9. Mai 2018

Weißenburger Linke gedachte dem Kriegsende

Auch zum 73. Jahrestag zum Ende des 2. Weltkriegs fanden sich bereits im dreizehnten Jahr in Folge nur ein Dutzend Menschen zum 9. Mai auf dem Weißenburger Russenfriedhof zu einer Gedenkveranstaltung ein. Angemeldet wurde das Gedenken im Namen der Linken durch Stadtrat Erkan Dinar.

Südöstlich der Stadt, mitten in den Obstgärten zwischen den Wohngebieten am Gartenfeld und den Sommerkellern, befindet sich der Russische Friedhof auf dem Gelände des ehemaligen Fallhauses. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden hier die Überreste von Tieren, denen man zunächst im nahe gelegenen Fallhaus die Haut abgezogen hatte, vergraben. Da man die durch grausamen Haftbedingungen und Zwangsarbeit vestorbenen Gefangenen des 2. Weltkrieges im Internierungslager auf der Wülzburg nicht auf dem gemeindlichen Friedhof bestatten durfte, wurde dieses Areal von den Nazis den Toten zugewiesen.

Durch Scham und vermutlich politisch gewolltes Schweigen im Nachkriegsweißenburg geriet das Gelände in Vergessenheit. Erst 1989 wurde die Anlage von der Stadt Weißenburg zu einem würdigen Mahnmal umgestaltet. Heute finden sich drei mit Blumen bepflanzte Gräberreihen und 40 kleine Kreuze auf dem Friedhof. Kurz wieder ins Stadtbewusstsein geriet das Gelände 1995 als die katholische Kirchengemeinde Weißenburg eine dreieckige Gedenkstele aus Jurastein aufstellte. Diese Gedenkstele symbolisiert die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, denen die Inhaftierten angehörten.

Für den 75. Jahrestag der Befreiung wünscht sich Stadtrat Dinar eine offizielle Veranstaltung der Stadt Weißenburg in Kooperation mit der Konsulat der Russischen Förderation sowie den Weißenburger Religionsgemeinschaften. Um den idyllischen Friedhof in der Bevölkerung bekannter zu machen, würden sich die Linken sogar eine jährliche Gedenkveranstaltung der Stadt Weißenburg wie am Volkstrauertag wünschen. Bisher gab es dafür im Stadtrat jedoch keine Unterstützung.

Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE) dazu: "Ein Teil der deutschen Bevölkerung möchte sich einfach nicht erinnern. Sie wolle nichts hören von Faschismus und starker Führung, sondern von der Schande und von der Erinnerung daran befreit sein. Wie aber soll diese Befreiung möglich sein, wenn die Erinnerung erst gar nicht zugelassen werde. Der Rassismus der NS-Diktatur habe seine menschenvernichtende Ideologie gegen viele Gruppen gerichtet: Arme, Arbeitslose, gleichgeschlechtlich Liebende, behinderte Menschen, Ausländer, Sinti und Roma, politische Gegner des Systems. Und heute würde man eben jene Ressentiments auch wieder in der Bevölkerung finden.

Gerade darum sind wir verantwortlich, die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit wach zu halten und der Nachwelt aufzuzeigen, wie es damals gewesen sei, wie es dazu kommen konnte, damit künftige Generationen daraus lernen könnten und begreifen, dass Hass und Gewalt, Hass und Gewalt nach sich ziehen. Es sei ein langer Weg gewesen, den die Deutschen zurücklegen mussten, um begreifen zu können, dass die deutsche Niederlage ein Tag der Befreiung war. Der 8. Mai sei deshalb noch immer die wichtigste Probe für unsere Fähigkeit und Bereitschaft, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen, sie anzunehmen."