23. August 2013

Täter blieben straffrei

Siegfried Widera - Fotoquelle: Wikipedia

Gedenken an Siegfried Widera, der an der Grenze in Berlin getötet wurde

Vor 50 Jahren am 23. August 1963 wurde in den Abendstunden Unteroffizier Siegfried Widera von Grenzverletzern mit einem Bolzenschneider niedergeschlagen und tödlich verletzt. Er verstarb am 8. September 1963. Sein ebenfalls niedergeschlagener Posten erlitt eine Gehirnerschütterung, versuchte trotzdem durch Anwendung der Schußwaffe die Täter zu stellen, was ihm nicht gelang. Die Täter verschwanden nach Westberlin und blieben straffrei.

Ein Blick in das 2009 erschienene Buch »Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989« (Seiten 453/454): »Siegfried Widera, geboren am 12. Februar 1941: Am 23. August 1963 von Flüchtlingen niedergeschlagen in der Nähe der Massantebrücke an der Sektorengrenze zwischen Berlin-Treptow und Berlin-Neukölln, am 8. September 1963 seinen Verletzungen erlegen.« »Obwohl die Bauarbeiten schon seit dem frühen Abend ruhen, schöpfen Siegfried Widera und sein Posten offenbar keinen Verdacht, als sich gegen 19.00 Uhr drei Männer an einem Bagger zu schaffen machen. Die Männer tragen Arbeitsanzüge und erwecken den Eindruck als würden sie den Bagger reparieren, wird der Gefreite T. später zu Protokoll geben. Tatsächlich sind sie bei dem volkseigenen Betrieb beschäftigt, der die Grabungsarbeiten durchführt und haben dadurch seit Wochen Zugang zum Grenzgebiet. Diese Gelegenheit wollen sie nutzen, um nach Westberlin zu flüchten. Sie verwickeln die beiden Grenzer in ein Gespräch und stellen fest, daß diese völlig arglos sind. Dennoch sehen die Flüchtlinge keine andere Chance, als das Postenpaar außer Gefecht zu setzen, um an ihm vorbei über die Brücke in den anderen Teil der Stadt zu gelangen.« »Bevor sie begreifen, was ihnen geschieht, werden Siegfried Widera und sein Posten mit Fäusten und einer Eisenstange niedergeschlagen. Dann überwinden die Flüchtlinge die Absperrungen an der Massantebrücke und erreichen, obwohl der Posten T. ihnen hinterher schießt, unverletzt das gegenüber liegende West-Berliner Ufer. Mit einem raffinierten Trick sei es ihnen gelungen, die Grenzposten zu überlisten, schreibt anderentags die West-Berliner Presse. Daß Siegfried Widera schwere Verletzungen davon getragen hat und in Lebensgefahr schwebt ist zu diesem Zeitpunkt im Westen nicht bekannt. Er hat einen Schädelbasisbruch erlitten und stirbt zwei Wochen später am 8. September im Städtischen Krankenhaus Köpenick, vermutlich ohne noch einmal das Bewußtsein erlangt zu haben.« (…)

Gegen den überlebenden Grenzsoldaten, der auf die Täter schoß, wurde nach 1990, als alle Unterlagen offen lagen, ermittelt. Die Täter blieben selbstverständlich weiter straffrei. Sie hatten ja nach heutigem Sprachgebrauch nur »einen schießwütigen Mauerschützen« getötet. (…)