27. Oktober 2012

Treue Katholiken

Papst Pius XI. unterstützt den Putsch in Spanien

Am 28. Oktober 2007 sprach Papst Benedikt XVI. 498 Kreuzritter Francos selig

Gerhard Feldbauer

Es waren katholische Geistliche, die sich auf die Seite des faschistischen Putschregimes von General Francisco Franco stellten und während des Bürgerkrieges von 1936 bis 1939 ums Leben kamen, die Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. am 28. Oktober 2007 heilig sprach. Benedikt hatte es so eilig, sich zu den Verbrechen des Franco-Faschismus zu bekennen, daß er gegen geltendes Kirchenrecht auf die Benennung vollbrachter Wunder durch die Seliggesprochenen verzichtete. Sie seien für »ihren christlichen Glauben« gestorben, hieß es zur Begründung.

Was geschah zwischen 1936 und 1939 im Namen des »christlichen Glaubens« in Spanien? Am 17. Juli 1936 putschte General José Sanjurjo von der 1912 gegründeten Kolonie Spanisch-Marokko aus gegen die im Februar des Jahres bei den Parlamentswahlen mit überwältigender Mehrheit gewählte Regierung der Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten, der Gewerkschaft Unión General de Trabajadores und Linksrepublikanern. Unter dem republikanischen Schriftsteller Manuel Azaña Díaz, seit Mai 1936 Präsident, leitete sie bürgerlich-demokratische Reformen ein und garantierte die Autonomie Kataloniens und der Basken. Nachdem Sanjurjo drei Tage später mit einem Flugzeug abgestürzt war, riß Franco die Führung des Putsches an sich. Die ersten Opfer des Mordterrors waren zur neuen Regierung loyal stehende Offiziere, vor allem der Luftwaffe.

Pius XI. unterstützt Putsch

Der klerikal-faschistische Staatsstreich brach auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Sein Scheitern wurde aber durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitler-Deutschlands und Mussolini-Italiens verhindert. Pius XI. wandte sich zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit und arbeitete mit Mussolini und Hitler zusammen. Die italienische Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica schrieb, in dem faschistischen Putsch habe sich »eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung« gezeigt. Aktiv unterstützte das Opus Dei das Franco-Regime. Acht seiner Mitglieder traten in die Regierung des »Caudillo« ein. Die katholische Kirche wurde zu einer der wichtigsten Stützen Francos.

Mit dem Segen des Klerus begannen die spanischen Faschisten und ihre deutschen und italienischen Helfershelfer eine erbarmungslose Menschenjagd. Loyale Republikaner wurden massenweise gequält, verstümmelt, ermordet. »Die Methoden der Mordkommandos sind bestialisch«, schrieb der Kämpfer der Internationalen Brigaden Fritz Teppich in seinen Erinnerungen »Spaniens Himmel«. Der Weg der Franco-Truppen »ist von Massenmorden gezeichnet. In Badajoz, nicht weit von der portugiesischen Grenze, ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Juan Yagüe, einer der Schlächter von Asturien, niedermetzeln, was seinen Söldnern vor die Gewehre kam. Alle Republikaner, derer sie dabei habhaft werden konnten, wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen.«

Georges Bernanos, französischer Schriftsteller und gläubiger Katholik, berichtete in seinem Buch »Die großen Friedhöfe unter dem Mond«: In der kleinen Stadt Manacor auf Mallorca waren 200 Einwohner, »die den Italienern verdächtig waren, mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und schubweise auf den Friedhof gebracht worden, wo man sie mit Kopfschüssen niederstreckte«. Der Erzbischof hatte dazu einen »Geistlichen gesandt, der, mit den Schuhen im Blute watend, jeweils zwischen zwei Salven Absolution erteilte«. Andere werden mit Lastwagen zu einem einsamen Feldweg gefahren. »Sie steigen ab, stellen sich in Linie auf, küssen eine Medaille oder auch nur den Nagel des Daumens. Peng! Peng! Peng! – Die Leichen werden an den Rand der Böschung geschleift, wo sie der Totengräber am nächsten Morgen findet, mit zerschmettertem Schädel, im Nacken ein häßlicher Klumpen schwarzen geronnenen Blutes.«

Fast eine Million Menschen fiel dem von der klerikal-faschistischen Reaktion entfesselten Bürgerkrieg zum Opfer. Der US-amerikanische Historiker Gabriel Jackson schrieb in seinem Buch »La Repubblica espaniola e la Guerra civile«: »die Zahl der auf der ›nationalen‹ Seite zwischen 1936 und 1944 ermordeten oder hingerichteten Menschen (beziffert sich) zwischen 150000 und 200000, die in der republikanischen Zone auf 20000 während der drei Kriegsjahre.« Die Kurie hat bisher nirgendwo ihre Schuld an diesen Verbrechen eingestanden. Keiner der von den Faschisten ermordeten Geistlichen wurde bisher selig oder heilig gesprochen.

Benedikt XVI. bekennt sich

Mit der Seligsprechung von 498 Kreuzrittern Francos bekannte sich der Ratzinger-Papst wie mit der 2009 folgenden Rehabilitierung der klerikal-faschistischen Piusbruderschaft zum Bündnis der Kurie mit Reaktion und Faschismus gegen die Arbeiterbewegung, gegen Kommunisten und Sozialisten, aber auch gegen bürgerliche Oppositionelle, ja selbst gegen Andersdenkende in den eigenen Reihen. Die Grundlage für dieses Bündnis legte 1891 bereits Leo XIII. mit seiner Enzyklika »Rerum Novarum«, die sich gegen »jede Form des Sozialismus« wendete, der als »Pest« gebrandmarkt wurde, und forderte: »Wenn die Massen sich von üblen Doktrinen hinreißen lassen, darf der Staat nicht zögern, mit starker Hand zuzufassen«. Pius XI., der 1922 offen die Machtübergabe an Mussolini unterstützt hatte, knüpfte in seiner Enzyklika »Quadragesimo anno« im Mai 1931 an »Rerum Novarum« an, verlangte, weltweit »eine schonungslose Unterdrückung« der Kommunisten und erklärte, daß die Rettung »im Faschismus« liege.

Mit der Unterstützung des Franco-Regimes setzte dieser Papst das Bündnis fort. Ihm folgte Pius XII., der sein Pontifikat am 2. März 1939 antrat. Während in Spanien nach Francos Sieg die Mordkommandos wüteten, gratulierte er dem General in einer Botschaft: »Die von Gott als wichtigster Diener der Evangelisation der Neuen Welt und als uneinnehmbares Bollwerk des katholischen Glaubens auserwählte Nation hat soeben den Anhängern des materialistischen Atheismus unseres Jahrhunderts den erhabensten Beweis dafür geliefert, daß über allen Dingen die ewigen Werte der Religion und des Geistes stehen.« Ein weiteres Glückwunschtelegramm erhielt Hitler, dem der Papst »mit besten Wünschen den Segen des Himmels und des allmächtigen Gottes« übermittelte.

Von Benedikt XVI. ist bisher kein Wort der Verurteilung oder auch nur des Bedauerns zu diesen Verbrechen bekanntgeworden. Seine Seligsprechung der Kreuzritter Francos heißt die unter dessen Mörderregime begangenen Untaten gut. Er stellt sich damit auch hinter die Glückwünsche, die Pius XII. Franco und Hitler übermittelte.

Menschenjagd unter Kruzifixen und Marienbildern

Der baskische katholische Priesters Inaki de Aberrigoyen, schilderte, wie der Klerus die Massenmorde an katholischen Priestern und ihren Gläubigen absegnete. Als er im September 1936 wegen seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der baskischen »Arbeitersolidarität«, die keinerlei politische Ziele verfolgte, eingekerkert wurde, erlebte er am eigenen Leib Gefängnis, Folter und massenweise Hinrichtungen. Sowohl die zuständigen Generalvikariate als auch der Erzbischof von Pamplona erhoben dagegen keine Einwände. Aberrigoyen beschrieb, wie Francos Truppen im Baskenland auf Volksfrontanhänger wie auf Geistliche, die sich nicht sofort dem Putsch anschlossen, unter Kruzifixen und Marienbildern eine gnadenlose Jagd begannen. Das Gefängnis von Ondarreta und das Asyl des Heiligen Josef in San Sebastian, das in ein Gefängnis verwandelt worden war, habe mehr als 40 Priester beherbergt. »Die Verfolgung war allgemein. Es gab kaum ein Dorf, wo man nicht auf einen oder mehrere Priester Jagd gemacht hatte. Hunderte von Ordensleuten – Jesuiten, Kapuziner, christliche Schulbrüder – verließen ihre Klöster, um nach Amerika zu fliehen. Man nahm keine Rücksicht, weder auf Alter noch auf Krankheit und nicht auf ganz offenkundige Unschuld. Ich kann die Angst, die diese Verfolgung unter uns auslöste, gar nicht beschreiben.« Das sei »ganz offen vor den Augen der spanischen Hierarchie (erfolgt), die nicht einen einzigen öffentlichen Protest einlegte«. Der Autor bezeugte, daß die Volksfrontregierung die Kirche nicht antastete, es erst nach den barbarischen Massakern an ihren Anhängern, an denen sich die Geistlichkeit beteiligte, zu Übergriffen kam.

Quelle: Inaki de Aberrigoyen: Sieben Monate und sieben Tage in Franco-Spanien, Luzern 1939

Von Gerhard Feldbauer erschien 2010: Der Heilige Vater. Ein Papst und seine Tradition, PapyRossa Verlag – auch im jW-Shop erhältlich

Den Artikel finden Sie unter: www.jungewelt.de/2012/10-27/011.php