20. März 2019

Stadt- und Kreisrat Erkan Dinar (DIE LINKE) traf kurdische Bürgermeisterin im Deutschland-Exil

Leyla Îmre und Erkan Dinar

Stadt- und Kreisrat Erkan Dinar (DIE LINKE) traf sich in Nürnberg mit der Bürgermeisterin der 140.000 Einwohner-Stadt Cizre, Leyla Îmret. Die aktuelle Trägerin der Carl-von-Ossietzki-Friedensmedaille nahm dabei eine Einladung nach Weißenburg an.

Îmret wurde in Cizre geboren, einer kurdischen Stadt in der Südosttürkei, die an der Grenze zu Syrien und Irak liegt. Als sie knapp vier Jahre alt war, starb ihr Vater als Kämpfer der PKK in einem Gefecht. 1996, im Alter von etwa 9 Jahren, reiste sie aus der Türkei aus, um bei einer Tante und einem Onkel in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen zu leben. 2013 zog sie zurück in die Türkei.

Im Jahre 2014 nahm sie an den türkischen Kommunalwahlen teil, wobei sie als Kandidatin der Barış ve Demokrasi Partisi (BDP) mit 83 % der Stimmen zur Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt gewählt wurde. Sie zählte zu den jüngsten Bürgermeistern der Türkei und war die erste Bürgermeisterin Cizres. Während ihrer Amtszeit setzte sie sich für den Wiederaufbau und die Normalisierung des Lebens in Cizre und insbesondere für den Umweltschutz ein.

Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Türkei flüchtete sie Ende 2017 nach Deutschland. Sie habe, so erklärte sie, "nach drei Festnahmen und drei Freilassungen […] kein Vertrauen auf ein faires Gericht mehr". Ihr wurde auf Grund der politischen Verfolgung in der Türkei in Deutschland politisches Asyl gewährt. Îmret ist derzeit Deutschland-Chefin der HDP, sie beschreibt ihre Rolle so: „Wir sind die Kraft, die die verschiedenen Ethnien, Religionen und gesellschaftlichen Gruppen in der Türkei zusammenführt. Darum hasst uns die Regierung. Aber darum sind wir auch gut für das Zusammenleben in Deutschland."

Am 16. Dezember 2018 wurde Îmret von der Internationalen Liga für Menschenrechte mit der Carl-von-Ossietzky-Friedensmedaille ausgezeichnet. In Kürze wird sie über ihr Leben auch in Weißenburg berichten. Sie nahm eine entsprechende Einladung an.

Stadtrat Dinar dazu: Leylas Eltern kommen aus Kurdistan, meine aus Anatolien. Wir sind beide in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert worden. Uns beiden droht bei Einreise in die Türkei die sofortige Verhaftung. Unser Vergehen: Wir beide setzen uns seit vielen Jahren für einen Demokratie- und Friedensprozess in der Türkei ein. Für dieses Ansinnen befinden sich derzeit hunderte Menschen weltweit in lebensbedrohlichen Hungerstreiks.

Die deutsche Bundesregierung muss endlich aufhören türkische und kurdische Oppositionelle in Deutschland zu kriminalisieren sowie weiterhin Waffen in die Türkei zu liefern. Ein Bruch mit dem Erdogan-Regime ist überfällig."