längerem vorbereitete Errichtung eines überaus harten Besatzungsregimes sowie die gewaltsame Besetzung der italienischen Stellungen in Südfrankreich und auf dem Balkan. Zur Bilanz gehören auch die personellen Verluste. Für die Befreiung Siziliens mußten 5532 alliierte Soldaten sterben, 14409 wurden verwundet. Auf seiten der Faschisten fanden 4678 deutsche und 4325 italienische Soldaten den Tod.

Wegen der methodischen, manche sagen: übervorsichtigen, Kampfführung der Alliierten konnten etwa 39000 deutsche Soldaten mit Ausrüstung auf das Festland entkommen. Der bis zum 3. Mai 1945 dauernde Kampf um Italien hatte begonnen.

Dr. Martin Seckendorf ist Historiker und Mitglied der Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung e. V. Zuletzt schrieb er an dieser Stelle am 13.5.2013 über die Kapitulation der deutsch-italienischen Truppen in Nordafrika.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2013/07-10/020.php