15. Oktober 2017

Weißenburger Kläranlage filtert nun Arzneimittelreste, Hormone sowie Pflanzenschutzmittel - Stadtrat Dinar (DIE LINKE) fordert Reduzierung der Düngemittel- und Pestizidüberschüsse

Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE)

Die Weißenburger Kläranlage feierte mit einem Festakt die Inbetriebnahme der ersten bayerischen Kläranlage mit Vierter Reinigungsstufe. Bereits 2015 hatte der Stadtrat dem 3 Millionen - Projekt zugestimmt gehabt. Darunter auch Stadtrat Erkan Dinar (DIE LINKE).

Bislang können in dreistufigen Kläranlagen nur 95 Prozent der organischen Stoffe aus dem Abwasser gefiltert werden. Nun geht es auch den restlichen 5 Prozent an den Kragen. Als Zielmarke gilt, 80 Prozent der biogenen Stoffe zu eliminieren. Damit soll vor allem der Verweiblichung von Fischen entgegen gewirkt werden. Denn bisher gingen eben auch Arzneimittelreste, Hormone sowie Pflanzenschutzmittel in die Schwäbische Rezat.

Nun wird in der Vierten Reinigungsstufe das Abwasser mit Ozon angegangen. Ein großer Teil der Arzneimittel und Hormone soll damit gespalten werden. Mit Aktivkohle und Sand wird dann das Abwasser in zwei Filterstraßen gereinigt. Ein Jahr lang möchte nun das Bayerische Umweltministerium durch begleitenden Messungen und wissenschaftlichen Auswertungen den Erfolg der Anlage messen lassen.

Der Anschluss des Weißenburger Krankenhauses an die Kläranlage spielte bei der Auswahl der Anlage für das Ministerium eine wichtige Rolle. Wichtig sei auch gewesen, dass die Schwäbische Rezat relativ wenig Wasser mit sich führe, sprich die Belastung mit biogenen Stoffen im Verhältnis sehr hoch sei. Die Kosten der Vierten Reinigungsstufe betragen 3 Millionen Euro. 2,3 Millionen Euro sind als Zuschüsse geflossen.

Erkan Dinar, Stadt- und Kreisrat, dazu: "Gut gereinigtes Abwasser ist wichtig zum Schutz von Flüssen, Seen und Meeren sowie angrenzenden sensiblen Ökosystemen. Hierbei geht es nicht nur um Abwässer aus Privathaushalten. So sollten eigentlich Krankenhäuser Medikamentenreste vor der Einleitung ins Abwassersystem aus ihrem Abwasser filtern, denn Krankenhausabwässer haben eine weitaus höhere seuchenhygienische sowie arznei- bzw. behandlungsmittelbedingte Belastung. Die Unkosten sowie die Logistik dafür sind den Krankenhäusern jedoch kaum zumutbar, weil bisher dafür keine Zuschüsse zur Verfügung standen. Mit der Vierten Reinigungsstufe wird auch ihnen geholfen.

Der Löwenanteil der Nährstoffbelastungen unserer Gewässer kommt übrigens nicht mehr aus kommunalen Abwässern, sondern aus der Landwirtschaft. Hier besteht dringender Handlungsbedarf zur Reduzierung der Düngemittel- und Pestizidüberschüsse."