15. April 2011

Töten und zerstören

Geschichte. Vor 50 Jahren begannen die USA ihre Kuba-Invasion in der Schweinebucht

Horst Schäfer

Am 17. April 1961 startete die größte Militärmacht der Welt ihre Invasion gegen Kuba. Der Überfall war fast eineinhalb Jahre lang im Auftrag von zwei US-Präsidenten vorbereitet worden: mit Luftangriffen, Abwurf von Waffen, tödlichen Bombenanschlägen, dem Einsatz von CIA-Banden und Mafia-Gangstern, unzähligen Sabotageakten gegen Industriebetriebe, Brandbomben gegen Zuckerrohrfelder sowie mit Dutzenden Mordanschlägen gegen Fidel Castro und andere führende Mitglieder der Regierung. Insgesamt investierte die US-Administration in die völkerrechtswidrige Aktion unter dem Tarnnamen »Operation Zapata« mindestens 100 Millionen Dollar. Sie dauerte vom 17. bis 19. April 1961. Mehr als 1500 von CIA und Spezialisten des Pentagon ausgebildete Söldner, zusammengeschlossen im Landungskorps 2506, waren unter dem Schutz von US-Flugzeugen und einer Armada von Fracht- und Kriegsschiffen in Playa Girón, in der Schweinebucht im Süden der Insel gelandet. Nach nicht einmal 72 Stunden kam das Aus für die Aggressoren: Unter der persönlichen Leitung von Fidel Castro wurden die Eindringlinge von Armee und Milizen zurückgeschlagen und mehr als 1200 von ihnen gefangengenommen. Mehr als 150 Kubaner fanden bei der Verteidigung ihrer Heimat den Tod.

Ziel: Regime change

Eddy Lima aus Miami war einer der 1200 gefangenen Söldner. Auch nach 50 Jahren ist er noch stolz auf seine Verbrechen gegen das sozialistische Kuba. Der CIA-Krieger und andere Mitglieder der US-Invasionstruppe 2506 begingen den Jahrestag der Schweinebucht-Invasion schon vorfristig mit einem Erinnerungstreffen auf der Insel Useppa im Golf von Mexiko, berichtete die zum New-York-Times-Verlag gehörende Sarasota Herald Tribune am 11. Januar 2011. Hier unterhielt die US-Regierung 1960 ein geheimes Ausbildungslager »nur für die Elitemitglieder wie Spezialisten und Führungskräfte« der Aggressionsstreitmacht, wie die Zeitung schrieb. Die meisten anderen seien entweder auf der US-Luftwaffenbasis Homestead in Florida, im Bundesstaat Louisiana, in der damals noch von den USA besetzten Panamakanalzone oder in Guatemala auf die Invasion vorbereitet worden.

Begeistert erzählte der 68jährige Privatdetektiv der Herald Tribune von seinen »Heldentaten«, so der Teilnahme an der US-Invasion Mitte April 1961 und an mindestens zehn weiteren Terrorangriffen, bei denen unter anderem zwei sowjetische Handelsschiffe versenkt sowie Autos und Nachrichtenverbindungen auf Kuba zerstört worden seien. Der US-Bürger kubanischer Herkunft war 1960 als junger Mann von der CIA angeworben worden. Er gehörte der vom Geheimdienst zusammengestellten Sturmbrigade 2506 an, die in der Nacht zum 17. April 1961 in der Schweinebucht landete. Sein Terroristeneinsatz wird sogar auf einer Namenstafel im »Schweinebucht-Museum« in Miami gewürdigt.

Bereits unmittelbar nach dem Einzug von Fidel und Raúl Castro sowie ihrer Revolutionäre 1959 in Havanna hatte die Vorbereitung der »Operation Zapata« begonnen. In mehreren Konferenzen von Präsident Dwight D. Eisenhower mit dem Nationalen Sicherheitsrat (NSC) im Januar und März 1959 wurde die Sorge geäußert, daß »der Sieg Castros Schwierigkeiten mit den lateinamerikanischen Diktatoren bringen könnte«. Parallel zur Invasionsvorbereitung plante die US-Regierung, die Gebrüder Castro sowie Che Guevara ermorden zu lassen.

Mit der Vorbereitung der Invasion wurden von der US-Regierung dieselben Leute in der CIA betraut, die 1954 den blutigen Putsch gegen die Regierung Arbenz in Guatemala geplant und erfolgreich durchgeführt hatten. Arbenz hatte nur sein Wahlversprechen verwirklichen wollen, brachliegende Ländereien des US-Konzerns ­United Fruit Company an landlose Bauern zu verteilen.

Außen- und Verteidigungsministerium der USA legten dann im Herbst 1959 zusammen mit der CIA den Invasionsplan vor, der am 17. März 1960– 13 Monate vor dem Überfall – von Präsident Eisenhower gebilligt und im Januar 1961 nahezu unverändert vom neuen Präsidenten John F. Kennedy übernommen wurde. Gleich im ersten Satz des Dokuments wird das Ziel der geplanten Aggression klar formuliert: »Der Zweck des hier dargestellten Programms ist es, das Castro-Regime durch eines, das (…) annehmbarer ist für die USA, zu ersetzen, und zwar auf eine solche Weise, die den Anschein einer US-Intervention vermeidet.« Das Programm, das nicht einmal zu einem Drittel freigegeben wurde, ist trotz dieser Auslassungen eines der wichtigen Zeugnisse für den staatlichen Terrorismus der USA gegenüber Kuba. Die vier Punkte über die Vorbereitung der Invasion würden selbst in der zensierten Version für eine Anklage wegen Bruch des Völkerrechts vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausreichen.

Propagandaoffensive

Dieses 51 Jahre alte Dokument bestimmt auch heute noch die Grundrichtung der US-Politik gegenüber Kuba. Als erste Voraussetzung für die US-Invasion wird im Programm »die Bildung einer verantwortlichen, wirkungsvollen und vereinigten kubanischen Opposition zum Castro-Regime« gefordert. Um Castros Unterstützung durch das Volk zu unterminieren, sei es notwendig, »Mittel für die Massenkommunikation zum kubanischen Volk zu entwickeln, damit eine machtvolle Propagandaoffensive im Namen der erklärten Opposition initiiert werden kann«. Für diesen Zweck werde auch ein nicht als US-Station zu identifizierender Radiosender – Radio Swan – genutzt. Die »Bildung einer verdeckten Organisation innerhalb Kubas für Geheimdienstinformationen und -aktionen, die den Anordnungen (…) der ›Exil‹-Opposition folgt«, habe bereits begonnen. Das gleiche gelte »für die Bildung einer entsprechenden paramilitärischen Streitmacht außerhalb von Kuba« zusammen »mit der Schaffung der Mechanismen für die notwendige logistische Unterstützung für verdeckte militärische Operationen auf der Insel«.

Vor und während der Invasion spielte die psychologische Kriegsführung eine wichtige Rolle. Bis wenige Monate vor dem Angriff sollte sich die CIA-Radiostation Swan in der Karibik durch interessante Musikprogramme und unverfängliche Texte einen großen Hörerkreis in Kuba sichern. Dann würde eine Hetz-, Verleumdungs-, und Desinformationskampagne folgen. So sollten laut CIA-Plan »Gerüchte verbreitet werden« und insbesondere die kubanischen Streitkräfte »eingeschüchtert, zum Desertieren veranlaßt, zur Panik getrieben oder verunsichert werden«. Weiter komme es darauf an, »der Welt das gewünschte Bild eines inneren Konflikts zu präsentieren und die US-Beteiligung zu minimieren«. In den kubanischen Küstengewässern sollte eine auf einem Schiff untergebrachte Radiostation einen kubanischen Oppositionssender vortäuschen und den auch auf Flugblättern verbreiteten Aufruf ausstrahlen: »Zu den Waffen! Für ein Freies Kuba und ein einheitliches Amerika.«

Der US-Regierungssender Stimme Amerikas und die zum Außenministerium gehörende Propagandabehörde United States Information Agency (USIA) waren voll in die Kriegsvorbereitungen eingebunden. Seit den 80er Jahren betreibt sie auch die Rundfunk- und TV-Station Martí, die immer noch exklusiv nach Kuba sendet und als Hauptziel den Sturz der Regierung Castro mit einem Regimewechsel in Kuba verfolgt. Der Etat der Propagandaorganisation liegt bei weit über einer Milliarde Dollar.

Zur ökonomischen Vorbereitung der Invasion gehörten die erhebliche Reduzierung des Handels mit Kuba durch verdeckte und offene Beschränkungen sowie am 16. Dezember 1960 die komplette Einstellung des Zuckerimports von der Insel. Nach Einschätzung des US-Außenministeriums betraf das 70 Prozent der gesamten Importe aus Kuba.

Anfang 1961 war die Ausbildung der exilkubanischen Söldner so gut wie abgeschlossen, und US-Generalstabschef Lyman L. Lemnitzer konnte Präsident Eisenhower auf einer NSC-Sitzung am 3. Januar bestätigen, daß es sich bei der Brigade 2506 »um die beste Armee in Lateinamerika« handele. Der stellvertretende Außenminister für interamerikanische Beziehungen, Thomas C. Mann, trug zur Euphorie bei, als er berichtete, daß die Unterstützung für Fidel Castro in Kuba von etwa 95 Prozent auf 25 bis 33 Prozent zurückgegangen sei. Laut dem Memorandum des Treffens im Weißen Haus sagte Präsident Eisenhower, wenn ihm die Kubaner einen triftigen Vorwand lieferten, sei er dafür, schon kurz vor seinem Amtsende gegen Castro loszuschlagen. Wenn nicht, so fügte er hinzu, sollten die USA vielleicht »daran denken, etwas zu produzieren, das (als Begründung) allgemein akzeptiert werden würde«.

Vertuschungsmanöver

Am 4. Januar 1961 legte die CIA-Sondereinsatzgruppe Kuba den sehr detaillierten Plan für die Invasion vor. Doch im UN-Sicherheitsrat wiesen die USA am selben Tag alle Vorwürfe und alle durch Kuba vorgelegten Beweise für aggressive Pläne scharf zurück und ließen ihren Botschafter erklären: »Die US-Regierung hat mit solchen Aktivitäten nichts zu tun.« Am 22. Januar 1961 übernahm John F. Kennedy das Präsidentenamt. Bei einem Treffen am 19. Januar hatte Eisenhower seinem Nachfolger noch mit auf den Weg gegeben: »Die USA können langfristig eine Existenz der Regierung Castro nicht zulassen.«

Trotz grundsätzlicher Zustimmung der Kennedy-Regierung zu den Invasionsplänen wurde in Regierungskreisen auch Kritik laut. Was allerdings in keinem Fall bedeutete, daß man ­Castro und seine Regierung nicht auch beseitigen wollte. Die USA wollten nur nicht dabei erwischt werden, und sie sorgten sich insbesondere um ihr internationales Ansehen. Außenminister Dean Rusk warnte in der Sitzung vom 22. Januar vor den »enormen Konsequenzen« einer Landung von US-Streitkräften in Kuba. Man solle alle anderen Möglichkeiten prüfen, »eingeschlossen Gewaltakte«, ehe man sich auf einen solchen Kurs einlasse. Im Protokoll der Sitzung, die im Außenministerium stattfand und an der auch der neue Justizminister Robert Kennedy teilnahm, hieß es dann: »Was wir brauchten, ist ein ›Feigenblatt‹.«

Das schien auch John F. Kennedy so zu sehen. Der Präsident, so wird berichtet »drängte auf Alternativen zu einer von Flugzeugen, Schiffen und Material der USA unterstützten ›Invasion‹«. Unter Bezugnahme auf die von den USA ausgebildeten exilkubanischen Söldner machte Kennedy den Vorschlag: »Könnte eine solche Streitmacht nicht nach und nach und leise an Land gebracht werden und ihre ersten militärischen Anstrengungen von den Bergen aus unternehmen – dann würden sich kubanische Streitkräfte doch in Kuba bilden und nicht als eine Invasionstruppe, die von den Yankees geschickt wurde?«

Auch Präsidentenberater Arthur Schlesinger erhob Bedenken, machte aber in einem Schreiben vom 11. Februar 1961 an Kennedy deutlich, daß es bei seinen Einwänden gegen den Inva­sionsplan nicht um Recht, Gesetz oder gar Moral ging, sondern nur darum, Kubas Regierung – auf welchem Wege auch immer – zu beseitigen, ohne daß allerdings die Verantwortung der USA dafür zu erkennen sein sollte. »Wäre es nicht möglich, Castro zu veranlassen, als erster eine Angriffshandlung vorzunehmen«, schrieb er. »Wenn man Castro nur dazu bringen könnte, anzugreifen, dann wäre die moralische Frage (der US-Inva­sion) vernebelt und die Anti-US-Kampagne wäre von Anfang an in der Klemme.«

Aus CIA-Dokumenten mit Erklärungen von Mitarbeitern des Geheimdienstes geht auch hervor, das die Exilorganisationen eine Schöpfung der CIA waren. »Wir haben die FRD (Revolutionäre Demokratische Front) als Alternative zu Castro gebildet«, berichtete der Leiter der »Paramilitärischen Studiengruppe« der Regierung und CIA-Spezialist für verdeckte Kriege, Jacob Esterline. »Sie bestand aus fünf kubanischen politischen Führern, die nach unserer Ansicht repräsentativ für das kubanische Volk waren, nicht den Anstrich der schlimmsten Elemente von Batista hatten, aber auch nicht so weit links waren, daß sie unvereinbar gewesen wären mit den US-Interessen.«

Unter falscher Flagge

Am 4. April 1961 erklärte Kennedy, er möchte immer noch erreichen, »daß die Operation aussieht wie eine innere Erhebung«. Am 6. April stimmte der Präsident aber »begrenzten Luftangriffen auf wesentliche Ziele sowie Landeunternehmen zur Ablenkung« zu. Fünf Tage vor der Invasion – am 12. April – versicherte der Präsident noch auf einer Pressekonferenz nachdrücklich, daß die Vereinigten Staaten nicht die Absicht hätten, sich in kubanische Angelegenheiten einzumischen. Die geplanten Luftangriffe, so beschloß dann die US-Regierung auf Vorschlag der CIA, sollten den Eindruck erwecken, als ob Bomberpiloten der kubanischen Luftwaffe desertiert seien und die Angriffe durchgeführt hätten. Und so wurde es am 15. April, zwei Tage vor der Invasion, auch gehandhabt. Zuerst bombardierten die USA mehrere Flughäfen, um die kubanische Luftwaffe auszuschalten. Zur selben Zeit flog eine in Nicaragua mit kubanischen Hoheitszeichen präparierte Maschine in die USA und landete in Miami. Der Pilot erklärte, er sei gerade desertiert und habe vorher noch die Bombardements durchgeführt.

Zu diesem Zeitpunkt war die gewaltige US-Armada aus sechs großen Transportschiffen schon unterwegs, die zur Tarnung unter den Flaggen von Liberia und Nicaragua fuhr und die das Söldnerheer und seine Ausrüstung an Bord hatte. Dazu kamen als Geleitschutz der US-Flugzeugträger »Essex«, sieben Zerstörer, ein Landungs- und Versorgungsschiff sowie ein Kriegsschiff als »Reserve«. Der Konvoi hatte auch 35000 von Pentagon und CIA sorgsam zusammengestellte Pakete mit Waffen und Munition geladen, die nach der Landung in Kuba an die erhofften potentiellen Aufständischen verteilt werden sollten. Doch die Invasoren schafften es nicht, die Waffen an Land zu bringen – und nicht ein einziger der 35000 Kubaner tauchte auf, für die die Waffen gedacht waren.

Die Putsch-Regierung

Die Miami New Times berichtete, daß zum selben Zeitpunkt – Mitte April 1961 – ganz besonders illustre Gäste unter scharfer Bewachung auf einem Flughafen in Südflorida zusammenkamen: die von der CIA sorgfältig ausgesuchte kubanische Putsch-Regierung. Sie sollte nach Kuba geschafft, sich auf dem erhofften Brückenkopf in der Schweinebucht als »provisorische Regierung auf kubanischem Boden« konstituieren und andere Staaten zur Anerkennung auffordern. Dem wären die USA sofort nachgekommen, was dann eine direkte militärische Hilfe Washingtons ermöglicht hätte. »An sie wurden Uniformen ausgegeben, und man sagte ihnen, sie möchten sich für einen schnellen Abflug bereithalten – wahrscheinlich für einen Flug zu einer Landebahn nahe der Schweinebucht, um die Provisorische Regierung auszurufen«, schrieb das Blatt. Sie warten wohl immer noch …

Ein bemerkenswertes Resümee der CIA-Invasion in Kuba stammt vom US-Geheimdienst selber. Der stellvertretende Leiter der Historischen Abteilung der CIA, Michael Warner, machte sich 1996 daran, die entsprechenden CIA-Dokumente zu sichten. Unter anderem beklagte sich Warner darüber, daß die diplomatischen Beziehungen zu Kuba von Eisenhower Anfang 1961 abgebrochen wurden. Dadurch habe man die Invasion durchführen müssen »ohne diese besondere Möglichkeit, die bei der Operation SUCCESS (dem CIA-Putsch in Guatemala) so entscheidend gewesen war (…) 1500 mutige und gut trainierte Männer hatten keine Hilfe von den (US)-amerikanischen Diplomaten und den Geheimdienstoffizieren in Havanna«.

Auch ein weiterer CIA-Plan klappte nicht so, wie es die Eisenhower-Regierung gewünscht hatte: Trotz Dutzender Mordkomplotte gegen ihn lebte Fidel Castro noch und konnte daher den Kampf in der Schweinebucht persönlich leiten. Dazu schreibt der CIA-Historiker: »Aber die CIA (…) glaubte wahrscheinlich, daß Castro schon, ehe die (Invasions-)Brigade an Land gehen würde, von der Hand eines CIA-finanzierten Mörders getötet worden wäre.«

Michael Warner stützte sich bei seiner Analyse auf einen Bericht des CIA-Generalinspekteurs Lyman B. Kirkpatrick vom Oktober 1961. Demzufolge wurden dem US-Geheimdienst in der Vorbereitungsphase der »Operation Schweinebucht« von der Regierung folgende Aufgaben gestellt worden:

»a. Bildung einer kubanischen Exilorganisa­tion (…), um die Aktivitäten der Opposition lenken zu können und um eine Tarnung zu schaffen für die Operationen der Agentur (CIA).

b. Eine Propagandaoffensive im Namen der Opposition.

c. Die Schaffung einer geheimen Struktur in Kuba für Aktionen und zum Sammeln von Nachrichten.«

Angesichts der aktuellen Kuba-Politik des Weißen Hauses und der seit Jahren praktizierten offenen US-Unterstützung kubanischer Oppositioneller mit Dutzenden Millionen Dollars ist diese CIA-Beschreibung ihrer Strategie gegenüber Kuba höchst aktuell.

Weiter auf Kriegskurs

Söldner Eddy Lima würde die Terrorpolitik der USA gegen das sozialistische Kuba heute gerne fortsetzen, erzählte er gegenüber der Sarasota Herald Tribune während des Treffens mit Mitgliedern der Brigade 2506 auf der Insel Useppa. Mindestens einmal pro Monat trainiert er mit seiner AK-47. Er werde sein Gewehr »geölt halten«, versprach er, denn solange »sie« – die Gebrüder Castro – auf der Insel sind, müsse er weiter trainieren und weiter kämpfen. »Immer, wenn man Castro schaden kann, ist es richtig. Du mußt töten und zerstören – das ist das einzige, was sie verstehen!« zitiert die Zeitung den unverbesserlichen CIA-Krieger.

Kronzeuge für Lima ist Präsident Kennedy, der sich nach der Schlappe in der Schweinebucht und der Rückkehr der 1200 Gefangenen in die USA im Stadion von Miami mit ihnen getroffen hatte. Am 23. Dezember 1962 überreichten ihm dort die Söldner die Flagge der Invasionsbrigade. Kennedy, so der Terrorist, bedankte sich vor 40000 jubelnden Gegnern Kubas mit dem Versprechen: »Ich kann Ihnen versichern, daß die Flagge dieser Brigade in einem freien Havanna zurückgegeben wird.« Und fast wäre ihm das ja kurz zuvor auch gelungen: Unmittelbar nach der Niederlage im April 1961 hatte die US-Regierung bereits mit der Vorbereitung der nächsten weit größeren Inva­sion für Oktober 1962 begonnen, der »Operation Mongoose«, die dann zur sogenannten Raketenkrise führte und von den USA unter dem Druck der Sowjet­union abgebrochen werden mußte.

Barack Obama wurde am 4. August 1961 geboren – etwas mehr als drei Monate nach der »Operation Zapata« seiner Amtsvorgänger Eisenhower und Kennedy. Der jetzige US-Präsident könnte also die »Gnade der späten Geburt« in Anspruch nehmen. Doch bislang setzte er sich nicht einmal mit der seit fast 53 Jahren andauernden verbrecherischen Politik seiner Vorgänger gegen Kuba auseinander, geschweige denn, daß er sich dafür im Namen der USA entschuldigte. Schlimmer noch: Obama führt genau diese Politik bisher nahezu unverändert fort.

Der Journalist Horst Schäfer hat elf Jahre als ADN-Korrespondent in den USA gearbeitet. Er ist Autor des Buches »Im Fadenkreuz: Kuba« (Berlin 2007) über mehr als 50 Jahre Staatsterrorismus gegen die sozialistische Inselrepublik, das sich – wie auch dieser Artikel – im wesentlichen auf inzwischen zugängliche offizielle US-Dokumente von CIA, Pentagon, Außenministerium und Weißem Haus stützt

Morgen erscheint in der Wochenendbeilage ein ausführliches Interview mit Luis Báez. Er berichtete als erster Journalist über die Ereignisse in der Schweinebucht

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2011/04-15/004.php